STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Wer Cloud-Investitionen voll ausschöpfen will, muss zunächst die Anwendungen, die Infrastruktur und die Datenarchitektur modernisieren.
  • Der Aufwand hängt von der Anwendung ab. Die Bandbreite reicht vom Plattformwechsel über serverlose Architekturen bis zur Entkopplung der Systeme.
  • Das 7R-Framework von Accenture definiert diese Möglichkeiten in einer Reihe von Migrationsoptionen.
  • Sinnvoll ist es, sich auf den Nutzen zu konzentrieren, das gesamte Unternehmen einzubinden und Drittanbieter-Tools mit Bedacht auszuwählen.


Mehr aus der Cloud herausholen

Ihr Unternehmen in die Cloud zu bringen, ist nur der erste Schritt. Anschließend gilt es, das enorme Effizienz- und Innovationspotenzial auch tatsächlich zu nutzen. Das bedeutet, Anwendungen und Dienste, die den Mehrwert der Cloud-Umgebung voll ausschöpfen, zu entwickeln.

Für vollkommen neue Entwicklungen ist das meist kein Problem. Aber was ist mit Ihren Altsystemen? Gerade Großunternehmen betreiben meist Hunderte, Tausende, teilweise sogar Zehntausende von Anwendungen. Und viele davon sind erfolgskritisch.

Für einen langfristigen Nutzen müssen Sie sorgfältig entscheiden, welche der Anwendungen in welchem Umfang modernisiert werden müssen. Außerdem sollten Sie sich mit der Wahl Ihrer Infrastruktur und Datenarchitektur befassen – unabhängig davon, ob Sie mit dem Lift-and-Shift-Ansatz bereits umgestiegen sind oder gerade erst mit einer Cloud-Migration beginnen.

Anwendungen modernisieren: Wenn Sie Ihre Anwendungen einfach in die Cloud verschieben, werden Sie sicherlich Kosten einsparen und einige technische Probleme lösen können. Aber welchen Unterschied werden Ihre Endanwender tatsächlich bemerken und wie viel zusätzlichen Geschäftswert wird es letztendlich freisetzen? Um den Mehrwert der neuen Umgebung wirklich zu steigern, müssen Sie Ihre Anwendungen für die Cloud modernisieren.

Infrastruktur modernisieren: Infrastrukturen werden zunehmend von Software bestimmt. Bei der Modernisierung sollten Sie daher darauf achten, dass Ihre Systeme den neuen Infrastructure-as-Code-Ansatz unterstützen. Das eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten zur Automatisierung und für eine datenbasierte IT-Verwaltung, was nicht nur Kosten senkt, sondern Sie auch agiler und flexibler macht.

Daten modernisieren: Daten bilden die dritte wichtige Säule einer Modernisierungsstrategie. In vielen Unternehmen sind veraltete On-Premise-Datenarchitekturen im Einsatz, die komplex, teuer, unflexibel und schwer zu pflegen sind. Im Gegensatz dazu können Sie mit modernen Datenarchitekturen in der Cloud auch fortschrittliche Analytics-Services von Hyperscalern nutzen – einschließlich Machine Learning und Deep Learning. Und das schneller und einfacher, als es in Ihrem eigenen Rechenzentrum möglich wäre.

Viele Wege zur Modernisierung

Es gibt ein breites Spektrum an Modernisierungsansätzen, die unterschiedlich kostenintensiv, komplex und nützlich sind.

Das 7R-Framework von Accenture unterteilt dieses Spektrum in klar definierte Migrationsoptionen. Entlang der Skala steigt der Modernisierungsgrad an – von null („Rehost“ und „Replace“) bis hin zu einer Komplettumstellung („Refactoring“ und „Reimagining“).

Die 7Rs einer Cloud-Umstellung

Retire

Schalten Sie die Anwendungen ab, die Sie nicht mehr brauchen.

Retain

Behalten Sie On-Premise-Anwendungen, deren Migration zu komplex oder zu kostspielig ist.

Rehost

Verschieben Sie Ihre Anwendungen schnellstmöglich in der Cloud.

Replatform

Setzen Sie eine neue Plattform für Anwendungen auf, die in der Cloud ein anderes Betriebssystem benötigen.

Replace

Ersetzen Sie Anwendungen, wenn bessere und/oder günstigere SaaS-Lösungen verfügbar sind.

Refactor

Refaktorisieren Sie Anwendungen, die für die Cloud erhebliche Code-Änderungen erfordern, und entkoppeln Sie sie gegebenenfalls von anderen Systemen.

Reimagine

Gestalten Sie Geschäftsprozesse in der Cloud neu, indem Sie Ihre wichtigsten Nutzenversprechen neu definieren und verbessern.

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Erstellen Sie Ihren Business Case

Welche der 7Rs passen am besten zu Ihnen? Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Haben Sie eine Wahl? Prüfen Sie zunächst, ob eine Modernisierung in Ihrem Fall optional oder notwendig ist. Denn einige Anwendungen lassen sich ohne vorherige Anpassungen gar nicht erst in die Cloud überführen.
  • Bringt die Modernisierung überhaupt einen Vorteil? Wenn Ihre Anwendung stabil läuft und ohnehin nicht für die Ewigkeit ausgelegt ist, ermitteln Sie zunächst, ob sie modernisiert werden sollte.
  • Profitiert Ihre Anwendung von der Cloud? Nur wenige Anwendungen können allein durch die Migration alle Funktionalitäten der Cloud-Architektur nutzen. Wahrscheinlich müssen Sie sie dafür zunächst modernisieren.
  • Ist eine cloudnative Transformation möglich? Durch Replatforming oder Refactoring einer Anwendung schaffen Sie flexiblere Architekturen und einen größeren Mehrwert. Die Frage ist, wie viel Sie jeweils in die Modernisierung investieren sollten (siehe unten).
  • Werden Sie die Kosten für die Modernisierung wieder reinholen? Je mehr Sie verändern, desto teurer und zeitaufwendiger werden Maßnahmen voraussichtlich sein. Wägen Sie die Gesamtbetriebskosten sorgfältig mit dem Nutzen ab, der entsteht.
  • Ist ausreichend Expertise vorhanden? Falls Sie etwa noch alte Mainframe-Anwendungen betreiben, sollten Sie ermitteln, ob das dafür nötige Know-how noch im Unternehmen vorhanden ist, bevor Sie eine Modernisierung angehen.

Ist Modernisierung Pflicht?

Optionale Modernisierung

Ein Plattformwechsel oder eine Refaktorierung Ihrer Anwendung bringen zwar eine bessere Funktionalität und einen höheren Mehrwert mit sich – sind aber nicht unbedingt notwendig.

Erforderliche Modernisierung

Ist ein Teil Ihrer Anwendung nicht für den Cloud-Betrieb kompatibel, müssen Sie sie entsprechend anpassen. Einfach in die Cloud verschieben reicht nicht aus.

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Replatform oder Refactor: Sie entscheiden

Wenn Sie Ihre Anwendung auf eine neue Plattform überführen, werden in der Regel nur minimale Änderungen am Code vorgenommen – gerade genug, um sicherzustellen, dass die Anwendung in der neuen Cloud-Umgebung die gleiche Funktionalität bietet.

Bei der Refaktorierung zerlegen Sie die Anwendung hingegen vollständig und bauen sie mit einer cloudnativen Architektur neu auf. Unter Umständen ändern Sie sogar die Programmiersprache. Der Umfang der Code-Änderung – und der anschließend erforderlichen Tests – ist erheblich.

Bei einigen Anwendungen kann es sinnvoll sein, sie sogar in einzelne, wiederverwendbare Komponenten oder Microservices zu zerlegen. Diese lassen sich über APIs oder einen Orchestrations Layer wie Kubernetes bereitstellen. Möglicherweise bietet sich für Ihre Anwendung auch eine serverlose Architektur an. Dabei läuft der Code direkt in der Cloud und Sie müssen keine eigene Infrastruktur verwalten.

Digital Decoupling – Alt und Neu parallel betreiben

Digital Decoupling (digitale Entkopplung) ist eine Methode, um große Altanwendungen wie etwa Mainframe-Software zu modernisieren.

Ältere Anwendungen lassen sich nur schwer neu in der Cloud aufbauen – insbesondere wenn Sie ihre eingebettete Anwendungslogik und Daten replizieren möchten. Bei der digitalen Entkopplung bauen Sie ein von Grund auf neues, cloudnatives System neben einem bestehenden auf. Indem Sie die Daten Ihres neuen und alten Systems nahezu in Echtzeit synchronisieren, können beide parallel laufen. Das heißt, Sie können die Anwendung Stück für Stück modernisieren und profitieren dabei von cloudnativen Architekturen, modernen Methoden wie DevSecOps und von einem hohen Automatisierungsgrad.

Digital Decoupling ist ein wenig so, als würden Sie neben Ihrem alten Haus noch ein weiteres Haus bauen. Während Sie den Neubau nach und nach fertigstellen und einrichten, leben Sie mal im einen, mal im anderen Gebäude. Irgendwann ziehen Sie dann komplett um, ohne das alte Haus jemals renoviert haben zu müssen.

Fallstricke vermeiden

  • Konzentrieren Sie sich auf den Nutzen, nicht nur auf die Kosten. Die Modernisierung ist ein langfristiger Prozess, der auf einer soliden Einschätzung dessen basiert, wo Sie jetzt stehen und wo Sie hinwollen.
  • Versuchen Sie nicht, das Unmögliche möglich zu machen. Der Umfang einer Modernisierungsinitiative kann überwältigend sein. Erwägen Sie daher, Ihr Anwendungsportfolio in Segmente aufzuteilen.
  • Bringen Sie die gesamte Organisation zusammen. Eine der größten Hürden auf dem Weg zur Cloud ist die fehlende Abstimmung zwischen der IT und dem Rest des Unternehmens.
  • Denken Sie an das Betriebsmodell. Ein Modernisierungsprogramm muss berücksichtigen, wie das Unternehmen die neuen Anwendungen in der Cloud betreiben und verwalten wird. Arbeitsprozesse müssen grundlegend geändert werden – auf der Infrastruktur- und der Anwendungsebene.
  • Setzen Sie Ihre Prioritäten umsichtig. Bei der Entscheidung, welche Anwendungen zuerst modernisiert werden sollen, sollten Sie unbedingt anwendungs- und nutzenorientiert vorgehen. Wenn Sie aber sofort mit Ihrem anspruchsvollsten Projekt starten, wird das garantiert den Enthusiasmus dämpfen – selbst wenn es letztendlich den größten Mehrwert verspricht.
  • Entscheiden Sie, was mit den Daten passiert. Wenn hinter einer Anwendung eine Datenbank steckt, sollten Sie überlegen, beide gemeinsam zu modernisieren.
  • Nehmen Sie sich Zeit für das Testen. Viele Altanwendungen sind das Ergebnis von jahrelang angesammeltem Wissen und unzähligen Arbeitsstunden. Um das gleiche Leistungsniveau zu erreichen, muss Ihre Modernisierungsinitiative einen gewissen Mindestaufwand berücksichtigen und der Code muss umfassend getestet werden.
  • Wählen Sie Tools von Drittanbietern sorgfältig aus. Es gibt mehrere Lösungen, die Teile Ihres Modernisierungsvorhabens automatisieren können. Aber: Nicht alles lässt sich automatisieren.

Willkommen in der modernen Welt

Modernisierung ist der Schlüssel, um technische Hürden aus der Vergangenheit abzubauen und Geschwindigkeit sowie Agilität in der Cloud zu steigern. Eine umfassende Modernisierung ist aber nicht für jede Anwendung, jede Situation oder sogar jedes Unternehmen geeignet. Es gibt durchaus Argumente, sich zunächst auf das Rehosting zu konzentrieren, um schnell in die Cloud umzuziehen. Aber auch wenn Sie entscheiden, die Modernisierung vorerst aufzuschieben, sollte sie auf Ihrer Agenda für die Zukunft stehen.

Letztendlich müssen Sie auf cloudnative Anwendungen, Infrastruktur und Daten hinarbeiten, um den vollen Nutzen aus der Cloud zu ziehen. Ein sorgfältig durchdachtes Modernisierungsprogramm ist der Weg dorthin.

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