STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Aus der Berichterstattung europäischer Banken unter Art. 8 der TaxonomieVO lässt sich derzeit kein Marktstandard im Vorgehen ableiten.
  • Im betrachteten Sample variieren die ausgewiesenen Fähigkeitsquoten zwischen 0% und 51,2% sowie die Nicht-Fähigkeitsquoten zwischen 3% und 92,7%.
  • Differenzen ergeben sich aus abweichenden Interpretationen der Regulatorik und einer unterschiedlich konservativen Behandlung der Portfolios.
  • Primäre Diskussionspunkte sind die NFRD-Pflicht von Geschäftspartnern sowie die per NACE identifizierten Verwendungszwecke von Einzelgeschäften.


Ein erster Eindruck zum taxonomiefähigen Geschäft von Banken

Die diesjährige Berichtssaison der Europäischen Union (EU) war in Bezug auf nichtfinanzielle Informationen besonders spannend: Artikel 8 der Verordnung über die Taxonomie der nachhaltigen Finanzwirtschaft verlangte von den berichterstattenden Banken zum ersten Mal die Offenlegung von Kennzahlen. Im Rahmen der derzeit geltenden vereinfachten Berichtspflicht musste die erste Hürde auf dem Weg zur Green Asset Ratio (GAR), die ab 2024 veröffentlicht werden muss, genommen werden. In unserem PoV beleuchten wir, wie die Banken dies erreicht haben.

Um ein Verständnis für die quantitativen und qualitativen Informationen zu erhalten, die europäische Banken in ihren Nachhaltigkeitsberichten oder integrierten Reports bereitstellen, analysierte Accenture Berichte einer ausgewählten Stichprobe von 30 Banken in 10 Ländern. Besonders waren dabei die Quoten taxonomiefähiger und nicht taxonomiefähiger Geschäfte im Fokus. Im internationalen Vergleich wird eine Tendenz zu konservativen Herangehensweisen deutlich. Insbesondere im deutschen Marktumfeld lässt sich bei den meisten Instituten erkennen, dass ein Geschäft eher aus der Quote ausgeschlossen wird, sobald nicht alle erforderlichen Daten rechtssicher vorliegen. Die Taxonomiefähigkeitsquote mehrerer deutscher Banken schließt daher derzeit ausschließlich Immobilien- und Automobilfinanzierungen gegenüber Privathaushalten ein. Dem stehen Institute aus dem europäischen Ausland wie z. B. Frankreich, Spanien und Italien gegenüber, die tendenziell weniger ausschlussfreudig agierten und folglich auch höhere Fähigkeitsquoten auswiesen. Auch beim Ausweis der nicht taxonomiefähigen Aktivitäten fällt die extreme Spannbreite der Quoten ins Auge, wobei der Vergleich dieser Kennzahlen durch verschiedene Interpretationen des Berechnungsprozesses zusätzlich erschwert wird.

30

Banken aus 10 europäischen Ländern sind im Sample enthalten

51,2%

beträgt die höchste ausgewiesene Taxonomiefähigkeitsquote im Sample

97

verschiedene Wirtschaftsaktivitäten umfasst die EU-Taxonomie aktuell

0,0%

beträgt die geringste ausgewiesene Taxonomiefähigkeitsquote im Sample

Der aktuell hohe manuelle Aufwand trifft auf Lücken

Aktuell betrifft diese Ausschlussfreude vor allem Informationen zur NFRD-Pflicht von nichtfinanziellen Unternehmen, aber auch NACE Codes zum konkreten Finanzierungszweck eines einzelnen Geschäfts.

Das defensive Vorgehen hinsichtlich der NFRD-Pflicht der Geschäftspartner könnte sich bereits in den nächsten Berichtsperioden iterativ verringern, denn dann werden immer mehr benötigte Informationen zur Verfügung stehen. In diesem Jahr konnte wegen der erstmaligen Veröffentlichung aller Akteure noch nicht auf diese zurückgegriffen werden. Daher variierten die Vorgehensweisen hier noch stark: Die Mehrheit der betrachteten Banken hat ihr Geschäft mit Unternehmenskunden grundsätzlich als nicht NFRD-fähig bewertet, um Schätzungen zu vermeiden. Andere wiederum versuchten beispielsweise via Client Outreachs, externer Anbieter und eigener Recherchen die Berichtspflichtigkeit ihrer Kunden einzuwerten. Einer der relevantesten nächsten Schritte wird es daher für Banken sein, auf individuell funktionalem Weg verlässliche Angaben zur NFRD-Pflicht ihrer Unternehmenskunden zu generieren, um diese korrekt in die eigenen Quoten aufzunehmen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Systematisierung der Finanzierungszwecke von einzelnen Geschäften entlang der NACE-Methodologie. Die EU-Taxonomie verlangt eine Einwertung entsprechend der Mittelverwendung, sprich des Finanzierungszwecks. NACE-Codes liegen bei den Banken jedoch systemseitig meist nur auf Ebene der Tätigkeitsbranche des Geschäftspartners vor. Diese vorliegenden NACE-Codes wurden durch einzelne Banken als erste Indikation für die mögliche Taxonomiefähigkeit eines Geschäfts herangezogen, werden jedoch künftig durch die systematische Erfassung der Verwendungszwecke ersetzt werden müssen, um der Methodik der Regulatorik zu entsprechen.

"Der regulatorische Druck beschleunigt die detaillierte Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit und sorgt dank des Datenhungers gleichzeitig dafür, die dringend benötigte Transparenz kontinuierlich herzustellen."

– FRIEDERIKE STRADTMANN, Managing Director, Sustainable Banking Lead – DACH

Viele Banken betonten den aktuell sehr hohen manuellen Aufwand beim Zusammenführen der benötigten Daten. Diese werden zum Teil aus dem finanziellen Reporting und aus weiteren bankeigenen Systemen extrahiert, umfassen teils aber auch hoch taxonomie-spezifische Angaben seitens ihrer Kunden. Bisher wurden diese jedoch weder von den Banken selbst, noch von Datenanbietern strukturiert erhoben. Diese großen manuellen Aufwände lassen sich künftig über den Aufbau von Data Lakes, den Einsatz von Cloud-Technologie und einer passgenauen Dateninfrastruktur nachhaltig reduzieren. Außerdem wird es von zentraler Bedeutung sein, dass die Anbindung von Kundendaten über KYC hinaus effektiv und konsequent umgesetzt – und dafür eng mit den eigenen Kunden zusammengearbeitet wird. Hierfür bestehen am Markt bereits erste technische Tools mit unterschiedlichen Reifegraden.

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Friederike Stradtmann

Managing Director – Sustainable Banking Lead DACH


Jürgen Hagedorn

Senior Manager – Sustainable Banking


Sophie-Therese Rieke

Analyst – Sustainable Banking

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Häufig gestellte Fragen

Die EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten ist ein Klassifizierungssystem für wirtschaftliche Aktivitäten. Als Kernstück der Strategie für nachhaltige Finanzen der Europäischen Kommission bietet sie eine einheitliche und transparente Klassifizierung, welche treibhausgasintensiven Wirtschaftstätigkeiten unter welchen Bedingungen als grün gelten.

Im Mittelpunkt der EU-Taxonomie steht Artikel 8, wonach Banken, die gemäß NFRD zur Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen verpflichtet sind, bis einschließlich zum Geschäftsjahr 2022 die folgenden sieben KPIs im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme offenzulegen:

  • Taxonomiefähige Aktivitäten
  • Nicht-taxonomiefähige Aktivitäten
  • Exposure gegenüber nicht NFRD-pflichtigen Unternehmen
  • Derivate
  • Interbankenkredite
  • Handelsbuchbestand
  • Exposure gegenüber Zentralstaaten, Zentralbanken und supranationalen Organisationen

Die Green Asset Ratio gibt an, welcher Anteil der finanzierten Wirtschaftsaktivitäten taxonomiekonform in Relation zu sämtlichen von der EU-Taxonomie erfassten Vermögenswerten ist. Sie ist ab 2024 für das Geschäftsjahr 2023 durch Banken offenzulegen und ist als die zentrale KPI zur Offenlegung grünen Geschäfts einer Bank konzipiert.

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