Ökosysteme gewinnen zunehmend an Bedeutung. Um wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und im Markt zu positionieren, arbeiten Marktteilnehmer in branchenübergreifenden Netzwerken. Global gibt es bereits einige sehr erfolgreiche Player. Sie dienen vielen anderen Organisationen als Vorbild, selbst zu einem ökosystembasierten Geschäftsmodell zu wechseln. Laut einer Accenture-Studie gaben knapp die Hälfte (46%) der befragten Führungskräfte an, aktiv nach Ökosystemen und neuen Geschäftsmodellen Ausschau zu halten. 1

Doch wie gelingt ökosystemorientierten Unternehmen eine derartige Wertschöpfung?

Der inkrementelle Wert von Ökosystemen beruht auf ihrer Fähigkeit, Netzwerkeffekte zu nutzen. Das bedeutet, jeder neue Teilnehmer des Ökosystems bedeutet einen Wertzuwachs für alle Unternehmen der Plattform.

„Netzwerkeffekte bedeuten, dass der Wertzuwachs aller Netzwerkteilnehmer mit jedem neuen Teilnehmer einer Plattform steigt.“

Traditionelle Geschäftsmodelle folgen dem klassischen Wertschöpfungskettenmodell: von der Produktion bis zum Vertrieb. Dazwischen gibt es kaum Interaktionen zwischen Verkäufern und Endkunden. Dies führt dazu, dass kaum nutzbare Netzwerkeffekte entstehen. In einem Ökosystem entstehen hingegen gleich zwei Netzwerkeffekte: Bei den direkten Netzwerkeffekten führt eine Steigerung der Nutzung zu einem unmittelbaren Wertzuwachs für andere Teilnehmer des Netzwerks. Telefonsysteme oder soziale Netzwerke sind ein Beispiel dafür. Indirekte Netzwerkeffekte entstehen, wenn die Nutzung eines Elements den Wert anderer Elemente steigert und umgekehrt, so zum Beispiel beim Angebot und der Nutzung von Mobiltelefonen und Apps.

Mit der Anzahl der Teilnehmer und der Qualität ihrer Beteiligung erhöhen sich die Netzwerkeffekte sogar. Dabei können verschiedene Faktoren positive Auswirkungen auf Anzahl und Qualität der Teilnehmer haben.

Doch wie gelingt es erfolgreichen Unternehmen, Netzwerkeffekte in der Praxis zu erzielen und eine weitaus größere Wertschöpfung zu generieren als mit einem traditionellen Geschäftsmodell?

Wie Werttreiber Netzwerkeffekte vergrößern können

Das EINE Erfolgsrezept? Gibt es nicht!

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Netzwerkeffekten hängen stark davon ab, wie viele Ökosystem-Teilnehmer es gibt und wie hoch die Qualität ihrer Beteiligung ist.

Accenture Strategy hat die Hebel untersucht, die ökosystemorientierte Unternehmen nutzen, um sowohl die Zahl der Teilnehmer als auch die Qualität der Teilnahme zu beeinflussen. Und auch wenn jede Organisation eine eigene Strategie verfolgt, kristallisierten sich die folgenden gemeinsamen Werttreiber heraus:

  • Verborgene Angebote aktivieren: Ansprache von Teilnehmern, die ihre Waren oder Dienstleistungen nicht in einem traditionellen Geschäftsmodell anbieten möchten.
  • Verborgene Nachfrage aktivieren: Ansprache von Teilnehmern, die keine Waren oder Dienstleistungen in einem traditionellen Geschäftsmodell kaufen.
  • Services und Zusatzfunktionen bereitstellen: Spezielle Services und Vorteile für bestimmte Nutzergruppen.
  • Umfangreiche Produkt- und Dienstleitungspalette bereitstellen: Vielfältigere Produkte bzw. Dienstleistungen vom Angebotsportfolio des Ökosystems.
  • Nachfrage aktiv steigern: Bereitstellen (nicht-)finanzieller Anreize für Käufer, um quantitatives Wachstum und Qualität der Beteiligung zu steigern.
  • Angebotsvielfalt steigern: Bereitstellen (nicht-)finanzieller Anreize für Anbieter, um quantitatives Wachstum und Qualität der Beteiligung zu steigern.
  • Preismodell für die Angebotsseite einführen: Anpassung der Preisstruktur durch den Orchestrator des Ökosystems, um die Beteiligung auf Angebotsseite anzukurbeln.
  • Vertrauen schaffen: Einführung von Mechanismen, die das Vertrauen der Käufer stärken (z.B. Rezensionen, Bewertungen, Verifizierung durch Dritte).
  • Anreize für High-Value-User anbieten: Förderung von Teilnehmern, die positiven Einfluss auf die Anzahl der Nutzer und die Qualität der Beteiligung nehmen können.
  • Daten effektiv monetarisieren: Verwendung von Käuferinformationen zur Optimierung oder Anpassung des Produkt- und Dienstleistungsangebots von Lieferanten.
  • Neue Anbieterkompetenzen aufbauen: Unterstützung von Anbietern, um die Qualität des Produkt- und Service-Angebots des Ökosystems zu verbessern.
  • Informationsfluss verbessern: Informationsaustausch unter den Ökosystem-Teilnehmern, um das Risiko bei Entscheidungsprozessen zu reduzieren.


Was können wir daraus lernen?

Zahlreiche Führungskräfte prophezeien Ökosystemen eine goldene Zukunft. Ihrer Ansicht nach werden Ökosysteme in den nächsten drei bis fünf Jahren neue Wettbewerbsvorteile schaffen (56 Prozent), einen besseren Kundenservice ermöglichen (50 Prozent) sowie Innovation und Disruption vorantreiben (44 Prozent). 2

Doch wie können Sie eine Ökosystem-Strategie am besten umsetzen? Aus unserer Analyse lassen sich verschiedene Erkenntnisse ableiten:

  • In einem ökosystembasierten Modell ist die Wertschöpfung höher als in einem traditionellen Geschäftsmodell. Außerdem können zahlreiche Faktoren den Wertzuwachs beeinflussen.
  • Der Wechsel zu einem ökosystembasierten Geschäftsmodell ist eine bedeutende Aufgabe. Sie erfordert ein tiefgreifendes Verständnis der Werttreiber, die Netzwerkeffekte stimulieren können. Die Nutzung der richtigen Werttreiber hängt wiederum von der Vision ab, nach der die einzelnen Organisationen streben.
  • Es gibt kein Patentrezept, um vorherzusagen, welche Kombination von Werttreibern den Nutzen eines ökosystembasierten Geschäftsmodells maximieren kann.
  • Fokus und Relevanz der einzelnen Werttreiber verändern sich mit der Zeit. Daher muss die Strategie angepasst werden, um die größtmöglichen Netzwerkeffekte und folglich einen maximalen Wertzuwachs für das Ökosystem zu generieren.
  • Erfolgreiche Ökosystemmodelle zeigen, dass man aus praktischen Erfahrungen am besten lernen kann. Das bedeutet, den optimalen Mix aus Werttreibern ständig an die jeweiligen Netzwerkeffekte anzupassen, um auf diese Weise Wertzuwachs zu generieren.

1 Accenture Strategy, Cornerstone of Future Growth: Ecosystems, 2018

2 Accenture Strategy, Cornerstone of Future Growth: Ecosystems, 2018

Ron Ref

Managing Director – Accenture Strategy, Communications, Media & Technology


Sergio Tieri

Senior Manager – Accenture Strategy, Communications, Media & Technology

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