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PERSPEKTIVE

Von präziseren Erkenntnissen zum strukturellen Vorteil

Warum KI-gestützte Entscheidungen künftig über Erfolg und Misserfolg in den Rohstoffmärkten entscheiden werden

5MINUTEN LESEDAUER

29 Juni 2026

In Kürze

  • Der Rohstoffhandel wird durch tiefgreifende Marktveränderungen neu definiert, deren Geschwindigkeit die Möglichkeiten traditioneller Tools und Organisationsmodelle übersteigt.

  • KI wird zum Motor des modernen Handels: Unternehmen erkennen Marktsignale, handeln schnell und verbessern ihre Performance kontinuierlich.

  • Führende Unternehmen setzen KI nicht nur ein. Sie entwickeln selbstlernende Handelssysteme, die mit jedem Zyklus aus Daten, Entscheidungen und Handelsausführung besser werden.

Im Rohstoffhandel wurden Geschwindigkeit, Urteilsvermögen und Risikobereitschaft schon immer belohnt. Doch die Grundlage dieses Vorteils verändert sich.

Die Einschränkung liegt heute nicht mehr im Zugang zu Informationen, sondern darin, sie schneller als die Konkurrenz zu interpretieren, zu priorisieren und in Handlungen umzusetzen. KI verbessert nicht nur Entscheidungen. Sie ermöglicht eine völlig neue Art, sie zu treffen. Wir nennen diesen Ansatz die Commodity Decision Engine – eine KI-gestützte Entscheidungsplattform für den Rohstoffhandel.

Der Handel entwickelt sich vom periodischen Strategieansatz zu einem fortlaufenden Prozess aus Hypothesen, Tests und Anpassungen.

Dieser Wandel ist strukturell – und entscheidet unmittelbar darüber, wer Gewinne erzielt. Im kommenden Jahrzehnt teilt sich der Rohstoffhandel in zwei Gruppen: Unternehmen, die durch statische Modelle, personalintensive Abläufe und punktuelle Optimierung eingeschränkt bleiben, und Unternehmen mit kontinuierlich lernenden, KI-gestützten Handelssystemen.

Angesichts der Größe der Rohstoffmärkte summieren sich selbst kleine Leistungsunterschiede schnell.

Bis zu 18%

höheres Brutto-Handelsergebnis durch KI‑gestützte Optimierungen über den gesamten Handelszyklus hinweg.1

Die Herausforderung für Führungskräfte

Die meisten Führungskräfte halten KI für einen entscheidenden Faktor im Handel. Nur wenige sind überzeugt, den Einsatz so skalieren zu können, dass dauerhaft messbare Vorteile entstehen.

Viele Unternehmen bleiben zwischen Ambition und Umsetzung gefangen. KI-Initiativen sind häufig über einzelne Trading-Desks verteilt, nicht mit den zentralen Handelsabläufen verbunden und durch Altsysteme begrenzt, die nicht für kontinuierliches Lernen ausgelegt sind. Probleme mit Daten, unklare Zuständigkeiten und zurückhaltende Unterstützung durch Führungskräfte bremsen den Fortschritt zusätzlich.

Das Ergebnis: KI, die in Pilotprojekten vielversprechend erscheint, auf dem Trading Floor jedoch keine konstanten Ergebnisse liefert.

Wo KI echten Mehrwert im Handel erzeugt

Führende Unternehmen gehen über Experimente hinaus, indem sie sich auf vier Wertbereiche konzentrieren:

Alpha-Generierung

Auswirkung: 2–13 % des Bruttohandelsergebnisses. Präzisere Signale aus Satelliten-, Wetter-, Frachtstrom- und Makrodaten steigern Erfolgsquoten und die Nutzung von Optionalitäten.

Ausführungseffizienz

Auswirkung: 10–20 % der Transaktionskosten. KI optimiert Handelsentscheidungen, Logistikrouten, die Vermeidung von Liegegeldkosten und die Zusammenstellung von Rohstoffqualitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Risikomanagement

Auswirkung: 4–12 % der Risikokapazität. Gebündelte Risiken, Limitüberwachung und präzise Absicherung ermöglichen Echtzeitentscheidungen

Operative Effizienz

Auswirkung: 5–25 % der Betriebskosten. KI automatisiert Abstimmung, Vertragsprüfung und Abwicklung und entlastet Teams für höherwertige Aufgaben

Das verbindende Thema? Messbarkeit. Jeder Bereich lässt sich unmittelbar mit messbaren Ergebnissen verknüpfen – von einem höheren Handelsergebnis und geringerer Latenz bis hin zu präziserer Absicherung und niedrigeren Ausnahmequoten.2

Was Unternehmen zurückhält

Trotz steigender Investitionen ist es nur einer kleinen Minderheit gelungen, KI im Handel erfolgreich zu skalieren.

Mehrere Hindernisse treten immer wieder auf. Fragmentierte Experimente verhindern, dass Signale durch Front-, Middle- und Backoffice fließen. Führungsteams verteilen Investitionen häufig auf zu viele Prioritäten, statt gezielt in wenige, besonders wertstiftende Wachstums- und Ertragshebel zu investieren. Alte ETRM- und ERP-Systeme sowie individuelle Handelstools erschweren die Integration. Probleme mit der Datenqualität bremsen die Einführung, wenn Perfektion als Voraussetzung statt als Gestaltungsrahmen behandelt wird.

Nur 11%

der Führungskräfte im Energiesektor geben an, KI für Handelsprognosen skaliert zu haben.

Wie im gesamten Unternehmen ist ein KI-gestützter Vorteil auch im Handel letztlich eine Führungsaufgabe. Entscheidend ist, wie konsequent CEOs Wertschöpfung, Betriebsmodelle und Governance auf intelligente Systeme ausrichten.

Fünf Maßnahmen für einen strukturellen Vorteil:

KI-Initiativen an messbaren wirtschaftlichen Ergebnissen wie besserer Ausführung, Margeneffizienz und Nutzung von Optionalität ausrichten. So erkennen Teams klar, wo Wert entsteht und wie er skaliert.

Handelsabläufe und Entscheidungsrhythmen so neu gestalten, dass KI direkt in den Alltag eingebettet ist – unterstützt durch Anreize und Rollen für ein Betriebsmodell, in dem Mensch und KI zusammenarbeiten.

Gemeinsame Datengrundlagen, Signal-Pipelines und Policy Engines schaffen, damit KI-Systeme sicher, konsistent und unternehmensweit arbeiten können.

Governance-Mechanismen wie Pre-Trade-Kontrollen, Echtzeitüberwachung und Prüfbarkeit integrieren, damit Autonomie wächst, ohne Vertrauen oder Verantwortlichkeit zu schwächen.

Einen verlässlichen Rhythmus für Tests, Einführung und Ablösung etablieren, damit Modelle bei veränderten Märkten, Daten und Handelsbedingungen relevant bleiben.

Die entscheidende Frage

Unternehmen, die KI in ihre Entscheidungsfindung integrieren und dadurch die Art verändern, wie sie Entwicklungen erkennen, handeln und aus Ergebnissen lernen, werden auf einem völlig neuen Niveau an Geschwindigkeit und Präzision arbeiten.

Für CEOs ist die Konsequenz klar. Die Frage lautet nicht mehr, ob KI eingeführt werden soll, sondern wie schnell sich die Entscheidungsfindung im gesamten Unternehmen verändern lässt.

Erfolgreiche Unternehmen verbessern nicht nur ihre Performance – sie verändern die Grundlage des Wettbewerbs.

Quellenangaben

1 Kombinierter Fall eines führenden Unternehmens über die Wertschöpfungsbereiche Alpha-Generierung und Ausführungseffizienz hinweg. Zusätzliche Steigerungen aus dem Risikomanagement sowie Betriebskostensenkungen durch operative Effizienz sind nicht enthalten; Accenture-Analyse, 2026.

2 Jeder Wertschöpfungsbereich wird an einer eigenen Bezugsgröße gemessen. Die Prozentwerte dürfen nicht addiert werden; Accenture-Analyse, 2026.

VON

Miguel G. Torreira

Senior Managing Director – CEO Advisory, Commodity Markets, Global Lead

Ogan Kose

Senior Managing Director – CEO Advisory, Reinventive Executive Advisory

Nikiforos Atsikpasis

Managing Director – Accenture Strategy

Lydia Karagianni

Senior Manager – Accenture Strategy

Jia Liu

Senior Manager – Accenture Strategy