STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Immer mehr Unternehmen verpflichten sich zur Klimaneutralität. Im August 2021 bekennt sich fast ein Drittel der über 1.000 größten börsennotierten europäischen Unternehmen zu einem Netto-Null-Ziel bis 2050.
  • Das Ziel ist erreichbar, doch es ist ambitioniert. Nur eins von zehn (9 %) Unternehmen ist auf dem richtigen Weg und halbierte seine Emissionen in den letzten zehn Jahren.
  • Damit sie ihr Netto-Null-Ziel erreichen, müssen die meisten Unternehmen das Tempo ihrer Emissionsreduzierung in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.
  • Es braucht einen deutlichen Schub an technologischen Innovationen und branchenübergreifende Zusammenarbeit, um die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf null zu reduzieren.


Zu Netto-Null-Emissionen verpflichten

Die globale Erwärmung hat verheerende Auswirkungen auf unsere Welt. Europäische Firmen wappnen sich für die bevorstehende Herausforderung.

Seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 arbeiten EU-Unternehmen aller Branchen verstärkt daran, ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Viele haben entsprechende Zielvorgaben definiert. In den letzten zwei Jahren hat sich diese Entwicklung rasant beschleunigt.

Staaten, die zwei Drittel der Weltwirtschaft repräsentieren, haben sich ebenfalls dazu verpflichtet, ihre Emissionen vor 2050 auf netto null zu reduzieren. Viele Regierungen haben politische Maßnahmen, Anreize sowie schärfere Regulierungen auf den Weg gebracht, um die Wirtschaft zu einem emissionsfreien Betrieb zu bewegen. Staatliche Maßnahmen sind von entscheidender Bedeutung, denn eine förderliche Regulierung kann Maßnahmen zur Emissionsreduzierung bei Unternehmen unterstützen.

Die Investoren erwarten von Unternehmen immer häufiger einen Zeitplan und eine Strategie für den Wandel. Unsere Studie zeigt: Die Hälfte der europäischen Forbes-G2000-Unternehmen geht in ihren Finanzberichten auf das Thema ein.

Erste Schritte Richtung netto null

Es gibt klare Anzeichen für Fortschritte.

9%

der europäischen Unternehmen haben ihre Emissionen in den letzten zehn Jahren um die Hälfte reduziert, so eine Studie von Accenture.

Darüber hinaus haben einige der größten europäischen Unternehmen in kohlenstoffintensiven Branchen wie Mineralische Rohstoffe und Bergbau, Petrochemie, Chemie und Pharmazie sowie Energie und Versorgung ambitionierte Pläne für Netto-Null-Emissionen entwickelt.

  • Im August 2021 hatte sich fast ein Drittel der über 1.000 größten börsennotierten europäischen Unternehmen das Ziel gesetzt, ihren Ausstoß bis spätestens 2050 auf netto null zu senken. Ihre Pläne adressieren alle drei Emissionsbereiche: Scope-1-Emissionen sind Treibhausgase aus Quellen, die direkt im Besitz eines Unternehmens oder seines Geltungsbereichs sind. Scope 2 umfasst die indirekten Emissionen aus der Nutzung von zugekaufter Energie – beispielsweise Elektrizität, Dampf, Wärme und Kälte. Scope 3 schließt alle anderen indirekten Emissionen in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens ein. Das Netto-Null-Ziel bezieht sich in der Regel auf alle drei Bereiche.
  • Die Unternehmen, die sich zu „Netto-Null“ verpflichtet haben, sind verantwortlich für mehr als zwei Drittel der CO2-Emissionen der über 1.000 größten börsennotierten Unternehmen in Europa. Als größte Emittenten müssen sie die drastischsten Veränderungen vornehmen.
  • Zielvorgaben funktionieren: Im letzten Jahrzehnt haben diejenigen Unternehmen in unserer Stichprobe ihre Emissionen im Durchschnitt um 10 Prozent gesenkt, die ein Netto-Null-Ziel definiert hatten. Unternehmen ohne Zielvorgaben verzeichneten dagegen einen Anstieg der Emissionen.

Es bleibt jedoch noch viel zu tun. Nur eins der 20 von uns untersuchten Unternehmen wird Netto-Null im eigenen Betrieb (Scope 1 und 2) im angepeilten Zieljahr oder sogar vorher erreichen. 9 Prozent werden das bis spätestens 2050, wenn sie das Tempo der Emissionssenkung beibehalten, das sie zwischen 2010 und 2019 erreicht haben.

Das Netto-Null-Ziel erfordert radikale Maßnahmen

Für die meisten Unternehmen bedeutet der Weg zum Netto-Null-Betrieb bis 2050: das Tempo der Emissionsreduzierung bis 2030 verdoppeln und eine weitere Beschleunigung darüber hinaus.

In der Praxis heißt das: Die europäischen Unternehmen müssen ihre Arbeitsweisen überdenken und neu definieren. Sie müssen Maßnahmen ergreifen, um die Emissionen in ihrem Geschäftsbetrieb zu senken, und über Branchengrenzen hinweg zusammenarbeiten, um Lieferketten und Produktnutzung zu dekarbonisieren. Es gibt jedoch Chancen und Herausforderungen, wenn es darum geht, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Sie spiegeln vielfach den Fußabdruck der Branchen in ihren Distributionsprozessen wider.

42%

der Emissionen aller von uns untersuchten Unternehmen entfallen auf fünf Branchen: Automobilindustrie, Baugewerbe, verarbeitendes Gewerbe, Chemie, Öl und Gas sowie Transport und Lagerung.

Je nach der Art ihrer Betriebstätigkeit arbeiten einige Unternehmen ressourcenintensiver und stoßen folglich mehr CO2 aus. Bei einigen Unternehmen entsteht der Großteil der Emissionen in der Lieferkette, bei anderen bei der Nutzung ihrer Produkte. Einige Unternehmen sind auf ihrem Innovationsweg schon weit fortgeschritten, andere sind erst vor Kurzem gestartet. 42 Prozent aller Emissionen der von uns untersuchten Unternehmen entfallen auf fünf Branchen – Automobilbau, Baugewerbe, verarbeitendes Gewerbe, Chemie, Öl und Gas sowie Transport und Lagerung. Sie werden ihre Emissionsreduzierung am stärksten beschleunigen müssen, um bis Mitte des Jahrhunderts Netto-Null in ihren eigenen Betrieben zu erreichen.

Ein Partner-Ökosystem aufbauen

Je mehr Unternehmen sich zu Netto-Null verpflichten, desto eher können die Emissionen im großen Maßstab sinken. Die Unternehmen haben zwar unterschiedliche Zeitrahmen festgelegt – das durchschnittliche Zieljahr ist 2043 –, doch es herrscht Einigkeit hinsichtlich der Notwendigkeit, bis 2050 Netto-Null zu erreichen.

Die Herausforderung ist zu groß, als dass einzelne Unternehmen sie auf eigene Faust bewältigen könnten.

Verdoppelung des Tempos der Emissionsreduzierung bis 2030, dann eine weitere Verdoppelung bis 2040 – würden nur 42 Prozent aller Unternehmen in unserer Stichprobe branchenübergreifend ihre selbst gesteckten Netto-Null-Ziele erreichen.

Je mehr europäische Unternehmen sich bereit erklären, die Emissionen in ihrer Wertschöpfungskette (Scope 3) zu senken, desto mehr Unternehmen und Branchen werden das Netto-Null-Ziel noch vor 2050 erreichen. Die Unternehmen können kohlenstofffreie Technologien und Strategien schneller entwickeln und einführen, wenn sie die Grenzen zwischen den einzelnen Industriezweigen überbrücken und ein Partner-Ökosystem aufbauen.

Vor allem Großunternehmen spielen eine wichtige Rolle in den kollaborativen Systemen, die für eine schnelle Anwendung von Netto-Null-Technologien und -Prozessen unerlässlich sind.

  • Brücken zwischen den Branchen bauen, um kohlenstoffarme Lösungen zur Reife zu bringen und zu skalieren: Wenn Stahlhersteller und Petrochemieunternehmen zusammenarbeiten, um die Produktion von grünem Wasserstoff für eine kohlenstoffarme Stahlherstellung zu skalieren, können Automobilhersteller ihre Emissionen schneller reduzieren.
  • Märkte für Netto-Null-Lösungen gestalten: Wenn die Automobilsektor die Verfügbarkeit ihrer Elektrofahrzeuge bei attraktiver Preisgestaltung erhöht, unterstützt sie die Elektrifizierung der Flotten und die Dekarbonisierung des Verkehrssektors.

Entschlossen handeln für das Netto-Null-Ziel

Die europäische Wirtschaft kann ihr Ziel bis 2050 erreichen, wenn sie sich ausdrücklich auf eine Null-Kohlenstoff-Strategie festlegt und auf den Ansatz „Carbon Intelligence“ setzt. Ebenfalls unerlässlich sind eine zügige Umsetzung, die zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen Branchen und eine sukzessive Entwicklung von Technologien und Innovationen. Wir haben drei Schritte identifiziert, die Unternehmen auf ihrem Weg zum Netto-Null-Energieverbrauch gehen können:

  • Setzen Sie sich ein wissenschaftsbasiertes Ziel. Die Forschung zeigt, dass Zielvorgaben funktionieren. Die Unternehmen in unserer Stichprobe mit Netto-Null-Zielen haben ihre Scope-1- und Scope-2-Emissionen zwischen 2010 und 2019 reduziert, während die Emissionen in Unternehmen ohne ein soches Ziel anstiegen.
  • Verankern Sie „Carbon Intelligence in der Struktur Ihres Unternehmens, um Ihr Emissionsbudget besser zu verwalten – nach derselben Methode wie bei Ihren Finanzbudgets.
  • Nutzen Sie Ihren Einfluss und verändern Sie Ihre Branche und Ihre Wertschöpfungskette. Große Unternehmen können nicht nur ihre eigenen Emissionen senken, sondern auch positiv auf ihr geschäftliches Umfeld einwirken. Dazu müssen sie ihre Scope-3-Emissionen mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen reduzieren – indem sie ihre Zulieferer stärker einbeziehen, ihre Produktdesigns ändern und zirkuläre Geschäftsmodelle einführen.

Wir müssen die Wirtschaft als solche neu erfinden, um das Engagement der Unternehmen für das Klima sicherzustellen und einen Wandel anzustoßen, der Generationen überdauert.

SLIDESHARE: Reaching Net Zero by 2050

Jean-Marc Ollagnier

CEO – EUROPE


Sytze Dijkstra

Senior Principal – Accenture Research


Matthew Robinson

Managing Director – Accenture Research

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