Der sich in der Technologiepolitik äußernde Systemwettbewerb zwischen den USA und China bringt die deutschen Topunternehmen in eine schwierige Situation. Auf der einen Seite steht eine staatlich gelenkte Wirtschaft, die immer mehr in B2B-Plattformen investiert. Auf der anderen eine mit Unmengen an privatem Kapital finanzierte Start-up-Fabrik, die sich ebenfalls verstärkt im B2B-Umfeld vernetzt. Und mittendrin steht Deutschland. Unseren Leitindustrien drohen drastische Rückschritte in der Wertschöpfungskette: Vom Innovationsschrittmacher könnten sie zum Zulieferer der neuen globalen Spitzenkräfte werden. Was müssen die Top500 jetzt tun? Accenture hat Handlungsfelder identifiziert, mit denen die Weltmarktführer von gestern und heute auch die von morgen sein können.

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4 Bausteine: Wie Deutschlands Leitindustrien vorne bleiben

  1. Visionen für die Plattformökonomie entwickeln
    Künftige Wertschöpfungspotenziale liegen immer mehr in Services, mit denen die Produkte zu „Smart Products“ veredelt werden: Diese Services liefern Daten als Grundlage für die permanente Optimierung des Kundennutzens und der Herstellung. Dazu müssen die Leitindustrien unternehmensübergreifend zusammenarbeiten – mithilfe digitaler Plattformen. Diese Plattformen werden damit zur zentralen Kundenschnittstelle und zum Orchestrator der Wertschöpfungskette. Topmanager deutscher Unternehmen stehen der Plattformökonomie aufgeschlossen gegenüber, doch sie müssen sich jetzt auch am Markt durchsetzen. Erstklassige Chancen gibt es dank des vorhandenen Datenschatzes vor allem im Fahrzeugbau, dem Maschinen- und Anlagenbau und der Medizintechnik. Um diese Chancen erfolgreich nutzen zu können, muss aus dem Wollen ein Handeln werden.

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  1. Von Innovation zu Transfer und Skalierung
    Um Weltmarktführer zu sein, müssen deutsche Industrieunternehmen auch Innovationsführer bleiben. Grundsätzlich hat der Standort Deutschland dabei viel zu bieten – auch dank zahlreicher leistungsfähiger wissenschaftlicher Institute. Schwierig ist es heute, die Erfindungen der Wissenschaft in die Industrie zu transferieren und daraus Produkte mit marktfähigen Geschäftsmodellen zu gestalten. Bislang befindet sich vor allem die Skalierung digitaler Innovationen noch im Anfangsstadium. Eine wesentliche Hürde sind die hohen Investitionskosten. Für die Finanzierung sind die Unternehmen stark von dem immer schwächer werdenden Bankensektor abhängig. In der Skalierungsphase brauchen wachstumsstarke Unternehmen oft Kapital aus dem Ausland.

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Welche Hemmnisse sehen Sie beim Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen in Ihrem Unternehmen? (in Prozent)

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  1. Den Staat als digitalen Leitanwender etablieren
    Wenn der Staat mit seinen fünf Millionen Beschäftigten die digitale Transformation vorantreibt, wird er zum Schrittmacher für die gesamte Gesellschaft. Und damit auch für die Industrie. Mit einem Beschaffungsvolumen von etwa 350 Milliarden Euro könnte der Staat eine Vorbildfunktion für massive digitale Skalierung einnehmen. Derzeit fehlt es dabei nicht an Geld für ambitionierte Infrastrukturprojekte. Es stockt hingegen der Abruf der Investitionsprogramme in der Fläche. Dabei ist eine funktionierende digitale Infrastruktur die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung der deutschen Unternehmen – und damit auch für ihre globale Wettbewerbsfähigkeit.

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  1. Digitale Souveränität Europas sicherstellen
    Ihre Position in der Wertschöpfungskette werden zunehmend nur noch Unternehmen behaupten können, deren Produkte über digitale Plattformen angeboten werden. Hierbei geht es vor allem um Cloud-Infrastrukturen, flächendeckende und schnelle Datennetze, Datenmarktplätze und eine sichere Identitätsinfrastruktur. Amerikanische und chinesische Konzerne verfügen auf diesen Gebieten über einen immensen Vorsprung, da sie früh viele Milliarden Dollar in Cloud-Lösungen investiert haben. Zu ihnen aufzuschließen, wird für europäische Projekte schwierig. In einer nicht wettbewerbsfähigen Cloud-Infrastruktur kann keine global marktführende Plattform entstehen. Es braucht Möglichkeiten, die Datensouveränität auch dann zu gewährleisten, wenn nicht-europäische Infrastrukturen zum Einsatz kommen.

Zum Ende der 2010er-Jahre liest sich die Erfolgsbilanz der digitalen Transformation in Deutschland wenig schmeichelhaft. Bislang wurde viel angekündigt – und wenig umgesetzt. Accenture sieht vor allem sechs Bausteine, mit denen sich die ins Stocken geratene Digitalisierung wieder vorantreiben lässt und deutsche Konzerne auf Weltmarktführer-Kurs bleiben.

Unternehmertum

Die Top500 brauchen eine digitale Kompetenzoffensive in den wichtigsten Gremien und den Mut, ungewohnten Vorhaben zuzustimmen.

Ambition

Es braucht den Willen, Digitalprojekte in größeren Maßstäben zu denken und sie zu skalieren. Hunderte isolierte Inselprojekte bringen nichts.

Strategie

Es gilt, das Bestandsgeschäft zu optimieren und Spielräume für Innovationen zu vergrößern. Kooperationen mit anderen Unternehmen sind entscheidend.

Digitale Infrastruktur

Cloud-Lösungen, Identitätssysteme, digitale Marktplätze und schnelle Datennetze sind entscheidende Wettbewerbsfaktoren in der Plattformökonomie.

Ökosysteme

Damit innovative Geschäftsmodelle skalieren, braucht es Ökosysteme, die auf digitalen Infrastrukturen basieren.

Plattformen

Was Google, Facebook und Co. im B2C-Bereich geschafft haben, können deutsche Top500-Unternehmen im B2B-Markt erreichen: den Aufbau marktführender Plattformen.

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Die Top500 brauchen den Mut, ihre Geschäftsmodelle ganz neu zu denken, um ihre Position in der Plattformökonomie zu finden.


Frank Riemensperger

Vorsitzender der Geschäftsführung – Accenture Deutschland

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