STUDIE
Agentic Commerce: So wird Ihre Marke unübersehbar
KI-Agenten verändern den Handel und Kundenbeziehungen grundlegend. So bleibt Ihre Marke sichtbar, wird ausgewählt und genießt Vertrauen.
10 Minuten Lesezeit
28 April 2026
STUDIE
KI-Agenten verändern den Handel und Kundenbeziehungen grundlegend. So bleibt Ihre Marke sichtbar, wird ausgewählt und genießt Vertrauen.
10 Minuten Lesezeit
28 April 2026
Der digitale Handel hat sein Versprechen nie ganz eingelöst. Er brachte zwar mehr Auswahl und bequemeres Kaufen, überforderte die Konsumenten aber mit Optionen und Informationen. Die Folge: Entscheidungsmüdigkeit. Marken zahlen den Preis dafür – durch abgebrochene Warenkörbe, hohe Retouren, sinkende Margen und teure Reaktivierungskampagnen.
Agentic Commerce stellt dieses Modell auf den Kopf. KI-Agenten können Produkte vergleichen, das Kleingedruckte lesen, das beste Angebot wählen, den Kauf abschließen sowie Lieferung und Retouren managen – völlig autonom im Namen des Kunden. Das traditionelle Verständnis darüber, wer wann wie Kaufentscheidungen trifft, verändert sich rasant.
90 %
der regelmäßigen KI-Nutzerinnen und KI-Nutzer in Nordamerika würden ihre Lieblingsmarke wechseln, wenn ihr KI-Assistent eine bessere Alternative vorschlägt.1
Bis zu 45 %
der Käuferinnen und Käufer werden in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich mindestens die Hälfte ihrer Einkäufe über KI-gestützte Ökosysteme abwickeln.2
25 %
der Führungskräfte sagen, dass KI-Agenten in drei Jahren ihre wichtigste Zielgruppe für Content sein werden – noch vor Suchmaschinen.3
Zwei Arten von Agenten treiben den digitalen Handel heute voran. Breit aufgestellte „horizontale“ Agenten decken alle Kategorien und Branchen ab und integrieren zunehmend die Check-out- und Bezahlfunktionen der Händler, sodass eine einfache, dialogbasierte Anfrage direkt in eine abgeschlossene Transaktion umgewandelt werden kann. „Vertikale“ Agenten sind Spezialisten, die tief in eine einzelne Kategorie eintauchen, anstatt sie nur oberflächlich abzudecken – wie in den Bereichen Reisen, Beauty oder Investing. Sie nutzen fundierte Kundendaten, um Probleme der Menschen zu lösen und langfristige Beziehungen zu den Konsumentinnen und Konsumenten zu etablieren. Beide Arten von Agenten stehen nun zwischen Marke sowie Kundin und Kunde und bestimmen, welche Produkte ausgewählt und gekauft werden.
Fast alle Unternehmen müssen ihre Angebote so strukturieren, dass sie von KI-Agenten erkannt und ausgewählt werden – sie müssen zur bevorzugten Wahl der Agenten werden. Das bedeutet, dass Produktdaten so optimiert werden müssen, dass Agenten Produkteigenschaften verstehen, Garantien und Rückgabebedingungen vergleichen und in wenigen Sekunden das beste Produkt auf Basis der Kundenbedürfnisse auswählen und direkt kaufen können.
Marktführer in den jeweiligen Branchen können zudem selbst zu einem bevorzugten Agenten werden – dem Agenten, an den sich Menschen und andere Agenten für Produkte und Dienstleistungen wenden. Dies erfordert umfassende Investitionen: tiefes Fachwissen, First-Party-Daten, integrierte Services und Partnerschaften sowie die Fähigkeit, Lösungen zu bündeln und Kundenerlebnisse von A bis Z zu gestalten. Marken, die diesen Weg meistern, behaupten sich als der zentrale Akteur in einem von Agenten geprägten Markt und behalten den direkten Draht zu ihren Kunden.
Noli (No One Like I), ein Beauty-Tech-Venture von L’Oréal und Accenture, verdeutlicht, wie tiefe Kategorie-Expertise zu einem entscheidenden Vorteil als bevorzugter Vermittler (Agent of Choice) werden kann. Durch die Kombination von KI mit fundierter Forschung und First-Party-Konsumentendaten liefert Noli maßgeschneiderte Hautpflege-Empfehlungen und Beratung in einem spezialisierten Beauty-Umfeld. Die Architektur ist so aufgebaut, dass sie immer komplexere KI-Anwendungen unterstützt, sodass die digitalen Agenten mit dem Wachstum der Plattform immer umfassendere Aufgaben übernehmen können. Der Erfolg ist belegbar: 98 % der Kunden sind mit den Vorschlägen zufrieden und 90 % sagen, dass Noli ihr Vertrauen beim Einkaufen stärkt.4
Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden agentenbasierte Transaktionen in den nächsten zwei Jahren die Nachfrage verschieben und völlig neue Nachfragepotenziale schaffen, die spürbare finanzielle Effekte erzielen – nicht nur durch Umsatzwachstum, sondern durch eine grundlegende Neugestaltung der Kostenstrukturen im E-Commerce. Hier sind fünf Handlungsfelder, welche die wirtschaftliche Dynamik in agentengesteuerten Märkten prägen werden und es Unternehmen ermöglichen, von diesem bevorstehenden Wandel zu profitieren.
Agentic Commerce senkt versteckte Kosten im Digital Commerce: abgebrochene Warenkörbe, Kunden-Reakquise, hohe Retouren, Logistikkosten und Support-Aufwand. Wenn Agenten die Customer Journey vereinfachen, Details vorab klären und Präferenzen speichern, sinken die Kosten.
Auch die Prozesse werden effizienter. Präziser Bestand, korrekte Preise, glatte Zahlungsfreigaben und weniger Fehler schützen die Marge und sichern den Cashflow.
Um die Nachfrage auf Haushaltsebene bedienen und mit der Geschwindigkeit von Agenten Schritt zu halten, müssen Lieferketten Bestände näher am Kunden positionieren. Prognosen müssen sich weiterentwickeln, um inhaltsbasierte Nachfragesignale in Echtzeit zu erfassen und Fulfillment-Modelle wie Ship-from-Store, Micro-Fulfillment, Store-Versand oder Cross-Docking zu unterstützen.
Automatisierte Workflows, Echtzeitdaten und maschinelle Entscheidungen sind Pflicht, da der Mensch nur noch für Ausnahmen zuständig ist, die Maschinen nicht lösen können.
Beim Agentic Commerce ist der Zahlungsprozess entscheidend, um Conversions zu steigern, Disputfälle zu reduzieren, Betrug einzudämmen, Servicekosten zu senken und von Agenten ausgewählt zu werden.
Bezahlplattformen treiben die Marge zudem an, indem sie Angebote und Anreize maschinenlesbar machen. So können Agenten den besten Gesamtwert identifizieren und daran gehindert werden, Schlupflöcher oder unberechtigte Rabatte auszunutzen.
Agenten schlafen nie. Sie verändern dadurch Tempo und Volumen von Transaktionen drastisch – ob Nachbestellung, Erstattung, Service oder Ersatz. Führende Marken werden agententaugliche Always-on-Systeme aufbauen, die standardmäßig automatisiert laufen, während Menschen komplexe Fälle und Governance übernehmen.
Dies erfordert eine enge bereichsübergreifende Abstimmung sowie einen „Control Tower“ für Agentic Commerce, der die Teams aus den Bereichen Produkt, Marketing, Preisgestaltung, Zahlungsabwicklung, Lieferkette, Recht, IT-Sicherheit, Daten und KI aufeinander ausrichtet. Der Erfolg zeigt sich in KPIs wie Ausnahmen pro tausend Transaktionen, den Cost-to-Serve und der Rate, mit der Agenten die Marke wählen oder links liegen lassen.
KI-Investitionen boomen, doch messbare Erfolge lassen bei den meisten Unternehmen noch auf sich warten. Unsere Studien zeigen aber, dass eine Spitzengruppe – die „Talent Reinventors“ – durch eine Human-AI-Talentstrategie frühe Renditen erzielen konnte. Sie sind auf dem Weg, bis 2030 ein 6–10 % höheres Umsatz- und ein 5 % höheres Gewinnwachstum als die Konkurrenz zu erreichen.
Weil der Mensch die Führung behält, entsteht eine Kultur, in der Mensch und KI Hand in Hand arbeiten und sich gemeinsam weiterentwickeln. Führende Marken behandeln Talentstrategien daher heute mit derselben Priorität wie Zahlungsabwicklung, Lieferkette oder das operative Geschäft.
Agentic Commerce definiert die Beziehung zwischen Marken und Kunden völlig neu. Die Auswirkungen sind in allen Sektoren und Branchen spürbar und zwingen Unternehmen dazu, den Vertrieb ihrer Produkte und Dienstleistungen grundlegend zu überdenken
Dabei geht es um weit mehr als Technologie, Kundenerfahrungen und Loyalitätsprogramme. Agentic Commerce gestaltet die gesamte Kostenstruktur des digitalen Handels neu. Marken, die es richtig anstellen, werden sich mit jeder Transaktion weiter von der Konkurrenz absetzen. Wer den Anschluss verpasst, droht unsichtbar zu werden – in Millisekunden übergangen von einer Maschine, die keinen Grund hat, sich für sie zu entscheiden.
1 Accenture Agentic Commerce Consumer Survey, September 2025.
2 Accenture Aaru Agentic Commerce Simulation, Februar 2026.
3 Accenture Tech Vision 2026 Executive Survey, Januar 2026.
4 Noli, April 2026, n = 164.