STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Deutsche Unternehmen klammern sich an ihre früheren Stärken. Doch die Welt hat sich gedreht: Das einstige Erfolgsmodell funktioniert nicht mehr.
  • Nur Unternehmen, die jetzt die richtigen Schritte einleiten, werden im Wettbewerb mit China und den USA in den nächsten Jahren bestehen können.
  • Die Studie blickt auf Folgen der Pandemie, die Entwicklung der Wirtschaftsstruktur in Deutschland und die Resilienz und Wachstumsstärke der Top500.
  • Accenture gibt fünf konkrete Handlungsempfehlungen, die deutsche Unternehmen jetzt in die Tat umsetzen sollten.


Die Top500 ohne Wachstumsführerschaft

In den vergangenen Jahren hat Accenture immer wieder die Schwachpunkte in der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Leitindustrien untersucht. Die COVID-19-Pandemie hat diese Ursachen für die Wachstumsschwächen der großen deutschen Unternehmen nun offengelegt. Noch immer fehlen umfassende Transformationen – die Abhängigkeit von traditionellen Produkten und Geschäftsmodellen ist groß. Sehr bald wird das nicht mehr ausreichen, um an der Spitze mitspielen zu können. Schon jetzt flacht das Umsatzwachstum hierzulande ab. Das geringe verbliebene Wachstum stammt von wenigen Großkonzernen. Die Automobilindustrie bleibt zwar die dominierende Branche, doch kommen auch von dieser Seite keine Impulse. Vor allem die deutschen Zulieferer haben Schwierigkeiten, weil sie direkt von der globalen Nachfrageschwäche betroffen sind.

Es fehlen derzeit wachstumsstarke Industrien mit einer hohen Branchengewichtung. Wirtschaftszweige wie insbesondere der ITK-Sektor wachsen nicht stark genug, um zu einer Leitindustrie heranzureifen.

Eine neue Wettbewerbsdynamik

China wird – als einzige große Volkswirtschaft – mit einem leichten Plus aus der Corona-Krise hervorgehen. Die USA dürften auch unter Joe Bidenihren nationalwirtschaftlichen Kurs weiterverfolgen. Im internationalen Wettbewerb setzen die beiden großen Wirtschaftsmächte ihre strategischen Agenden viel ambitionierter, schneller und erfolgreicher um als Europa. Als Ausweg muss die EU eine eigene Rolle im globalen Systemwettbewerb definieren und in der Post-COVID-19-Welt selbstbewusster als vereinigte und relevante Wirtschaftsmacht auftreten. Jedoch erschweren politische Spannungen diese Entwicklung.

In Deutschland sind die kurzfristigen Stabilisierungsmaßnahmen als Reaktion auf die Coronapandemie weitgehend abgeschlossen. Die Unternehmen blicken wieder auf neue Wachstumschancen und investieren in Digitalisierung und Automatisierung. Wichtiger denn je ist die Schaffung resilienter Wertschöpfungsketten. Sie dürfen weltweit breiter gestreut werden – zudem müssen Unternehmen die Transparenz ihrer Supply Chain erhöhen, um (erneute) Stillstände zu verhindern.

Neben einer höheren Resilienz ist den Entscheidern der deutschen Top-Unternehmen vor allem wichtig, neue Technologien einzuführen und ihre laufenden Kosten zu senken.

Eine höhere Resilienz – und zwar insbesondere bei den Lieferketten – ist für Unternehmenslenker die wichtigste Aufgabe für die nächsten Monate.

Seit 2009 stieg das Exportvolumen Deutschlands stark an und wurde zu einem entscheidenden Pfeiler der Wirtschaft. Inzwischen ist davon nicht mehr viel zu sehen. Seit dem Ausbruch der Pandemie treten Abschottungstendenzen im Welthandel noch weiter hervor, da in der Krise der Gedanke der Autarkie weiter um sich greift. Wichtig für Deutschland und die Top500 ist aufgrund dieser Wettbewerbssituation die Entwicklung neuer, zukunftsfähiger Produkte. Physische Produkte werden aber nur dann global wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie mit der digitalen Welt verbunden, beziehungsweise durch digitale Services ergänzt werden. Dazu gehört auch, dass die Schnittstelle zum Kunden neu und digital gedacht wird.

Wege aus der Wachstumskrise

Für die deutschen Top500 darf es nun nicht länger um die Erschließung neuer Wachstumsmärkte gehen. Es müssen vor allem die Erneuerung der Produkt- und Dienstleistungspalette sowie der Aufbau von Partnerschaften und Ökosystemen im Fokus stehen. Sie sind – ebenso wie Nachhaltigkeit – die zentralen Erfolgskriterien.

Nachhaltig und digital

Umwelt- und Klimaschutz und gesellschaftlicher Nutzen sind strategische Notwendigkeiten geworden. Die Digitalisierung trägt dazu bei (weniger CO2).

„Made in und Operated by Germany“

Neue Leistungsversprechen: Die Top500 müssen ihr einzigartiges Verständnis für Ingenieurskunst in der physischen Welt mit der digitalen verbinden.

Digitale Ökosysteme

Jeder Plattformbeteiligte muss sich einbringen und eigene Vorteile generieren können. Rollen müssen klar definiert und Daten ausgetauscht werden.

Digitale Souveränität

Europa muss gemeinsam einem „Lock-out“ bei digitalen Infrastrukturen sowie einem „Lock-in“ bei der Nutzung von Standardsoftware entgegenwirken.

Wettbewerbsfähige Finanzierung

Kundenbeziehungen, Services, Strukturen, Kooperationen: Banken müssen umdenken, um ihre Bedeutung in der deutschen Wirtschaft aufrechtzuerhalten.

Alle anzeigen

Accenture hebt als Fazit dieser Studie im Folgenden fünf Möglichkeiten hervor, mit denen die großen deutschen Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern und Potenziale für neues Wachstum schaffen können.

Nachhaltigkeit als Produkt und Service

Klimaschutz sowie Kreislaufökonomie werden zu wichtigen Exportartikeln. Dabei sollte die Strategie einen gesellschaftlichen Nutzen zum Ziel haben.

Wertschöpfung: Vom Produkt zum Outcome

B2B-Kunden kaufen keine Produkte und Services mehr, sondern Ergebnisse – eine messbare Verbesserung für ihr unternehmerisches Handeln.

Geschäfte in Ökosystemen in der Cloud neu denken

Neue Geschäftsmodelle setzen branchenübergreifende Kooperationen voraus. Bahnbrechende Innovationen entstehen künftig nicht mehr im Alleingang.

Europa als Leitanbieter und Leitmarkt

Europa braucht die digitale Infrastruktur und neue Technologien, um neue Geschäftsmodelle voranzutreiben. Und um digital souverän zu werden.

Richtiges Tempo für die Transformation

Neben neuen Technologien brauchen Unternehmen auch eine neue Denke, mehr Mut zu Experimenten, datengesteuerte Prozesse und Entscheidungskulturen.

Alle anzeigen

Frank Riemensperger

Senior Managing Director – Accenture

MEHR ZU DIESEM THEMA

Neues wagen
Weltmarktführer von morgen

Unser Team

ABONNEMENT-CENTER
Bleiben Sie mit unserem Newsletter auf dem Laufenden Bleiben Sie mit unserem Newsletter auf dem Laufenden