STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Österreich hat enormen Aufholbedarf im Bereich von E-Health, andere Länder wie Dänemark oder Estland sind hier deutlich weiter.
  • 60 Prozent der Bevölkerung wünscht sich virtuelle Arzttermine. Dies zeigt die Befragung, die in Zuge dieser Studie durchgeführt wurde.
  • Um wieder an die Spitzenreiter anzuschließen, sollte Österreich in den Aufbau einer Gesundheitsplattform investieren.
  • Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedürfnisse der Patienten – Mehrwerte bietet diese Technologie für sämtliche Akteure im Gesundheitswesen.


Geringer Digitalisierungsgrad im Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem in Österreich steht vor zahlreichen Herausforderungen. Allen voran die steigende Kostendynamik – bereits mehr als 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wird für den Gesundheitsbereich ausgegeben. Dem hohen Mitteleinsatz steht ein im internationalen Vergleich überschaubarer Outcome gegenüber, bspw. gemessen an den erwarteten gesunden Lebensjahren. Der Druck auf den Gesundheitssektor wird sich aufgrund der steigenden Lebenserwartung zudem in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Begleitet wird all das von einem geringen Digitalisierungsgrad. So geben in einer aktuellen Erhebung 65 Prozent der Befragten an, dass ihnen keine Gesundheits-Apps bekannt sind. Weiters werden aktuell nur 4 Prozent aller Arzttermine über digitale Kanäle (E-Mail, online oder App) vereinbart.

4%

der Arzttermine online vereinbart

So geben in einer aktuellen Erhebung 65 Prozent der Befragten an, dass ihnen keine Gesundheits-Apps bekannt sind. Weiters werden aktuell nur 4 Prozent aller Arzttermine über digitale Kanäle (E-Mail, online oder App) vereinbart.

Abbildung 1: Arten der Terminvereinbarungen im niedergelassenen Bereich
Quelle: Accenture, E-Health-Befragung 2020 / 2021

Nachfrage nach digitalen E-Health vorhanden

Entgegen der landläufigen Meinung werden digitale Leistungen im Gesundheitswesen bereits stark nachgefragt – und dies generationenübergreifend. So sind breite Bevölkerungsschichten bereits digital affin und wünschen sich mehr virtuelle Angebote. Dies ist das Ergebnis einer Befragung von mehr als 6.000 Personen in den letzten beiden Jahren. So geben etwa 45 Prozent der Befragten an, regelmäßig Wearables wie Smartwatches oder Fitness-Armbänder zu verwenden – 21 Prozent davon sind über 60 Jahre. Weiters zeigen die Ergebnisse, dass über 60 Prozent Arzttermine virtuell wahrnehmen würden, bspw. am Wochenende. Dies gilt auch für ältere Personengruppen. 57 Prozent können sich eine virtuelle Unterstützung bei chronischen Krankheiten vorstellen.

60%

für virtuelle Arzttermine

Dies ist das Ergebnis einer Befragung von mehr als 6.000 Personen in den letzten beiden Jahren. So geben etwa 45 Prozent der Befragten an, regelmäßig Wearables wie Smartwatches oder Fitness-Armbänder zu verwenden.

Abbildung 2: Verwendung von Wearables und deren Altersverteilung
Quelle: Accenture, E-Health-Befragung 2020 / 2021

Andere Länder sind bei E-Health-Angeboten weiter

Zahlreiche europäische Länder investieren aktuell in den Aufbau von E-Health-Angeboten. Estland und Dänemark zählen dabei zu den Vorreitern. So verfügt Dänemark bereits über eine digitale Gesundheitsplattform, in die jährlich über 56 Mio. Euro investiert wird. Zusätzliche 43 Mio. Euro sind für diverse weitere digitale Gesundheitsleistungen reserviert. In Estland wurden bereits über 10 Mio. Euro allein in den Aufbau einer elektronischen Patientenakte investiert sowie 3 Mio. Euro in den Aufbau eines Gesundheitsnetzwerks als Basis für eine Gesundheitsplattform. In Deutschland werden seit 2020 die Kosten mancher Apps über Rezeptverschreibung als digitale Gesundheitsanwendungen von den Krankenkassen übernommen. Österreich hat den Startvorsprung, der durch den Aufbau von ELGA vorhanden ist, nicht genutzt und hat den Anschluss an digitale Gesundheitsleistungen verloren. Internationale Vergleiche zeigen einen großen Aufholbedarf hierzulande. So liegt Österreich im Digital-Health-Index der Bertelsmann Stiftung lediglich im Mittelfeld – Länder wie Portugal, Spanien oder England liegen hier deutlich vor uns.

So liegt Österreich im Digital-Health-Index der Bertelsmann Stiftung lediglich im Mittelfeld – Länder wie Portugal, Spanien oder England liegen hier deutlich vor uns.

Abbildung 3: Digital-Health-Index
Quelle: Bertelsmann Stiftung

Mit einer Plattform ins digitale Gesundheitszeitalter

In der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass der Aufbau einer digitalen Gesundheitsplattform für Österreich als Teil einer Lösung forciert werden sollte, um den Herausforderungen und dem Gesundheitswesen entgegenzuwirken und den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden. Eine Plattform hat das Potenzial, den Weg ins digitale Gesundheitszeitalter zu ebnen, Österreich als Spitzenreiter in Europa zu positionieren und damit den Standort zu attraktivieren. Weiters besteht das Potenzial, das System effizienter zu gestalten und Kosten zu sparen. Auf einer Gesundheitsplattform steht der Mensch im Mittelpunkt. Sie kann als zentrale Anlaufstelle für das persönliche Gesundheitsmanagement fungieren, indem sämtliche Gesundheitsleistungen auf einen Klick (im Sinne eines One-Stop-Shop-Prinzips) abgerufen werden können. Sämtliche Akteure im Gesundheitswesen (staatliche und private) profitieren von der Partizipation an einer Plattform. So zum Beispiel durch ein besseres und individuell angepasstes Leistungsangebot, durch eine direkte Verrechnung, die Erweiterung der Kundenbasis, durch eine bessere Kommunikation zwischen den Stakeholdern, durch Effizienzsteigerungen in den Prozessen sowie durch die gewährleistete Kontinuität der Betreuung durch alle Stationen hindurch.

Mehrwert für die gesamte Gesellschaft

Studien zufolge sind Einsparungen im Gesundheitswesen von insgesamt bis zu 2 Prozent des BIP möglich, das sind über 6 Mrd. Euro. Eine Gesundheitsplattform kann einen wesentlichen Teil dieses Potenzials heben. Allein durch digitale Terminvergaben sowie Rezeptausstellung und Video-Konsultationen können über 1 Mio. Stunden eingespart werden. Das ist ein zusätzlicher Ordinationstag pro Ärztin bzw. Arzt pro Jahr für die Patientenbetreuung. Auch kurzfristig kann eine Plattform Vorteile bringen. So kann der Fokus auf Prävention gelegt werden, und es besteht die Möglichkeit, auf Trends rascher zu reagieren. Gerade in Ausnahmesituationen wie einer Pandemie ist eine rasche und effiziente Etablierung von Gesundheitsmaßnahmen sowie eine abgestimmte Kommunikation zwischen den Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern essenziell. Darüber hinaus kann eine Plattform neue Services für Patientinnen und Patienten bereitstellen, den Zugang zu Gesundheitsleistungen verbessern und damit nicht zuletzt Innovationen im Gesundheitswesen fördern.

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