STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Österreich hat vergleichsweise gute infrastrukturelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Transformation und eine positive Grundhaltung
  • Nur 51,9 % der Befragten beurteilen die Nutzung der Digitalisierung im internationalen Wettbewerb als erfolgreich
  • Österreich ist bei der Nutzung von vielen digitalen Angeboten Schlusslicht – 60% vertrauen Cloud-Plattformen nicht
  • Es gibt ungenutzte Potenziale bei der Nutzung der Digitalisierung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit


Gute Voraussetzungen für digitale Transformation

Für eine erfolgreiche digitale Transformation kann Österreich im Allgemeinen auf gute infrastrukturelle Voraussetzungen aufbauen. 91 % der Haushalte haben einen aufrechten Zugang zu Breitband-Internet und verfügen damit über eine gute digitale Grundausstattung. Damit liegt Österreich im EU-Durchschnitt, wo der Anteil bei 90 % liegt. Auch beim Zugang zu mobilem Breitband liegt Österreich im Durchschnitt. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Aufrechterhaltung der digitalen Grundvoraussetzungen müssen die Investitionsaktivitäten jedoch stets erneuert werden, um an die nächste Generation (Stichwort Ausbau 5G-Netz und Glasfaser) anschließen zu können.

Auch im Alltag der Österreicher:innen sind digitale Technologien bereits vielfach angekommen. So nutzen 96 % der Befragten nahezu täglich ein Smartphone. Insgesamt sieht eine deutliche Mehrheit von 93 % Vorteile durch den Einsatz digitaler Technologien in verschiedenen Lebensbereichen. Dabei werden Vorteile vor allem im Bereich der Wirtschaft sowie der Forschung & Entwicklung gesehen. Somit kann von einer generell positiven Grundhaltung gegenüber innovativen Technologien ausgegangen werden – ungenutzte Potenziale tun sich jedoch bei der tatsächlichen Nutzung von Technologien auf.

Schlusslicht bei der Nutzung von digitalen Angeboten

Die aktuelle Befragung zeigt, dass die Nutzung von Smartphones, PCs und Laptops in Österreich relativ weit verbreitet ist. Allerdings geben über 10 % der Befragten an, kaum oder nie Laptop oder PC zu nutzen. Bei Tablets oder Wearables sind die Anteile der Nichtnutzer:innen hingegen deutlich größer – 52,2 % nutzen kaum oder nie Tablets, bei Wearables sind es sogar 65 %.

Häufigkeit der Nutzung digitaler Geräte

Häufigkeit der Nutzun digitaler Geräte

Quelle: Accenture – Digitalisierungsradar 2022

Im Bereich der Nutzung von diversen digitalen Services befindet sich Österreich im europäischen Vergleich allerdings den hinteren Rängen. So liegt Österreich im EU-weiten Vergleich beispielsweise im Bereich der Videotelefonie im unteren Drittel. Bei der Nutzung von Social-Media-Apps geben 87 % der Befragten an, diese täglich zu nutzen. Mit diesem Wert liegt Österreich allerdings „nur“ im europäischen Mittelfeld – Spitzenreiter sind die nordischen Länder, aber auch Ungarn. Bei der Nutzung von E-Commerce ist Österreich deutlich abgeschlagener. 48 % der Befragten nutzen E-Commerce, also Verkaufsplattformen wie Amazon, regelmäßig. Länder wie die Niederlande, Dänemark oder Schweden sind dabei Vorreiter – über 80 % kaufen hier regelmäßig im Internet ein.

Nutzung von Big Data durch Unternehmen

Nutzung von Big Data durch Unternehmen

Quelle: Eurostat

Weit abgeschlagen ist das Nutzungsverhalten in Österreich vor allem auch bei Anwendungen in der Wirtschaft. So nutzen etwa nur 7 % der Unternehmen die Möglichkeiten, die mit Big Data einhergehen. Die europäischen Spitzenreiter sind hier bereits deutlich weiter und kommen auf über 20 %

Ungenutzte Potenziale in Wirtschaft und Gesellschaft

Aus dem Nutzungsverhalten und der Technologieadoption in Österreich ergibt sich, dass Potenziale in der Wirtschaft und in der Gesellschaft oft ungenutzt bleiben. Dass hier Potenzial auf der Strecke bleibt, zeigen auch die aktuellen Umfrageergebnisse. Nur 51,9 % der Befragten beurteilen Österreichs Nutzung der Digitalisierung im internationalen Wettbewerb als erfolgreich. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass fast jede:r zweite Österreicher:in denkt, dass Digitalisierung zu wenig genutzt wird, um Wettbewerbsvorteile auf den globalen Märkten zu generieren. Gerade für eine kleine, offene Volkswirtschaft ist dies jedoch substanziell.

Nutzung Digitalisierung Österreichs im internationalen Wettbewerb

Nutzung Digitalisierung Österreichs im internationalen Wettbewerb

Quelle: Accenture – Digitalisierungsradar 2022

Auch die Nutzung von diversen Applikationen zeigt einen deutlichen Überhang von privater Nutzung im Vergleich zur Nutzung im Bereich der Wirtschaft. So geben etwa 68,3 % an, regelmäßig Nachrichten-Apps zu verwenden – 47,9 % nutzen diverse Apps für Konsumzwecke. Die für den beruflichen Alltag oft notwendigen Office-Anwendungen nutzen allerdings 56,7 % kaum bis gar nicht. Die Handy-Signatur wird von den Befragten zu 60,9 % kaum bis gar nicht genutzt. Gerade bei Letzterem bleiben Möglichkeiten zur effizienten Interaktion mit Behörden für Unternehmen ungenutzt.

Häufigkeit von App-Nutzung

Häufigkeit von App-Nutzung

Quelle: Accenture – Digitalisierungsradar 2022

Die Nutzung von Videotelefonie zeigt ebenfalls ein unterdurchschnittliches Nutzungsverhalten im beruflichen Kontext. So geben 35,5 % aller Berufstätigen an, dass sie Videotelefonie zumindest wöchentlich in ihrem beruflichen Alltag nutzen. Bei der Nutzung im Privatbereich liegt der Anteil bei 38,9 % und damit signifikant höher.

Europameister bei Skepsis gegenüber Frontrunner-Technologien

Österreich ist Europameister bei der Skepsis gegenüber Frontrunner-Technologien wie Cloud, Künstliche Intelligenz oder Blockchain und Kryptowährungen. So erwarten 42 % der Österreicher:innen negative Auswirkungen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Das ist ein absoluter Spitzenwert in der EU – der Durchschnitt kommt auf einen Skeptiker:innen-Anteil von 31 %, bei den Frontrunnern sind unter 20 % zurückhaltend bzw. negativ gegenüber innovativen Technologien eingestellt.

Erwartete negative Auswirkungen durch Künstliche Intelligenz

Erwartete negative Auswirkungen durch KI

Quelle: Eurobarometer 2021

In Bezug auf das Thema Cloud ist die Skepsis sogar noch größer – 60 % der Befragten geben an, sie vertrauen Cloud-Plattformen kaum oder gar nicht. Diese Zurückhaltung zeigt sich auch in der Nutzung von Cloud-Services. In Österreich nutzen nur etwa ein Drittel Clouds zur Speicherung von Daten. Der europäische Spitzenreiter Island kommt hier auf einen Anteil von 68 %.

Vertrauen in Cloud-Plattformen

Vertrauen in Cloud-Plattformen

Quelle: Accenture – Digitalisierungsradar 2022

Sicherheit ist den Österreicher:innen ein zentrales Anliegen

Für 95,4 % der Befragten ist das Thema Sicherheit wichtig bzw. sehr wichtig. Über 80 % der Befragten sehen die größte Bedrohung durch unbefugte Datenweitergabe und Computerviren. Die Bedrohung durch Hackerangriffe wird vergleichsweise gering eingeschätzt. Jede:r Zweite hatte schon mindestens einmal Erfahrung mit Unsicherheit beim Umgang mit digitalen Technologien oder mit betrügerischen Handlungen gemacht.

Empfundene Bedrohung

Empfundene Bedrohung

Quelle: Accenture – Digitalisierungsradar 2022

Mit Digitalisierung zu Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit

Grundsätzlich sehen 61 % das Potenzial von digitalen Technologien in der Förderung von Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Allerdings attestiert eine Mehrheit von 58,5 %, dass digitale Technologien bislang kaum bis gar nicht eingesetzt werden, um Verbesserungen im Klimaschutz zu bewirken. Die größten Potenziale werden dabei in der Entwicklung von neuen Technologien zur Förderung der Nachhaltigkeit gesehen sowie im Bereich Mobilität, Logistik und Transport.

Bereiche, in denen Digitalisierung zum Umweltschutz beitragen kann

Bereiche, in denen Digitalisierung zum Umweltschutz beitragen kann

Quelle: Accenture – Digitalisierungsradar 2022



Repräsentative Befragung zum Thema Potenziale und Nutzung digitaler Technologien

Im Zuge dieser Studie wurde eine repräsentative Online-Befragung durch das Marktforschungsinstitut Bilendi durchgeführt. Dazu wurden 2.000 Teilnehmer:innen eines Online-Panels im Zeitraum März 2022 befragt. Die Repräsentativität erfolgte aufgrund von Quoten in Bezug auf Alter, Geschlecht sowie Bundesland. Eine bevölkerungsnahe Verteilung hinsichtlich Bildungsabschlüsse konnte sichergestellt werden.

Insgesamt wurden durch rund 30 geschlossene Fragen (Single Choice) die Nutzung und die Einschätzung der Potenziale von digitaler Technologie abgefragt. Dies erfolgte in den folgenden vier Themenbereichen:

  • Innovation
  • Kompetenz
  • Sicherheit
  • Nachhaltigkeit

Michael Zettel

Country Managing Director – Accenture Österreich

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