In Kürze

In Kürze

  • Im internationalen Vergleich setzen die Deutschen für ihr Krankheitsmanagement digitale Technik seltener ein, wären aber bereit, das zu ändern.
  • Die Deutschen sind offen für digitale Services bei der medizinischen Versorgung, wenn sie sichtbaren Nutzen, Schutz der Daten und Komfort erkennen.
  • Vertrauensverhältnis nutzen: Klare Empfehlungen von den Gesundheitsdienstleistern sind der Schlüssel zur Akzeptanz von Digitalisierung im Gesundheitswesen.


Die COVID-19-Pandemie hat weltweit große Veränderungen verursacht. Auch im Gesundheitswesen. Begegnungen und Beratungen, Zertifikate und Testergebnisse – alles wurde digitaler.

Im internationalen Vergleich zeigen sich die Deutschen relativ zufrieden mit den Erfahrungen, die sie in dieser Zeit mit Gesundheitsdienstleistungen gemacht haben. Das belegt die vorliegende Studie Accenture Health and Life Sciences Experience 2021, für die Patient:innen in 14 Ländern weltweit nach ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen befragt wurden. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf digitaler Technik und Technologien sowie deren Akzeptanz, Nutzung und Erwartungen seitens der Patient:innen.

Deutsche Patient:innen brauchen mehr Sicherheit

Eine Erkenntnis der Befragung: Nur wenige Menschen haben während der Pandemie für ihr Gesundheitsmanagement auf digitale Technik und Technologien oder digitale medizinische Versorgung vertraut – beispielsweise zur Überwachung und zum Verständnis ihres Gesundheitszustands. Und das, obwohl diese Technologien das Potenzial haben, die Effizienz und Effektivität der medizinischen Versorgung zu steigern und den Nutzer:innen zusätzlichen Komfort zu bieten.

Die Ergebnisse der Befragung lassen den Schluss zu, dass mangelndes Vertrauen – beispielsweise in Technologieunternehmen – und Unsicherheit in Bezug auf den Datenschutz Gründe dafür sein könnten.

Empfehlungen erleichtern die Entscheidung

Oft fehlt es zudem an der klaren Kommunikation bezüglich der Möglichkeiten und digital verfügbarer Angebote. Vor allem von ihren nächsten Vertrauenspersonen in Praxen, Apotheken und bei Pflegediensten wünschen sich die Patient:innen mehr Empfehlungen und Beratung zum Thema digitale Gesundheitsleistungen.

Die Studie zeigt, was der nächste wichtige Schritt beim Aufbau eines effizienteren, digital unterstützten Gesundheitssystems ist: die Bedürfnisse und Erwartungen von Menschen bezüglich ihrer Gesundheitsversorgung zu verstehen und ihr Vertrauen in die Akteure des Gesundheitswesens, Kostenträger, politische Entscheidungsträger und andere an der Digitalisierung beteiligte Unternehmen zu stärken.

Die internationale Patienten-Umfrage von Accenture Health and Life Sciences Experience 2021 analysierte vier Themengebiete, die die wichtigsten Ergebnisse aufzeigen und die Erfahrungen veranschaulichen, die Menschen derzeit in der Gesundheitsversorgung machen.

Technologie: Markttransparenz nötig

Die befragten Deutschen ziehen weniger häufig als Befragte anderer Länder digitale Gesundheitsanwendungen für ihre Versorgung heran. Aber viele sind dazu bereit, digitale Lösungen auszuprobieren, wenn ihnen der richtige Anreiz geboten wird.

Motivieren können sie dazu Empfehlungen von medizinischen Leistungserbringern, das Erlangen besserer Gesundheitsinformationen und größeres Vertrauen in Datensicherheit und die Wahrung der Privatsphäre.

58%

der Deutschen haben im Vorjahr keine digitale Technologie für ihre Gesundheit genutzt.

36%

der Befragten waren es global.

Erfahrung: Größtenteils positiv

In Deutschland verlaufen Interaktionen im Gesundheitssystem grundsätzlich positiv, aber es gibt dennoch Verbesserungspotenzial. Die Befragten, bei denen eine Erkrankung diagnostiziert wurde, sagten, dass sie gut mit ihrer „Patientenreise“ zurechtkommen, also dem Weg durch alle Phasen ihrer Erkrankung, angefangen von den ersten Symptomen bis hin zur Therapie und Nachbetreuung.

Auch die Folgen negativer Erfahrungen kamen zur Sprache: Die meisten Befragten gaben an, dass eine negative Erfahrung bei ihnen Stress verursachte, sie dazu veranlasste, den medizinischen Leistungserbringer oder die Behandlung zu wechseln, oder dass es beim nächsten Mal, als sie medizinische Versorgung brauchten, weniger wahrscheinlich war, sich überhaupt in Behandlung zu begeben.

Die Ergebnisse der Befragung belegen: Um eine positive Erfahrung in der Gesundheitsversorgung zu machen, suchen Deutsche nach einem medizinischen Leistungserbringer, der sich klar ausdrückt und emotionale Unterstützung bietet. Ihnen ist wichtig, dass der Besuch effizient gestaltet ist und die Angestellten freundlich sind. Diese Erwartungen zu priorisieren kann dazu beitragen, dass Behandlungen weniger häufig abgebrochen werden.

Zwei Drittel der Befragten berichten von schlechten Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen – damit liegt Deutschland gleichauf mit dem globalen Durchschnitt.

Vertrauen: Warten auf Empfehlungen

Die Menschen in Deutschland sind sich der Wahrung ihrer Privatsphäre und des Schutzes ihrer persönlichen Daten bewusster als jemals zuvor – und sie zögern, ihre Daten zentral gesammelt oder für privatwirtschaftliche Verwendung zur sicheren Verwahrung freizugeben.

Für diese Menschen ein vertrauensvoller Partner zu sein ist enorm wichtig. Und um ein gut integriertes, effizientes System aufzubauen, ist es unerlässlich, dieses Vertrauen zu verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens über das gesamte Ökosystem der Gesundheitsversorgung hinweg aufzubauen und zu stärken.

65% - 76%

der Deutschen trauen dem Ökosystem der Gesundheitsversorgung zu, digitale Gesundheitsdaten sicher aufzubewahren.

31% - 38%

und nur 31% bis 38% der Regierung, Technologie- und Pharmaunternehmen.

Zugang und Erschwinglichkeit: Kosten sind entscheidend

Im Vergleich zu Befragten in anderen Ländern stoßen Patient:innen in Deutschland bei der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und der Versorgung mit Medikamenten weniger auf finanzielle Hürden. Diejenigen, bei denen es finanzielle Hürden gibt, lehnen oftmals eine Behandlung ab oder greifen zu rezeptfreien Medikamenten.

Die Kosten spielen für Deutsche eine wichtige Rolle, und für viele von ihnen kommen digitale Technologien oder Gesundheitsdienste nicht infrage, solange sie mit Kosten verbunden sind.

49%

der befragten Deutschen ziehen regelmäßige Untersuchungen wie Bluttests oder Krebsvorsorge nur in Betracht, wenn sie kostenlos sind.

31%

weltweit.

Schlüsselfaktoren für mehr digitale Teilhabe

Unsere Studie zeigt im internationalen Vergleich auf, dass für Patient:innen in Deutschland andere Faktoren Einfluss darauf haben, ob sie digitale Gesundheitsdienste verwenden.

Es wird deutlich: Der Trend hin zur Digitalisierung der Medizin geht noch nicht weit genug. Für Patient:innen haben Empfehlungen ihrer behandelnden Ärzt:innen sowie Datensicherheit eine hohe Priorität – sogar höher als im internationalen Vergleich. Die Bereitschaft zur Nutzung von digitalen Diensten ist deutlich größer, wenn Patient:innen eine bestehende akute oder ernsthafte Erkrankung haben, sodass die Vorteile und der Mehrwert der digitalen Dienste leicht ersichtlich und direkt verständlich sind.

Es gibt zudem einen Unterschied zwischen privat und gesetzlich Versicherten: Privat krankenversicherte Patient:innen sind zufriedener mit den digitalen Diensten, die ihre Krankenversicherung ihnen anbietet, als Patient:innen in gesetzlichen Krankenkassen.

Weitere Aspekte der Studie

Als Fazit für diejenigen, die den Fortschritt im Bereich digitale Gesundheitsdienste planen und die Entscheidungen darüber treffen, lassen sich aus dieser Studie außerdem diese Aspekte ableiten:

  1. Dienste, die die psychische Gesundheit und mentale Balance positiv beeinflussen, haben besonders hohe Relevanz, da in dynamischen Situationen wie einer Pandemie damit auch die Resilienz von Patientinnen und Patienten gesteigert werden kann.
  2. Jüngere Patient:innen sind eher als ältere bereit, digitale Dienste zu verwenden, und können somit auch als Botschafter und Unterstützer über die Generationen hinweg und innerhalb der Familien agieren.
  3. Patient:innen wollen keine Digitalisierung in der Medizin als Selbstzweck; die Vorteile und der Mehrwert müssen klar verständlich gemacht werden und greifbar sein.
  4. Digitale Angebote sollten als Schlüssel zu einer individualisierten Gesundheitsleistung geplant und gesteuert werden – als Differenzierung für Anbieter und als Mehrwert für Patienten.

Global Health & Life Sciences Experience Survey

Transkript herunterladen

Unser Team

ABONNEMENT-CENTER
Bleiben Sie mit unserem Newsletter auf dem Laufenden Bleiben Sie mit unserem Newsletter auf dem Laufenden