Herausforderung

Als sich die COVID-19-Pandemie über die ganze Welt ausbreitete, suchten viele Regierungen und ihre Gesundheitsbehörden nach neuen Wegen der Zusammenarbeit, um die regionale Verbreitung des Virus bestmöglich einzudämmen.

Die Partnerschaft zwischen dem Österreichischen Roten Kreuz und der österreichischen Bundesregierung zeigt, wie schnell eine Zusammenarbeit angestoßen werden kann. Als Teil der weltweit größten humanitären Organisation spielt das Österreichische Rote Kreuz eine Schlüsselrolle im Krisenteam der Regierung.

Die Ermittlung von Kontaktpersonen ist eine bewährte Strategie, um die Basisreproduktionszahl (R) eines Virus zu reduzieren. Diese Zahl zeigt an, wie viele Personen jeder Infizierte im Durchschnitt ansteckt. Experten schätzen, dass die Neuinfektionsrate ohne die getroffenen Schutzmaßnahmen exponentiell in die Höhe gestiegen wäre. Sie schätzen das Risiko dafür auf eine Infektionsrate von 70 Prozent in der Bevölkerung.

Als in Österreich erste Infektionsfälle bestätigt wurden, ergriffen die Gesundheitsbehörden Maßnahmen, um die Rückverfolgung der Kontakte der Infizierten zu ermöglichen. Das Ziel: diejenigen zu identifizieren, die sich möglicherweise angesteckt haben, um sie zu informieren, damit sie sich in Selbstisolation begeben können. Diese Kontaktverfolgung hatte sich bereits bei früheren Pandemien als wirksame Methode gegen die Verbreitung von Viren erwiesen. Bisher wurde diese Aufgabe jedoch manuell erledigt und war entsprechend aufwendig.

Das Österreichische Rote Kreuz war von einer digitalen Kontaktverfolgung mittels Smartphone überzeugt, um bei neuen Infektionen eine rasche Rückverfolgung der Kontakte infizierter Personen zu ermöglichen und schnell reagieren zu können. Als eines der ersten Länder stellte Österreich diese Technologie seinen Bürgern zur Verfügung. Erfolgskritisch war dabei, dass die App von Anfang an effizient und sicher sein musste. Zur Erstellung dieser bahnbrechenden Lösung holte sich das Österreichische Rote Kreuz Unterstützung von Accenture.

Der Accenture-Ansatz

Das Österreichische Rote Kreuz arbeitete eng mit Accenture zusammen, um eine maßgeschneiderte App zu entwickeln, die die Kontaktverfolgung automatisieren würde – eine Art COVID-19-Frühwarnsystem.

Die Stopp Corona-App protokolliert die Kontakte zwischen Mobiltelefonen anonym. Für jeden Benutzer wird die Kontakthistorie aufgezeichnet. Die frühzeitige Benachrichtigung von potenziell exponierten Personen hilft, Infektionsketten zu unterbrechen. Die Entwicklung der App erfolgte sehr schnell. Im Rahmen eines Workshops wurden gemeinsam Schlüsselanforderungen festgelegt und die Realisierbarkeit besprochen. Mehr als hundert Accenture-Mitarbeiter meldeten sich freiwillig, um ehrenamtlich an diesem Projekt mitzuwirken: Sie befragten potenzielle App-Nutzer, um die Akzeptanz einzuschätzen sowie Prioritäten bei den Funktionalitäten zu setzen. Mit diesen umfassenden Erkenntnissen ging das Team mit einem Minimalprodukt (MVP) in weniger als drei Wochen live – ein Bruchteil der Zeit, die normalerweise benötigt wird, um eine Anwendung dieser Größe und Komplexität in Betrieb zu nehmen.

Die Erkennung von Kontakten erfolgt über ein automatisches Pairing per Bluetooth zwischen Mobiltelefonen, vergleichbar einem digitalen Handshake. Wenn eine Person ein positives Testergebnis erhält, kann sie das über die App melden.

Diese frühe automatisierte Benachrichtigung ermöglicht es Personen, die unter Umständen dem Virus ausgesetzt waren, sich selbst in Quarantäne zu begeben oder bei Behörden um Rat zu fragen.

Sowohl auf iOS als auch auf Android Smartphones oder zwischen den beiden Handybetriebssystemen funktioniert die auf digitaler Technologie basierende App und macht die Kontaktverfolgung einfach.

Die App wurde unter Berücksichtigung von höchsten Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit entwickelt. Die Daten werden anonymisiert auf dem Gerät gesammelt. Weder Standortangaben noch andere Benutzerdaten werden gespeichert.

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Team und Umsetzung

Um die Ausbreitung eines Virus zu verlangsamen, sind die Feststellung der Kontaktverläufe und eine transparente Kommunikation entscheidend. Sicherzustellen, dass dies zuverlässig erfolgt, erfordert qualifizierte Arbeitskräfte. Erkrankte und deren Kontaktpersonen ausfindig zu machen kann sich als schwierig erweisen und zudem einen immensen Zeitaufwand verursachen. Die Betroffenen schrecken womöglich vor dem Gespräch zurück, das bei ihnen Unbehagen auslösen könnte oder dem sie sich nicht gewachsen fühlen.

Dennoch versuchen die meisten Bürger, ihren Teil dazu beizutragen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Die digitale Kontaktverfolgung mittels Bluetooth erweist sich als ein smartes und nicht invasives Instrument, um genau dies zu erreichen: nahe Kontakte zwischen Menschen zu messen.

Der Ansatz der App ist einfach und überzeugend: Weniger Infektionen bedeuten, dass Leben gerettet werden und dass Beschränkungen im Alltag für die Menschen und die Wirtschaft schneller wieder aufgehoben werden können.

Die App ist benutzerfreundlich und für jedermann zugänglich. Sie hilft Gesundheitsbehörden und Bürgern dabei, gemeinsam Infektionssituationen aus der Ferne zu beurteilen. Dank schneller Kommunikation wird rasches Agieren ermöglicht. Die automatisierte Früherkennung stellt sicher, dass die Menschen schneller die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

Nachhaltige Werte

Als die Stopp Corona-App in Betrieb genommen wurde, haben Hunderttausende Menschen die App über Google Play™ und den Apple Store® heruntergeladen.

In den ersten Wochen wurde die App mit mehr als 600.000 Downloads auf beiden Plattformen zur Nummer eins. Das Engagement der Nutzer ist ein entscheidender Faktor bei der Eindämmung des Virus. Mehrere Infektionsfälle wurden bereits registriert. Dank der Benachrichtigung der Kontakte konnten die Betroffenen entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Bemerkenswert ist zudem, dass die App in Rekordzeit entwickelt wurde, mit einem Produktivstart nur drei Wochen nach der Konzeption. Dies wurde durch den unermüdlichen Einsatz des Teams möglich, das mit dem Ziel vor Augen arbeitete, mit der App einen wichtigen Baustein zu schaffen, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen. Ein weiterer Erfolgsfaktor war die einzigartige Bandbreite an Kompetenzen, die Accenture mitbrachte: Sachverständnis im Bereich des Gesundheitswesens und in der öffentlichen Verwaltung, technologisches Know-how und Expertise im Datenschutz und in der Cybersicherheit. Der Erfolg der App hängt davon ab, dass sie von vielen Bürgern genutzt wird. Daher waren eine intuitive Bedienbarkeit und Sicherheit grundlegende Anforderungen.

Um den Nutzern eventuelle Bedenken hinsichtlich der Sicherheit ihrer Daten zu nehmen und für größtmögliche Transparenz zu sorgen, haben wir sowohl die Zustimmung der Datenschutzkommission des Roten Kreuzes als auch die der Bundesregierung eingeholt sowie den Code über Open Source öffentlich und frei zugänglich gemacht.

Da dies eine der ersten funktionierenden Lösungen zur Ermittlung von Kontaktketten im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie in Europa ist, möchten Mitgliedsorganisationen des Roten Kreuzes diese Technologie für andere Länder anpassen, um auch dort damit die Verbreitung des Virus einzudämmen. Die App wurde als Open-Source-Projekt konzipiert, somit konnte das Österreichische Rote Kreuz Entwickler der anderen Organisationen einladen, ihre Kräfte zu bündeln, um die Technologie weltweit zur Verfügung zu stellen.

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600K+

Menschen haben die App in den ersten Wochen heruntergeladen.

>100

Accenture-Mitarbeiter meldeten sich freiwillig, um ehrenamtlich an diesem Projekt mitzuwirken.

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Die Ermittlung von Kontaktpersonen ist eine bewährte Strategie, um die Basisreproduktionszahl (R) eines Virus zu reduzieren.

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