STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Mehr als ein Drittel aller Großunternehmen sind bereits stark digitalisiert – Aufholbedarf bei den KMUs
  • Je Digitalisierungsstufe ist eine Steigerung des Umsatzes nachweisbar – Umsatzerwartungen sind bei digitalisierten Unternehmen deutlich positiv
  • Digitalisierung schafft Jobs: Durch hohen Eigenfertigungsanteil bei digitalen Produkten wird heimische Wertschöpfung und Beschäftigung aktiviert


Der Digitalisierungsgrad steigt mit der Unternehmensgröße

Die Studie hat gezeigt, dass je größer ein Unternehmen ist, desto größer ist im Regelfall der Grad der Digitalisierung. Der Digitalisierungsgrad wurde dabei anhand eines Reifegradmodells eingestuft. Dieses reicht von der ersten Stufe, in dem Unternehmen IT-Technologien für Kommunikation und Informationsbereitstellung einsetzen, bis hin zur dritten Stufe, in der Unternehmen bereits auf automatisiere Prozesse und datengestützte Entscheidungen zurückgreifen, in der Künstliche Intelligenz eingesetzt wird und digitale Geschäftsmodelle im Fokus stehen (siehe Abbildung 1).

Vier Stufen der digitalen Transformation: digital „blind“, digital abbilden, digital agieren, digital autonom.

Abbildung 1: Digitalisierungsgrad von Unternehmen gemäß Reifegradmodell
Quelle: Accenture und Industriellenvereinigung

Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung wird dabei vor allem den klein- und mittelständischen Unternehmen (KMUs) attestiert. Nur knapp 16 Prozent der KMUs befinden sich zumindest in Stufe 2, während bereits mehr als ein Drittel aller Großunternehmen höhere Stufen der Digitalisierung erreicht haben (also Stufe 2 und 3).

„Je größer ein Unternehmen, desto stärker ist dieses im Regelfall digitalisiert. Der Fokus muss daher auf KMUs gelegt werden – hier sehe ich den größten Aufholbedarf.“

— Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein, Chefökonom Industriellenvereinigung

Digitale Dividende – Positive Wirkung auf Umsatz und Produktivität

Steigende Umsätze und eine höhere Produktivität konnten aus Unternehmensdaten im Zeitraum zwischen 2016 und 2019 nachgewiesen werden – diese weisen auf eine „digitale Dividende“ hin. Pro Digitalisierungsstufe kann eine statistisch nachweisbare Umsatzsteigerung von acht Prozent festgestellt werden. Somit zahlt sich Digitalisierung für alle Unternehmen aus – je stärker ein Unternehmen bereits digitalisiert ist, desto stärker wirkt diese auf Umsatz und Produktivität, wie Abbildung 2 zeigt. Ebenso zeigen die Analysen, dass Unternehmen mit einer höher digitalisierten Prozesssteuerung besser durch die Corona-Krise kommen und somit krisenresilienter sind.

Je höher der Grad der Digitalisierung, desto höher ist das mittelfristige Umsatzwachstum zwischen 2016 und 2019.

Abbildung 2: Umsatzwachstum der Unternehmen je Digitalisierungsstufe
Quelle: Economica

Positive Umsatzerwartungen durch Digitalisierung

Bis zu 12,5 Prozentpunkte ist das erwartete Umsatzwachstum digitaler Produkte in den nächsten fünf Jahren – über alle Unternehmen hinweg (siehe Abbildung 3). Während stark digitalisierte Unternehmen die höchste Steigerung in rein digitalen Produkten sehen, erwarten Unternehmen mit einem geringen Digitalisierungsgrad diese vermehrt in teilweise digitalen Produkten. Im Allgemeinen gehen die befragten Unternehmen davon aus, dass der Anteil der digitalen Produkte und Komponenten in den nächsten Jahren massiv zunehmend wird. Umgekehrt gaben die Unternehmen an, dass der Anteil der nicht-digitalen Produkten an ihrem Umsatz im Durchschnitt um elf Prozentpunkte sinken wird.

Bis zu 12 Prozent-punkte ist das erwartete Umsatzwachstum digitaler Produkte in den nächsten fünf Jahren, entlang der Reifegradstufen.

Abbildung 3: Erwartetes Umsatzwachstum von digitalen Komponenten und Produkten
Quelle: Economica

Investitionen in die Digitalisierung zahlen sich aus

Stark digitalisierte Unternehmen investieren mehr und profitieren überdurchschnittlich – so investieren schwach digitalisierte Unternehmen (Stufe 1) durchschnittlich 2,9 Prozent ihres Umsatzes in die digitale Transformation, bei stark digitalisierten Unternehmen (Stufe 3) sind dies 3,8 Prozent. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass höhere digitale Reife nicht zum „Nulltarif“ erreicht wird, sondern das Ergebnis des Willens zur Transformation und zur Innovationsführerschaft darstellt.

Je höher der erzielte digitale Reifegrad, desto höher ist die digitale Dividende, was zusätzliche Investitionen auslöst. Eine positive Investitionsspirale wird in Gang gesetzt. Zusätzlich wird mit der neuesten Generation von Investitionsgütern die Digitalisierung vorangetrieben, sodass sich weitere positive Mehrrundeneffekte einstellen. Untersuchungen zeigen, dass das Umsatzwachstum bei den Innovationsführern doppelt so hoch im Vergleich zu den Nachzüglern ist. Die damit einhergehende hohe Umsatzrentabilität von Digitalisierungsinvestitionen in Höhe von 45 Prozent spricht dabei für sich.

Digitalisierung schafft neue Jobs

Digitalisierte Unternehmen sind produktiver und weisen ein höheres Mitarbeiterwachstum auf. Die Mitarbeiterzahl der Unternehmen der Digitalisierungsstufe 2 und 3 sind im Zeitraum von 2016 bis 2019 im Durchschnitt um 8,5 Prozent gewachsen. Bei nicht-digitalisierten Unternehmen (Stufe 0) betrug das Wachstum lediglich 1,3 Prozent. Somit kann ein bis zu 7,2%-Punkte höheres Mitarbeiterwachstum bei stärker digitalisierten Unternehmen konstatiert werden (siehe Abbildung 4).

Durchschnittliches Wachstum der Mitarbeiter und des Umsatzes.

Abbildung 4: Durchschnittliches Wachstum der Mitarbeiter und des Umsatzes, 2016-2019
Quelle: Economica

Die digitale Dividende ist nachhaltig, da das Umsatzwachstum sowohl auf Produktivität als auch auf das Beschäftigungswachstum positiv wirkt. Die digitalen Innovationen induzieren somit kein Produktivitätswachstum, das auf Mitarbeiterabbau fußt – im Gegenteil: Digitalisierung schafft neue Jobs und ist das Ergebnis eines technologieinduzierten Produktivitätswachstums. Dies wirkt sich auch positiv auf den Wirtschaftsstandort aus, denn eine hohe Arbeitsproduktivität von Unternehmen wirkt nachweislich wettbewerbsfördernd und somit auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich.

Stärkung der heimischen Wertschöpfung

Die Wertschöpfungs- bzw. die Fertigungstiefe von Unternehmen steigt mit dem Reifegrad der Digitalisierung. Bei digitalisierten Unternehmen (Stufe 2 und 3) beträgt der Eigenfertigungsanteil 51 Prozent gesamt und 48 Prozent bei digitalen Produkten. Bei nicht digitalisierten Unternehmen (Stufe 0) beträgt der Anteil der Produktion im eigenen Unternehmen hingegen 46 Prozent gesamt und 39 Prozent bei digitalen Produkten (Abbildung 5). Somit erhöht sich der Anteil der inländischen Produktion mit dem Grad der Digitalisierung um bis zu 10 Prozent. Dies hat wiederum einen positiven Einfluss auf die heimische Wertschöpfung und Beschäftigung.

Durchschnittlicher Eigenfertigungsanteil gesamt und digitaler Produkte, je Digitalisierungsgrad

Abbildung 5: Durchschnittlicher Eigenfertigungsanteil gesamt und digitaler Produkte, je Digitalisierungsgrad
Quelle: Economica

Kollaboration Mensch und Maschine ist die Zukunft

Hybride Arbeitsrollen und Fähigkeiten, werden in den nächsten Jahrzehnten dominieren. Schätzungen zufolge wird der Anteil der Arbeitszeit zwischen Mensch und Maschine bis zum Jahr 2050 auf über 90 Prozent in Österreich steigen (siehe Abbildung 6). Arbeitsplätze, die vollständig automatisierbar sind, werden in einer digitalisierten Wirtschaft zunehmend weniger werden. Steigen wird die Nachfrage nach Arbeitskräften mit starken analytischen und kreativen Fähigkeiten. Dadurch werden auch Skills, welche Maschinen nicht können, in einer digitalisierten Wirtschaft immer wichtiger.

Anteil der Gesamtarbeitszeit in Österreich, je Arbeitsrolle

Abbildung 6: Anteil der Gesamtarbeitszeit in Österreich, je Arbeitsrolle
Quelle: Accenture

Den Weg ins digitale Zeitalter ebenen

Um den Weg ins digitale Zeitalter voranschreiten zu können, müssen Unternehmen jetzt investieren. Der Aufholbedarf ist dabei vor allem an den Enden der Wertschöpfungskette sowie in den höheren Stufen der Digitalisierung virulent. So zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass lediglich 13 Prozent der Unternehmen die Systeme und Kapazitäten im Verbund mit anderen Unternehmen vollautomatisiert anpassen. Nur 12 Prozent der Unternehmen organisieren die Leistungsbereitstellung bereits digital-automatisiert (ohne Mensch-Mensch-Interaktion). Der Investitionsbedarf ist somit an den Schnittstellen zum Markt am größten.

Dabei belegen statistische Analysen, dass Unternehmen, welche digitale Plattformen für den Einkauf nutzen oder betreiben, signifikant höhere Umsätze als andere Unternehmen aufweisen – unabhängig von der Reifegradstufe oder Größenklasse des Unternehmens. Daher sollte die Plattformwirtschaft gestärkt werden. Vor allem im B2B-Bereich hat Europa und Österreich die Chance, an den internationalen Plattformmärkten führend zu sein. Diese Chance sollte jetzt genutzt werden.

Infos zur Studie

Accenture hat gemeinsam mit der Industriellenvereinigung den mittelfristigen Zusammenhang zwischen dem Digitalisierungsgrad von Unternehmen und ihrem Geschäftserfolg untersucht. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung im Rahmen des IV-Konjunkturpanels von 112 Unternehmen verschiedener Unternehmensgrößen und Branchen, insbesondere aus der Metallindustrie, dem Maschinenbau, der chemischen Industrie sowie der Bauwirtschaft. Bei der Analyse hat das Economica Institut für Wirtschaftsforschung mit statistisch-ökonometrischen Berechnungen unterstützt.

Michael Zettel

Country Managing Director – Accenture Österreich

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