Skip to main content Skip to Footer
Mehr lesen

Accenture untersucht regelmäßig die deutschen Top-Konzerne auf Basis des jährlich in der WELT erscheinenden Rankings „Deutschlands Große 500“. Dabei zeigt sich: Die Konzerne suchen neue Wachstumschancen. Waren früher Umsatzanstiege für die gesamten Top500 von mehr als fünf Prozent keine Seltenheit, wurde die Marke seit vier Jahren nicht mehr überschritten. Im Jahr 2016 wurde nur noch ein Plus von 1,5 Prozent verzeichnet. Der Mittelstand hingegen wuchs laut KfW-Mittelstandspanel um 3,9 Prozent. 

Neue Chancen bietet die Digitalisierung. Entsprechende Strategien genießen seit mindestens drei Jahren höchste Priorität in Top500- Konzernen. Nun fragt sich: Wo sind die Umsätze, die damit erzielt werden? 

Diese Studie trägt – zugegebenermaßen provokant – den Titel „Deutschlands Top500: Digitale Geschäftsmodelle ohne Geschäft?“. Sie ist gedacht als kritische Auseinandersetzung mit der Chancenwahrnehmung zu Beginn einer neuen Technologie-Ära. Mit vier Thesen beschreibt Accenture die erzielten Fortschritte sowie Möglichkeiten zur Beseitigung der Wachstumsschwäche. 

 
 

4 Thesen zur Entwicklung neuer Wachstumsperspektiven

Accenture beschreibt in vier Thesen die Gründe für die aktuelle Wachstumsschwäche der Top500 sowie Wege zu neuen Umsatzpotenzialen.

  

These 1 Flaues Wachstum auf hohem Niveau

Die Automobilindustrie verlor 2016 mehr als 60 Milliarden Euro Umsatzwachstum. Auch der Gesundheitswirtschaft sowie dem Maschinen- und Anlagenbau fehlte ein deutlicher Anteil des Vorjahreswachstums. Damit ist insbesondere die deutsche Leitindustrie Automobilbau nicht mehr in der Lage, schwächere Entwicklungen in anderen Branchen so zu kompensieren, dass die Top500 insgesamt  höhere Wachstumsraten verzeichnen können.

In den kommenden Jahren werden die Voraussetzungen für die Top500-Unternehmen – insbesondere im Hinblick auf die globalen Wettbewerbsverhältnisse – nicht einfacher werden. Insbesondere in China wachsen Konkurrenten heran, die das Potenzial haben, Unternehmen aus den deutschen Leitindustrien anzugreifen.

 

Mehrheitlich verzeichneten die Top500-Industrien einen Rückgang beim absoluten Umsatzzuwachs
Absoluter Umsatzzuwachs zum Vorjahr nach ausgewählten Industrien (in Mrd. Euro)


These 1 – Flaues Wachstum auf hohem Niveau

These 2 Zu wenig Umsatz durch Digitalisierung

Bislang ist es den Top500 nicht gelungen, die digitale Transformation für erhebliche Umsatzzuwächse zu nutzen. Zu umsatzstarken digitalen Services ist in ihren Geschäftsberichten kaum etwas zu finden. Ihre Plattformen verstehen die deutschen Konzerne vorwiegend als einen zusätzlichen Absatzkanal für die eigenen Produkte. Mehr Phantasien und damit einen deutlich höheren Beitrag zur Marktkapitalisierung schaffen aber offene Plattformen, die die Anbindung zahlreicher und vielfältiger Nutzergruppen ermöglichen. 

Schon die Erfolge der Internetunternehmen aus den USA wie Google, Apple, Facebook oder Amazon (GAFA) hinsichtlich der Marktkapitalisierung zeigen, welche Effekte sich aus dem Aufbau offener Plattformen ergeben können. Im Vergleich zu dem klassischen Industrieunternehmen bewertet die Börse die Zukunft der Plattformunternehmen deutlich höher.

Plattformunternehmen erzielen eine höhere Bewertung sowie eine höhere operative Marge


These 2 – Zu wenig Umsatz durch Digitalisierung

These 3 EU-Regulierung schwächt Grundlagen für Innovation

Die Gesetzgebung in der Europäischen Union stellt sich nicht ausreichend auf den Wandel der geopolitischen Rahmenbedingungen ein und behindert Unternehmen in der Wahrnehmung ihrer digitalen Wachstumschancen. Ein Beispiel ist die Datenschutz-Grundverordnung. Sie wird  es europäischen Unternehmen erschweren, dominante Plattformen am Markt zu etablieren. 

Unternehmen, die persönliche Daten ihrer Nutzer verarbeiten wollen, müssen sich eine ausdrückliche Zustimmung einholen. Unterbleibt dies, drohen drakonische Strafen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Schon heute zeichnet sich eine erhebliche Rechtsunsicherheit ab. Laut einer Umfrage des Digital-Verbandes Bitkom glauben 57 Prozent der Unternehmen, dass die DS-GVO kurzfristig zu mehr Rechtsunsicherheit führen wird. Zudem meinen 42 Prozent, dass die Verordnung viele Geschäftsprozesse komplizierter machen wird.

EU DS-GVO geht mit erheblicher Unsicherheit für deutsche Unternehmen einher
Zuversicht und Skepsis halten sich bei der DS-GVO die Waage


These 3 – EU-Regulierung schwächt Grundlagen für Innovation

These 4 Bundesregierung kann Impulsgeber werden

Die Bundesregierung und die öffentliche Verwaltung können eine Vorreiterrolle einnehmen und als technologieoffener Impulsgeber die Wachstumsstärke der deutschen Top500 deutlich heben. Bislang können in dieser Hinsicht allerdings nur wenige Erfolge vorgewiesen werden. Beim Angebot von digitaler Verwaltung liegt die Bundesrepublik unter den 28 EU-Mitgliedstaaten auf Rang 20. In einem Vergleich von zehn Industriestaaten, dem „Government as a Platform (GaaP) Readiness Index“ belegt Deutschland nur Platz neun. 

Wie eine staatliche Plattform-Initiative aussehen kann, macht die Regierung in Singapur vor. Um die Wettbewerbsfähigkeit unter den führenden Handelsplätzen zu verbessern, hat der Stadtstaat die “National Trade Platform” (NTP) ins Leben gerufen. Die NTP hat das Ziel die Prozesse im Außenhandel durch digitale Unterstützung effizienter zu gestalten. Auch in Deutschland wünschen sich Unternehmen mehr Initiative von der Bundesregierung. Laut einer Bitkom-Umfrage aus dem November 2017 fordern 85 Prozent der Unternehmen, dass die Digitalisierung zu einem Top-Thema der Politik werden muss. 

 

Die Politik muss bei der Digitalisierung deutlich stärker als bislang handeln
Inwieweit stimmen deutsche Unternehmen den folgenden Aussagen zu (in Prozent)


These 4  – Bundesregierung kann Impulsgeber werden

6 Handlungsfelder für neues Wachstum

Aus den vorgenannten vier Thesen lassen sich sechs Handlungsfelder ableiten, in denen Wirtschaft und Politik die Voraussetzungen für neues Wachstum schaffen können. Diese sind:

Digitale Kundenerlebnisse schaffen


Zu den Kernaufgaben der digitalen Transformation gehört es, moderne Technologien so zu nutzen, dass neue Formen der Kundenbindung entstehen. Die neuen Kundenerlebnisse kommen als Resultat aus Produkt plus digitalen Services zustande. Mit ihnen lassen sich neue Umsätze und höhere Margen generieren. Das erfordert ein neues Denken in der Entwicklung neuer Produkte und Services.

Offene Plattformen und Ökosysteme bauen


Mit Plattformen lassen sich vor allem dann neue Potenziale für Wachstum und Unternehmenswert entfalten, wenn sie als Ökosystem möglichst vielen Nutzergruppen offenstehen und auch Produkte und Leistungen von anderen Unternehmen einbezogen werden. Wer Plattformen in erster Linie als Instrument zur Absatzsteigerung für die eigenen bestehenden Produkte konzipiert, schöpft die Möglichkeiten nicht aus.

Digitale Umsätze transparent machen


Sichtbare Ergebnisse aus digitalen Geschäften beschleunigen die Erfolge der Digitalisierung. Transparenz wird so zum Gradmesser für den digitalen Fortschritt im Unternehmen und damit zum Erfolgsfaktor. Aus den Zahlen lässt sich eine unmissverständliche Botschaft gegenüber Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden ableiten. Die Digitalisierung hat eine hohe Priorität für die weitere Unternehmensentwicklung.

Agilere Unternehmenskultur etablieren


Die Digitalisierung erfordert eine neue Unternehmenskultur, in der deutlich kürzere Zyklen für die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen oder die Realisierung von Projekten etabliert werden. Das gelingt, wenn die Fähigkeiten im agilen Arbeiten stetig verbessert werden. Gleichzeitig empfiehlt sich der Aufbau flexiblerer Organisationsstrukturen.

Politik und Verwaltung in der Vorreiterrolle


Bisher ist der Staat nicht mit innovativen Lösungen für bürgerfreundliche und effiziente öffentliche Dienstleistungen aufgefallen. Durch den Aufbau einer digitalen Verwaltung kann er eine Vorreiterrolle auf dem Weg in die Digitalisierung einnehmen. Dazu können viele Prozesse automatisiert werden, sodass sich der zeitliche Aufwand von Behördenvorgängen deutlich verringert. Möglich sind auch Plattformen für öffentliche Services.

Innovationsfreundliche Gesetzgebung


Bei Reformen der Bundesregierung und der EU-Kommission muss grundsätzlich hinterfragt werden, ob die Innovationsfähigkeit der heimischen Unternehmen gefördert oder behindert wird.

Die gesamte Studie

Die Studie „Deutschlands Top500 – Digitale Geschäftsmodelle ohne Geschäft?“ untersucht, inwieweit die Digitale Transformation bereits neue Wachstumsfelder in den deutschen Top500-Konzernen hervorgebracht hat. Zudem werden Handlungsempfehlungen ausgesprochen, mit denen Wirtschaft und Politik die Entwicklung beschleunigen kann. 

 

 
 
 

„Die Digitalisierung ist überall angekommen – nur nicht in den Bilanzen der deutschen Konzerne“

Frank Riemensperger zum Thema auf LinkedIn

Kontakt

Frank Riemensperger | Accenture

Frank Riemensperger

Vorsitzender der Geschäftsführung
Accenture

Peter Pfannes | Accenture

Peter Pfannes

Geschäftsführer im Bereich Strategie 
Accenture

Stefan Bongardt | Accenture

Stefan Bongardt

Research Specialist
Accenture

Archiv