Fokussieren Sie Ihre Zero-Based Analysen auf bestimmte Geschäftsbereiche, Funktionen oder Prozesse? Dann verschenken Sie ungewollt wertvolle Potenziale von ZBx. Denn in der Komplexität, die innerhalb und zwischen den funktionalen Silos von Organisationen liegt, verbirgt sich großes Optimierungspotenzial. Dies zu identifizieren ermöglicht zusätzliche Wertschöpfung.Gründe dafür sind Redundanzen, schwache Verbindungen oder weil es keine angemessene Ausrichtung auf ein gemeinsames strategisches Ziel, wie zum Beispiel Umsatzwachstum, gibt. Vor diesem Hintergrund müssen Unternehmen einen zusätzlichen Analyseschritt durchführen und die gesamte Wertschöpfungskette betrachten. Es gilt zu ermitteln, wie das Unternehmen tatsächlich agiert und nicht, wie es theoretisch organisiert ist.

Analysen nach dem Zero-Based-Ansatz

Diese ganzheitliche Analyse der Wertschöpfungskette bezeichnet Accenture Strategy als ZBX. Dies bedeutet wörtlich „Zero-Based Everything“ und beschreibt die Betrachtung ALLER Bereiche und Prozesse mit dem Ziel, Einsparpotenziale zu identifizieren, mit denen sich wiederum Investitionen in Ressourcen und wachstumssteigernde Aktivitäten finanzieren lassen.Organisationen können so neue Angebote entwickeln, Unternehmen zukaufen, Investitionen in Innovation und Technologien tätigen, wichtige Kompetenzen gewinnen oder auch neue Märkte erschließen. Alles Faktoren, die sich positiv auf den Umsatz auswirken können. Wie aus der ZBx-Studie von Accenture hervorgeht, verknüpfen 56 Prozent der Unternehmen Zero-Based-Analysen mit ihren Wachstumszielen.1

Jenseits des Organigramms

Viele Organisationen neigen dazu, Strategien zur Kostensenkung entlang der Organisationsstruktur und Funktionsbereiche zu erarbeiten. Das ist jedoch ein Fehler. Organigramme sind ohne Frage nützlich, beispielsweise um Befugnisse zu delegieren oder die Performance zu steuern. Doch sie bilden nicht ab, wie ein Unternehmen tatsächlich Ergebnisse erzielt undgeschäftlichen Mehrwert generiert – sei es in Form herausragender Customer Experience, durch die Entwicklung attraktiver neuer Produkte und Dienstleistungen oder die zeitnahe, präzise Bereitstellung finanzieller Kerndaten und Empfehlungen. Um diese Ziele zu erreichen, müssen mehrere Aktivitäten über verschiedene Funktionen, Abteilungen und Prozesse hinweg koordiniert und aufeinander abgestimmt werden.

Das Problem isolierter Analysen sind sogenannte False Positives. Wird Arbeit isoliert betrachtet (wenn zum Beispiel jeweils nur eine Funktion oder ein Prozess analysiert wird), dann sind keine Erkenntnisse darüber möglich, wie (oder ob) dieser einzelne untersuchte Bereich zur gesamten Wertschöpfungskette beiträgt. Bei einem solchen Ansatz kann der falsche Eindruck entstehen, dass eine Aktivität oder eine bestimmte Tätigkeit wertschöpfend ist – und demnach beibehalten werden sollte. Im Gegensatz dazu kann ein Analysemodell, das über funktionale Silos hinweg arbeitet, genau bestimmen, welche Tätigkeiten tatsächlich Mehrwert schaffen und welche nicht oder gar kontraproduktiv sind.

Verschenken Unternehmen ihre Chancen? Wer die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick fasst, kann versteckte Wachstumspotentiale erschließen.

Die gesamte Wertschöpfungskette im Blick

Für einen internationaler Konsumgüterkonzern kam das Zero-Based-Prinzip beispielsweise im Rahmen einer umfassenden strategischen Geschäftstransformation zum Einsatz.2 Die so identifizierten Einsparmöglichkeiten können zusätzliches Wachstum befeuern. Doch nicht nur das: Die verschiedenen Blickwinkel entlang der gesamten Wertschöpfungskette verdeutlichen, inwieweit unterschiedliche Aktivitäten Hand in Hand gehen sollten, um wertschöpfende Ergebnisse zu erzielen. Dabei kann der Bedarf für zusätzliche Investitionen in bestimmten Bereichen ermittelt werden. Oder es wird deutlich, wo Investitionen umgeschichtet werden können, um Wachstumsziele zu unterstützen und Ressourcen aus unwirtschaftlichen Aktivitäten freizusetzen.

Beispiel: Internationaler Konsumgüterkonzern Für diesen Kunden kam das Zero-Based-Prinzip im Rahmen einer umfassenden strategischen Geschäftstransformation zum Einsatz. Das Ergebnis: Es wurden Hunderte Millionen Euro an unproduktiven Ausgaben ermittelt. Diese hat der Konzern umverteilt, um so neue Geschäftsmodelle und Märkte zu finanzieren. Doch damit nicht genug: Bei einer Analyse der Wertschöpfungskette hat Accenture festgestellt, dass 80 Prozent der Mitarbeiter (Full-Time-Equivalent = FTE) nicht an wertschöpfenden Prozessen beteiligt waren und dass sogar 70 Prozent der FTE Tätigkeiten ausführten, die sich als „einfache“ oder „nicht fachspezifische“ Arbeiten kategorisieren lassen. Der Konzern hat in der Wertschöpfungskette zudem bestimmte Aktivitäten identifiziert, die Nacharbeiten erforderten. Dabei wurde festgestellt, dass lediglich zehn Aufgaben für 40 Prozent aller Nacharbeitungskosten verantwortlich sind.



Mit einer siloübergreifenden, analytischen Modellierung der tatsächlichen Geschäftstätigkeit, können nicht nur Wertpotenziale aufgedeckt, sondern gleichzeitig auch Risiken gemindert werden. Unternehmen haben außerdem die Möglichkeit, die durch den Zero-Based-Ansatz ermittelten Einsparpotenziale einem Stresstest zu unterziehen – von der Umgestaltung ganzer Prozesse über Rollenveränderungen bis hin zur Einführung neuer Technologien. Mit solchen Stresstests kann sichergestellt werden, dass die Neuerungen keine negativen Auswirkungen auf den Betrieb haben. Dies kann wertvolle Maßnahmen, wie zum Beispiel einen ganzheitlichen Kulturwandel nach sich ziehen – immerhin für zwei Drittel der von uns befragten Unternehmen eines der bedeutendsten Hindernisse bei ihrem ZBx-Projekt.3

Eine Analyse der gesamten Wertschöpfungskette zeigt auch eventuelle nachteilige Auswirkungen der Änderungen auf die Kundenorientierung oder Agilität. Damit wird sichergestellt, dass sich Maßnahmen zur Kostenreduzierung nicht nur auf die Optimierung der Margen beschränken. Vielmehr sollen sie Unternehmen dabei unterstützen, Veränderungen in der Nachfrage festzustellen und Produkte sowie Dienstleistungen schnell darauf auszurichten.

Das Ziel: 1 + 1 +1 > 3

Eine ZBx-Analyse identifiziert potenzielle Synergien zwischen Funktionen und Prozessen, die Mehrwert schaffen können. Darüber hinaus macht sie deutlich, wo fehlende Synergien die Wertschöpfung einer Organisation beeinträchtigen. Wenn die „Wertegleichung“ eines Unternehmens etwa 1 + 1 + 1 = 2 lautet, gibt es ein Problem. Im Idealfall sollte 1 + 1 + 1 weitaus mehr als 3 ergeben, da die Leistungsfähigkeit integrierter Funktionen zunimmt.

1 Accenture Strategy, „Jenseits des ZBB-Hypes“, 2018.

2 Analyse von Accenture Strategy, 2019.

3 Studie von Accenture Strategy, „Jenseits des ZBB-Hypes“, 2018.

April Wirtz

Managing Director – Accenture Strategy


Sid Behari

Senior Manager – Accenture Strategy

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