PERSPEKTIVE
Europas gespaltene KI-Readiness
5 MINUTEN LESEDAUER
29 Juni 2026
PERSPEKTIVE
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29 Juni 2026
Europäische Unternehmen haben in den letzten sechs Monaten ihre KI-Readiness kontinuierlich ausgebaut, wie die erste Ausgabe des Accenture AI Progress Barometer zeigt. Dabei gibt es erste Anzeichen dafür, dass sich der Abstand zu nordamerikanischen Wettbewerbern verringert. Doch eine zunehmende Kluft zwischen großen und kleineren Unternehmen droht den europäischen Fortschritt auszubremsen.
Das AI Progress Barometer misst halbjährlich, wie schnell die 3.000 größten Unternehmen der Welt ihre KI-Readiness ausbauen – also jene wesentlichen Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, um den größtmöglichen Mehrwert aus ihren KI-Investitionen zu ziehen. Dazu zählen insbesondere hochwertige Daten, qualifizierte Mitarbeitende sowie ein klarer Fokus auf Wachstum statt reiner Effizienzsteigerung.
In den vergangenen sechs Monaten hat Europa seinen KI-Readiness-Score um 1,6 Punkte verbessert und damit Nordamerika (+1,1) und den asiatisch-pazifischen Raum (+0,2) übertroffen. Dennoch liegt Nordamerika (48,9) bei der KI-Readiness insgesamt weiterhin deutlich vor Europa (43,1).
Das Barometer zeigt deutlich: KI-Readiness steigt mit der Unternehmensgröße. Große europäische Unternehmen (mit einem Jahresumsatz von über 10 Milliarden US-Dollar) liegen mit 47,4 Punkten nur noch 2,1 Punkte hinter ihren nordamerikanischen Pendants (49,5 Punkte). Kleinere europäische Unternehmen hingegen hinken vergleichbaren nordamerikanischen Unternehmen mit einer Differenz von 7,6 Punkten (40,5 vs. 48,1) deutlich hinterher. Dies könnte die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Europas belasten.
Europa hat seinen durchschnittlichen KI-Readiness-Score in den vergangenen sechs Monaten um 1,6 Punkte verbessert – gegenüber einem Anstieg von 1,1 Punkten in Nordamerika. Nordamerikanische Unternehmen (48,9) liegen bei der KI-Readiness insgesamt jedoch weiterhin vor europäischen Unternehmen (43,1).
Europa baut seine KI-Fähigkeiten rasch aus – bleibt aber hinter Nordamerika zurück
Die KI-Readiness-Entwicklung großer und kleinerer europäischer Unternehmen driftet auseinander. Die größten europäischen Unternehmen konnten in den vergangenen sechs Monaten gegenüber ihren nordamerikanischen Pendants Boden gutmachen und ihren Rückstand von 4,2 Punkten auf 2,1 Punkte halbieren.
Kleinere europäische Unternehmen (Jahresumsatz über 500 Millionen US-Dollar) liegen jedoch weiterhin 7,6 Punkte hinter ihren nordamerikanischen Pendants zurück. Dieser Fähigkeitsrückstand schränkt die Möglichkeiten kleinerer Unternehmen ein, mit KI grundlegenden Wandel voranzutreiben – und belastet damit die Wettbewerbsfähigkeit, angesichts der bedeutenden Rolle, die sie in der europäischen Wirtschaft spielen.
Europas kleinere Unternehmen fallen zurück
Europäische Unternehmen haben in drei der vier bewerteten Dimensionen zugelegt – ein klares Signal für den Übergang von der Experimentierphase zur Umsetzung.
Erstens legen europäische Unternehmen eine klarere strategische Ausrichtung fest, wie KI das Geschäft neu gestalten wird (+5,3 Punkte). Zweitens entwickeln sie ihre Mitarbeitenden weiter, um den Wandel zu gestalten, gestützt durch die Neugestaltung von Talentmodellen (+1,4 Punkte). Und drittens gestalten sie Prozesse neu, um den Mehrwert zu maximieren, unter anderem durch den Einsatz von agentischer KI (+0,9 Punkte).
Strategie, Talente und die Neugestaltung von Prozessen untermauern den europäischen Fortschritt
In 10 der 18 vom Barometer erfassten Branchen ist die KI-Readiness in Europa in den vergangenen sechs Monaten gestiegen. Die Versicherungsbranche verzeichnete den stärksten Zuwachs (+8 auf 48,6), gefolgt von der Reisebranche (+5,7 auf 46,7) und der Konsumgüterindustrie (+5,2 auf 43,7).
In vielen Branchen nimmt die Dynamik zu
Europas kleinere Unternehmen haben Mühe, mit ihren größeren Pendants Schritt zu halten. Die Verringerung von Risiken in der Anfangsphase, der Nachweis der Relevanz im Tagesgeschäft und der Aufbau praktischer Kompetenzen können die Verbreitung fördern.
Die einzige Dimension, in der europäische Unternehmen leicht zurückgefallen sind, war die technologische Basis (-1,2 Punkte), was den Bedarf unterstreicht, Daten- und Technologiegrundlagen weiter zu stärken.
Viele der größten Volkswirtschaften Europas haben in den vergangenen sechs Monaten ihre KI-Readiness ausgebaut. Frankreich verzeichnete die stärksten Fortschritte (+5 auf 43,1), gefolgt vom Vereinigten Königreich (+4,8 auf 44,5) und Spanien (+4,6 auf 39,9).
Die Dynamik, die die erste Ausgabe des Accenture AI Progress Barometer zeigt, ist vielversprechend – doch Europa muss das Tempo erhöhen und die KI-Verbreitung im gesamten Unternehmensökosystem weiter ausbauen. Das bedeutet, Betriebsmodelle neu zu denken, Arbeitsprozesse neu zu gestalten und die Grundlagen von Daten und Technologie zu stärken. Ebenso entscheidend sind die Einbindung der Führungsebene, ein wirksames Governance- und Change-Management. Die Geschwindigkeit der Umsetzung wird die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Europas bestimmen.
Das Accenture AI Progress Barometer misst halbjährlich, welche Fortschritte Unternehmen beim Aufbau der Fähigkeiten erzielen, die zur Skalierung von KI und zur Erzielung des größtmöglichen Mehrwerts erforderlich sind. Unternehmen werden global anhand von vier zentralen Dimensionen der KI-Fähigkeit mit ihren Branchenpeers verglichen und auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Dabei stellt 100 den maximal erreichbaren Wert dar und kennzeichnet die höchste KI-Readiness im Vergleichsfeld:
Das Barometer kombiniert Daten aus zwei proprietären Datensätzen von Accenture: Den AI Index, eine externe Bewertung der Fähigkeiten von Unternehmen zur Skalierung von KI, sowie den Pulse of Change, eine CXO-Befragung, die dreimal jährlich durchgeführt wird.