STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Europäische Unternehmen setzen stärker auf die Cloud als ihre Wettbewerber in den USA. Auch bei der Migration ihrer Prozesse.
  • Noch immer möchten Europas Unternehmen damit vorrangig ihre Kosten senken. Dieser verengte Blick verhindert größere Investitionen.
  • Beim derzeitigen Tempo brauchen sie noch drei Jahre, bis sie die Cloud wie die US-Konkurrenz für größere Ziele nutzen: für Nachhaltigkeit und außergewöhnliche Erlebnisse etwa.
  • Nur jedes zehnte europäische Unternehmen nutzt die Cloud strategisch und erschließt ihre zahlreichen Chancen und Potenziale.
  • Diese "Wettbewerber im Cloud-Kontinuum" erzielen 3-mal höhere Kosteneinsparungen und 2-mal höhere CO2-Reduktionen als die Konkurrenz weltweit.


Ein Sprung ins Kontinuum

Vor zehn Jahren ging es beim Umstieg in die Cloud noch darum, die Datenspeicherung auszulagern und Systeme zu vernetzen. Seitdem ist viel passiert – eine Cloud-Innovation folgte auf die nächste. Dennoch denken viele europäische Unternehmen bei der Cloud noch immer an Bandbreiten und Kostensenkungen.

Dann, im Jahr 2020, kam die COVID-19-Pandemie und änderte alles – nicht nur unser Kaufverhalten, sondern auch unsere Art, zu arbeiten. Unternehmen mussten schnell auf Remote-Betrieb umstellen und ihre Geschäftsmodelle anpassen. Selbst Skeptiker merkten, dass der Umstieg in die Cloud unumgänglich ist.

Jetzt steht Europa am Scheideweg. Die Möglichkeiten der Cloud sind immens gewachsen. Zugleich vergrößert sich der Abstand zwischen Unternehmen, die eine veraltete Sicht auf das Thema haben, und jenen zehn Prozent, die das volle Potenzial nutzen. Diese betrachten die Cloud als ein Kontinuum von Chancen, wodurch sie weltweit wettbewerbsfähig und lokal verantwortungsvoll handeln können. Diese europäischen "Wettbewerber im Cloud-Kontinuum" sehen die Cloud als Voraussetzung für digitalen Fortschritt, mit dem sich die Geschäftsziele und Europas Klimaziele zugleich erreichen oder übertreffen lassen.

Für diese Unternehmen geht es bei der Cloud nicht nur um die bloße Migration, sondern um ein neues Betriebsmodell. Sie denken die Rolle von Daten und Rechenleistung neu.

So modifizieren sie ihre Interaktionen mit Kunden, Partnern und Mitarbeitenden, aber auch die Entwicklung und Vermarktung ihrer Produkte und Services – und natürlich den Aufbau und Betrieb ihrer IT. Damit lassen sie ihre Wettbewerber in vielen Bereichen hinter sich.

Besser investieren, mehr erreichen mit der Cloud: Ein weltweites Rennen

Anfang 2020 migrierten europäische Unternehmen im Schnitt vier von zehn ihrer Prozesse in die Cloud. In Nordamerika waren es drei von zehn, wie unsere Umfrage unter 2.500 Entscheidern weltweit ergab.

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Prozesse haben europäische Unternehmen Anfang 2020 in die Cloud migriert.

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Prozesse haben nordamerikanische Unternehmen Anfang 2020 in die Cloud migriert.

Obwohl europäische Unternehmen derzeit in Sachen Cloud-Nutzung führend sind, riskieren sie, zurückzufallen: Denn die Mehrheit von ihnen schöpft nicht das volle Potenzial der Cloud aus. Nach wie vor geht es ihnen schlicht darum, über geteilte, öffentliche Rechenzentren die eigenen Kosten zu senken. Das zeigen auch unsere Studien: Entscheider in Europa haben auch während der Pandemie das Thema Kostensenkung priorisiert – US-Unternehmen fokussierten sich dagegen eher auf die Erhöhung des Kundennutzens, in China ging es vor allem um eine Beschleunigung von Markteinführungszeiten.

100 Prozent aller befragten europäischen Unternehmen haben grundlegende Cloud-Technologien oder Software as a Service (SaaS) eingeführt. Trotzdem hinken sie ihren weltweiten Wettbewerbern in Sachen Cloud hinterher, zum Beispiel bei der Implementierung fortgeschrittener Cloud-Modelle wie Platform as a Service (PaaS) und Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI): Hier führt Nordamerika mit einem Anteil von 65 Prozent bzw. 45 Prozent.

Die Folge: Europäische Unternehmen investieren nur unzureichend in Cloud-Initiativen, mit denen sie breiter formulierte Geschäftsziele erreichen könnten. Unternehmen in China und in den USA planen, ihre Cloud-Investitionen zwischen 2020 und 2024 mindestens zu verdoppeln. In Europa hingegen wollen Entscheider in diesem Zeitraum 25 Prozent weniger investieren als in den vier Jahren zuvor. Dieser verengte Blick dürfte Investitionen im Wege stehen, die für die nächsten Schritte der Cloud-Entwicklung entscheidend wären.

Bleibt es dabei, werden europäische Unternehmen durchschnittlich drei Jahre benötigen, um zu ihren Wettbewerbern in den USA aufzuschließen. Jedenfalls, wenn es darum geht, mit der Cloud das Geschäftswachstum anzutreiben. Das schließt das Hinarbeiten auf Nachhaltigkeitsziele ebenso mit ein wie eine Verbesserung des Kundenerlebnisses. Sollten europäische Unternehmen ihre Investitionen wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückfahren oder weiter senken, erhöht sich der Abstand nur noch mehr – auf vier Jahre.

Was verhindert die Cloud-Fortschritte in Europa?

Die globalisierten Märkte von heute sind geprägt von vernetzten Lieferketten und zunehmend mobil arbeitenden Teams. Damit sind enorme Herausforderungen verbunden, die europäische Unternehmen daran hindern, die Cloud sinnvoller zu nutzen.

Entscheider aus Europa nennen als größte Hürde die Komplexität ihres Geschäfts und des operativen Wandels (46 Prozent). Eine wichtige Rolle spielen dabei Marktfragmentierung und Datenschutz, die es in dieser Form nur in Europa gibt. Die EU umfasst 27 Länder mit 24 Sprachen; viele Nationen haben eigene Gesetzgebungen und Vorschriften hinsichtlich der Erfassung, Aufbewahrung und Verarbeitung von Daten.

Zum anderen geht es um Vertrauen. Eine unserer Umfragen unter 25.000 Verbrauchern weltweit ergab: Überall auf der Welt machen sich die Menschen Gedanken darüber, wie ihre personenbezogenen Daten erfasst werden. Besonders die europäische Bevölkerung war bei diesem Thema schon immer sensibel, was den Wandel in vielen Unternehmen überhaupt erst angetrieben hat. Die Folge war die Entwicklung weltweit führender Datenschutzstandards, formuliert unter anderem in der Datenschutz-Grundverordnung. Da die wichtigsten Daten- und Cloud-Anbieter weltweit agieren, sind europäische Regierungen zunehmend daran interessiert, dass diese die erfassten personenbezogenen Daten entsprechend schützen.

Um den Anforderungen hinsichtlich der Datensouveränität nachzukommen und das Vertrauen ihrer Stakeholder zu gewinnen, setzen europäische Unternehmen zu häufig auf den Aufbau von Datensilos: Neun von zehn Unternehmen legen sensible Daten in Silos ab. Doch diese behindern die Interoperabilität, beschränken das Wachstum und erschweren so den Aufbau robuster Supply Chains – die Grundvoraussetzung für Innovation und Wachstum. Europäische Unternehmen müssen neue Wege gehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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europäischen Unternehmen speichern sensible Daten in Silos.

Wettbewerber im Cloud-Kontinuum weisen den Weg

Die einzige Konstante in der Geschäftswelt ist die Veränderung. Entsprechend können europäische Unternehmen mehr Wert mit der Cloud erzielen, wenn sie die Technologie nicht als Silo betrachten, sondern darin nahtlos miteinander verbundene Chancen sehen.

Früher war Cloud gleichbedeutend mit Public Cloud und geteilten Rechenzentren – heute nutzen die meisten eher eine Mischung aus Public, Private und Edge Clouds. Diese sind in der Regel wenig integriert, was dazu führt, dass Innovationen, Daten und Best Practices oft nur einem Teil der Organisation zugutekommen.

Auf der anderen Seite bietet das Cloud-Kontinuum aber ein breites Spektrum an Möglichkeiten und Services – von Public bis Edge und allem dazwischen. Sie sind nahtlos verbunden durch Cloud-First-Netzwerke und werden unterstützt mittels fortgeschrittener organisatorischer Methoden. Welche Technologien genau das Cloud-Kontinuum ausmachen, unterscheidet sich nach Betreiber und Ort: Sie werden teilweise nah am Unternehmen betrieben, teilweise komplett ausgelagert. 5G und softwaredefinierte Netzwerke vereinheitlichen das Kontinuum, sodass ein Zugang zur Cloud von überall aus möglich ist. Und zwar ohne die Entstehung von Silos für Private, Public, Hybrid, Edge oder Multi Clouds.

Die Wettbewerber im Cloud-Kontinuum wählen aus diesem Spektrum jene Lösungen aus, mit denen sie ihre geschäftlichen Anforderungen jetzt und in Zukunft am besten bedienen können.

Ein Beispiel ist der Möbelriese IKEA. Das Unternehmen legte schon vor Jahren das Fundament für die digitale Transformation, unterstützt von Google Cloud. Dann kam die Pandemie und der Ansturm auf den Onlineshop begann. Dank der Cloud konnte IKEA die eigene IT-Infrastruktur transformieren, die geschlossenen Filialen kurzerhand in Fulfilment Center umwandeln und einen kontaktlosen "Click & Collect"-Service einrichten. Gleichzeitig erweiterte das Unternehmen die Kapazitäten, um den enormen Webtraffic abzufedern und die zahlreichen Onlinebestellungen zu verarbeiten. Mithilfe der Google Cloud und anderer Serverless-Technologien erreichte IKEA innerhalb von Wochen, was sonst Monate oder gar Jahre gedauert hätte. Für die Zukunft hat sich das Unternehmen vorgenommen, sich immer wieder mit der Cloud neu zu erfinden.

"Dank der Cloud – und zwar ausschließlich wegen der Cloud – erleben wir eine regelrechte Revolution in puncto Datenanalyse und KI. Das war ein sehr wichtiger Schritt für uns, um künftig Algorithmen in alles einzubetten, was wir tun."

— BARBARA MARTIN COPPOLA, Chief Digital Officer – Ikea Retail

Wettbewerber im Cloud-Kontinuum passen sich ständig an Veränderungen an – auf der Basis von Feedback zu eigenen Produkten und Services. 81 Prozent dieser Unternehmen gehen davon aus, auch für striktere Vorgaben zur Datenhaltung und -souveränität gut gerüstet zu sein und neue Regelungen schnell umsetzen zu können. Selbiges trifft nur auf 42 Prozent der Unternehmen zu, die in der Cloud nur ein Migrationsprojekt sehen.

Es sind vor allem zwei Dinge, die die Wettbewerber im Cloud-Kontinuum richtig machen: Sie nutzen die richtigen Cloud-Varianten und cloudbasierten Services und wenden fortgeschrittene Methoden an, um den Nutzen dieser Technologien auszuschöpfen.

Vier Faktoren für Europas Cloud-Erfolg

Was also kann europäische Unternehmen dazu bringen, über eine reine Migration hinauszugehen? Zuerst müssen sie das Cloud-Kontinuum an sich verstehen: Es definiert sich vor allem über Tempo und Veränderung. Entscheidend sind agile Methoden, mit denen sich die Cloud-Funktionen fortlaufend verbessern und erweitern lassen.

1. Entwickeln Sie einen Business Case, der Führungskräfte einbindet und Cloud-Investitionen beschleunigt, um größere Ziele zu erreichen.

2. Gestalten Sie eine IT-Architektur, die auf Balance, Kontrolle und Vertrauen basiert.

3. Lassen Sie neue Technologien nicht verkümmern, sondern verbinden Sie sie mit internem Know-how.

4. Beschleunigen Sie Innovation, um herausragende Erlebnisse zu gestalten.

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Unsere Studien zeigen: Wettbewerber im Cloud-Kontinuum richten sich am Menschen aus und kombinieren diesen Ansatz mit Cloud-Technologien. So denken sie den Umgang mit der Technologie im gesamten Unternehmen neu, einschließlich Produkt- und Serviceentwicklung, Mitarbeitererlebnissen und Liefermodellen. Dieser neue Blick auf das eigene Geschäft wird von der Nutzererfahrung geleitet – ein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb, das sich nur mit dem Cloud-Kontinuum erschließen lässt.

Diese fortschrittlichen Unternehmen bauen intelligente Fabriken, effiziente und widerstandsfähige Lieferketten, nachhaltige Produkte und ein florierendes Geschäft auf. Immer auf Basis cloudbasierter Technologien wie Künstlicher Intelligenz, Machine Learning, Private Cloud, Edge, 5G und PaaS. Zudem finden sie immer neue Wege, die Transformation ihrer Branche mitzugestalten, indem sie branchenspezifische Probleme mithilfe von Cloud-Software lösen.

Die Fortschritte Europas auf diesem Gebiet hängen von Vorreitern ab, die den gesamten Spielraum der Cloud erkennen. Ein Wettbewerber im Cloud-Kontinuum zu sein bedeutet, jederzeit jede sich bietende Gelegenheit ergreifen zu können.

Über die Autoren

Jean-Marc Ollagnier

CEO – EUROPE


Koen Schelfaut

Senior Managing Director – Accenture Cloud First, European lead


Sybille Berjoan

Europe Principal Director, Accenture Research


Surya Mukherjee

Research Lead – Europe Technology, Accenture

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