In den Supply-Chain-Planungsteams von Morgen arbeiten Mensch und Maschine Hand-in-Hand. Der Grund? Nur gemeinsam können sie das leisten, was wir bei Accenture „Applied Intelligence“ nennen - die Anwendung intelligenter Technologien und menschlichen Einfallsreichtums zur Bewältigung komplexer Herausforderungen.

Bei der Planung der Supply Chain ist Applied Intelligence nicht nur wichtig, um die Effizienz und Effektivität zu erhöhen, sondern auch, um spezielle Produkt- und Servicewünsche der Kunden zu antizipieren und zu bedienen. Ein Beispiel:

  • Signale für die Nachfrage kommen aus verschiedensten Quellen, etwa von internetfähigen Endgeräten, Social-Media-Plattformen und von Partnern aus vernetzten Kanälen. Im Bereich des Modeeinzelhandels können Instagram-Daten frühe Signale für zukünftige Trends liefern. Im Bereich Telekommunikation können Daten zu Mobiltelefon-Aktivierungen genutzt werden, um Kanäle und das Ersatzteillager zu managen. Im Pharmabereich können intelligente Verpackungen den Patienten über die richtige Einnahme informieren.
  • Analytics Engines können Informationen nutzen, die aus großen, unstrukturierten Datensätzen gewonnen wurden, und daraus automatisch Planungshilfen zu Angebot und Nachfrage ableiten. So nutzen Firmen für ihre Nachfrageprognosen nicht mehr nur traditionelle Quellen wie Auftragshistorie und Verkaufsaktionen. Statt dessen ergänzen sie sie um Informationen zu aktuellen Ereignissen, aus der Politik oder Umwelteinflüssen, wie z.B. Wetter- oder Klimaveränderungen. Darüber hinaus leiten sie auch aus den Diskussionen über Social Media Trends ab, die ihre Nachfrage beeinflussen.
  • Dank Optimierungslösungen, die In-Memory und Cloud Computing nutzen, dauert die Aktualisierung der Planung keine Stunden oder Tage mehr. Statt dessen sind die neuen Zahlen binnen Sekunden verfügbar. Um einen positiven Deckungsbeitrag zu erzielen, müssen Chemieunternehmen bei der Planung ihrer Versorgungs- und Produktionsnetzwerke Rahmenbedingungen wie Aufbaukosten, Logistikkosten, veranschlagte Preise für Rohmaterialien und gefertigte Waren berücksichtigen. Noch vor einigen Jahren haben selbst rein volumenbasierte Optimierungslösungen manchmal mehrere Stunden gebraucht. Mithilfe von Applied Intelligence lassen sich auch die finanziellen Faktoren in deutlich kürzerer Zeit bei der Planung inkludieren.
  • Denn künstliche Intelligenz-, die In-Memory- und Cloud-Computing-Technologien nutzt, kann wichtige Teile des Planungsprozesses automatisieren. Dabei integriert und synchronisiert sie die Planung mit den Supply- und Fulfillment-Ökosystemen. Anbieter der Gesundheitsbranche integrieren Echtzeit-Informationen zur Nachfrage sowie von Gerätesensoren ermittelte Daten über Abweichungen in ihre Planung und in ihre Produktions- und Qualitätsprozesse. So können sie adäquat auf sich verändernde Patientenbedürfnisse reagieren.


Doch ganz alleine funktionieren diese Systeme nicht. Der Mensch ist ein wichtiger Teil der Gleichung. Der Supply-Chain-Planer der Zukunft wird mehr Verantwortung für alle Planungsprozesse des Unternehmens übernehmen. Accenture Strategy geht davon aus, dass sich künftig die bisher aufgesplittete seperate Planung von Angebot, Nachfrage, Produktion, Vermarktung und Finanzen in eine einzige End-to-End Planungsfunktion wandeln wird. Das künftige Planungsteam wird dafür verwantwortlich sein, zahlreiche verschiedene Supply Chains zu entwickeln, welche die jeweiligen Bedürfnisse spezieller Kunden-Mikrosegmente bedienen. Außerdem müssen sie den laufenden Geschäftsbetrieb sowie die Abweichungen davon managen.

Daraus wird sich die neue Rolle eines „Digital Engineers" entwickeln – hoch analytische, digital erfahrene Data Scientists, die wissen, wie man Algorithmen, Alert-Protocols und Steuerungs-Parameter entwickelt, managt, und optimiert. Der End-to-End-Planner und der Digital Engineer werden künftig ein Team bilden, um Applied Intelligence im Planungsprozess Realität werden zu lassen. Wenn wir uns die Bedürfnisse verschiedener Kunden-Mikrosegmente ansehen, können wir uns eine Reihe von Planungsarchetypen mit Applied-Intelligence-Unterstützung vorstellen. Zum Beispiel:

  • Ein schlanker und verlässlicher Ansatz, bei dem die Grenzen zwischen Planung und Supply-Chain-Ausführung (Exekution) aufgehoben werden — wir nennen ihn „Plani-cution“. Konzepte wie bedarfsorientiertes MRP bieten die Möglichkeit, die Supply Chain, alleine basierend auf Aufträgen in Echtzeit laufen zu lassen und damit ein großes Automatisierungspotential.
  • Ein agiler und flexibler Ansatz, der auf einem kollaborativen „Asset-Light-Modell“ beruht. Kann man ein Konzept wie Fourth Party Logistics (4PL) auf die Produktionsmittel anwenden? Hier muss sich die Supply-Chain-Planung von einem lokalen Unternehmen zu einer Netzwerk- oder Plattformperspektive hin entwickeln – Angebot und Nachfrage der mit der Plattform vernetzten Akteure müssen synchronisiert werden.
  • Ein innovationsgetriebener Ansatz der Nachfrageerkennung, attributbasierte Prognose und Advanced Consumer Analytics nutzt, um Kunden mit neuen Produkten und Dienstleistungen zu versorgen.

Neue Planungsmodelle werden gebraucht, um die Vision von zukünftiger Planung, bei der Menschen und Maschinen zusammenarbeiten, in die Realität umzusetzen. Accenture Strategy Research hat ermittelt, dass 83 Prozent der Führungskräfte glauben, dass ihr aktuelles Planungssystem noch mittelstarker bis starker Intervention durch den Menschen bedarf. 68 Prozent denken, dass neue intelligente Software-Lösungen erforderlich sind, damit die Vision einer regelbasierten automatisierten End-to-End-Planung Realität werden kann.1

Mit neuen Technologien und Aufgabenteilungen wird ein Unternehmen den End-to-End-Planungsprozess in einer ganz neuen Qualität und Art und Weise ausführen. Es wird sicher weniger aber dafür weitaus höher qualifizierte Planer geben, die Hand-in-Hand mit intelligenten Technologien zusammenarbeiten. Zu den potenziellen Business-Vorteilen eines digitalfähigen End-to-End-Planungsmodells in Echtzeit, gehören Umsatzsteigerung sowie reduzierte Kosten für Lagerhaltung, Verwaltung und Betrieb.

Ein digitalfähiges End-to-End-Planungsmodell in Echtzeit

Das neue Supply-Chain-Planungsmodell beinhaltet fünf durch Daten- und Technologie-basierte ermöglichte Fähigkeiten, die von End-to-End-Planern orchestriert werden.

Quelle: Accenture Strategy, 2018

Trotz des großen Potenzials, müssen viele Unternehmen erst noch in den Auf- und Ausbau der nötigen Supply-Chain-Kompetenzen investieren. Fast die Hälfte der von uns befragten Führungskräfte sagt, dass Investitionen in Kollaborationstools und Algorithmen zur Qualitätssteigerung der Planung noch drei Jahre in Anspruch nehmen kann. Mehr als ein Drittel prognostiziert den gleichen Zeitraum für Analytics in Echtzeit.2

Bei vielen dieser Technologien bedarf es mehr, als nur einen Schalter umzulegen, damit sie betriebsbereit sind. Es gibt noch viel zu lernen und die Technologien erfordern Steuerung, Abstimmung und Optimierung. Die passenden neuen Mitarbeiter im Bereich Planung zu gewinnen und zu halten, erfordert von den Unternehmen auch, die aktuell geltenden Belegschaftsplanung zu überdenken. Drei Jahre abzuwarten, ehe man investiert, kann bedeuten, dass ein Unternehmen nicht mehr zu den Early Adopters aufschließen wird.

Unternehmen müssen jetzt handeln und die Weichen in Richtung neue Planungsfunktionen stellen. Es obliegt den Leitern der Supply-Chain, sicherzustellen, dass sie das Business und die Supply-Chain-Planung erfolgreich in die Zukunft führen.

Es ist ein guter Start, eine Zukunftsvision für die Supply Chain und die notwendige Workforce zu definieren. Außerdem müssen die wichtigsten Planungsschritte bestimmt werden, die notwendig sind, um die Vision erfolgreich zu realisieren. Auch gilt es zu bestimmen, wo und wie die Transformation beginnen soll. Diese Entscheidungen werden Unternehmen dabei helfen, frühzeitig individualisierte Produkte und Dienstleistungen am Markt und in die wachsende Anzahl von Kunden-Mikrosegmenten liefern zu können - was letztendlich entscheidend für das Wachstum in den kommenden Jahren sein wird.

1Accenture Strategy Future of Supply Chain research, 2017

2Ibid

Martin Grieger

Senior Principal – Accenture Supply Chain, Operations and Sustainability Strategy

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