STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Umdenken statt ‚weiter so‘: Mit heutigen Geschäftsmodellen und Strategien werden Versorger den Anforderungen der neuen Energiewelt nicht gerecht.
  • Große Herausforderungen sind große Chancen: Mit den richtigen Ansätzen profitieren Versorger von neuem Wachstum und besseren Geschäftsergebnissen.
  • Angriff ist die beste Verteidigung: Der disruptive Wandel der Branche und die massiven Marktveränderungen sind auch eine Chance für Energieversorger.
  • Aus alt mach neu: Heutige Betriebsabläufe und Geschäftsmodelle müssen in Frage gestellt und der Blick konsequent auf die Zukunft gerichtet werden.


Energieversorger erleben derzeit den grundlegenden Wandel ihrer Branche; das Ausmaß der Disruption übertrifft alles bisher Dagewesene. Die Auswirkungen bekommen viele von ihnen besonders deutlich zu spüren, denn ihr Geschäftsmodell hat sich über einen langen Zeitraum hinweg kaum verändert und Innovation spielte oft nur eine nebengeordnete Rolle.

Dieser Umbruch wird durch intelligente Digital- und neue Energietechnologien, diverse gleichzeitig entstehende Markttrends sowie veränderte Kundenbedürfnisse befeuert. Weitere Faktoren – wie der Übergang von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien, die unsichere Marktentwicklung bei Öl und Gas und eine Reihe ambitionierter Newcomer im Energiemarkt – sorgen für zusätzliche Volatilität und erhöhen die Anfälligkeit der Unternehmen.

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Eines ist klar: Angestammte Geschäftsmodelle und die gegenwärtige Investitionsplanung werden dem neuen Energie-Ökosystem nicht mehr gerecht. Hinzu kommt, dass Regulierungsbehörden vielerorts auf eine Liberalisierung des Marktes drängen. Das bahnt Neueinsteigern den Weg, gibt Kunden mehr Wahlmöglichkeiten und trägt zur Integration erneuerbarer und dezentraler Erzeugungsquellen ins Energiesystem bei. Dieser Wandel wird sich in den nächsten Jahren nur noch beschleunigen, denn Politik und Regulierungsbehörden werden den Druck auf Energieversorger mit immer neuen Vorgaben weiter erhöhen. Hinzu kommen die Auswirkungen disruptiver Technologien und Markttrends.

Die nächsten 10 bis 15 Jahre werden vom anhaltenden Wandel der Branche geprägt sein - für Energieversorger wird ständige Veränderung somit zum Normalzustand. Die Herausforderung dabei lautet: Wie gelingt der Umstieg von einem Erzeugungsmodell, dass auf zentralisierte Großanlagen und fossile Brennstoffe ausgerichtet ist, hin zu einem neuen Energiesystem? Der Königsweg für die Versorger liegt in einem hybriden Ansatz, der je nach Region sehr unterschiedlich ausfallen wird und von der Marktreife, der Verfügbarkeit neuer Technologien und den Kundengewohnheiten abhängt. Somit wird auch die Geschwindigkeit des Wandels hin zu einem neuen Energiesystem in den einzelnen Märkten weltweit sehr unterschiedlich ausfallen.

Wenn sie die Disruption zu ihrem Vorteil nutzen, bieten sich Energieversorgern exzellente Chancen, um die eigene Transformation voranzutreiben und innovative Strategien für das Kerngeschäft von morgen zu entwickeln. Gleichzeitig sind neue Ideen gefragt, wie sich Performance und Wachstum steigern lassen.

Der intelligente Energieversorger von morgen muss sich in einem immer stärker dekarbonisierten, dezentralisierten, kundenorientierten und digitalisierten Energiesystem behaupten.

Das bestehende Geschäfts- und Betriebsmodell ist für die Energieversorger aber keinesfalls nur eine Bürde: Vielmehr liegt darin erhebliches Wertpotenzial, dessen Freisetzung den Spielraum für Investitionen erhöhen und die nötigen Geldmittel für die Reinvestition in anderen Bereichen erwirtschaften würde. Mit der Digitalisierung entsteht zugleich neue Wertschöpfung bei kundenorientierten Angeboten, emissionsarmer Energieerzeugung, der Modernisierung der Infrastruktur sowie der Verbesserung und dem Ausbau des Netzes.

Erfolgreiche Versorger richten ihr Geschäft bereits auf die neue dekarbonisierte, dezentralisierte und digitale Energiewelt aus. Sie entwickeln Strategien für die Zukunft und investieren in den Aufbau neuer Fähigkeiten, um die neuen Chancen schnell zu nutzen und die Skalierung neuer Lösungen und Angebote voranzutreiben.

Um die Transformation hin zum intelligenten Versorger der Zukunft erfolgreich zu meistern, sind aus Sicht von Accenture die folgenden drei eng miteinander verbundenen Schritte entscheidend:

  1. Transformation des Kerngeschäfts, um die Effizienz im heutigen Bestandsgeschäft mittels neuer, digitaler Technologien zu steigern.
  2. Ausbau des Kerngeschäfts, indem zum Beispiel in Ländern mit wachsender Nachfrage, besserer Vermögensrendite oder weniger regulatorischer Unsicherheit neue Wachstumsmöglichkeiten erschlossen werden.
  3. Skalierung neuer Angebote und Geschäftsbereiche, um zukünftiges Wachstum zu sichern. Die Grundlage dafür bilden modernste Technologien und neue Angebote für Verbraucher in einer zunehmend dezentralisierten Energiewelt.

20-50%

weniger Kosten durch stärkere Nutzung digitaler Technologien im Endkundengeschäft.

15-20%

weniger Kosten sind allein durch Vernetzung der Arbeiter möglich.

Unterschiedliche strukturelle und wirtschaftliche Gegebenheiten in den einzelnen Märkten sowie die allgemeine Disruption der Branche betreffen die Energieversorger auf ganz unterschiedliche Arten. Doch alle stehen vor derselben Herausforderung: Wie lässt sich die Transformation ihres Unternehmens am besten meistern? Dabei gibt es keinen Königsweg mit der idealen Lösung. Vielmehr hängt das Gelingen davon ab, ob die Versorger die folgenden strategischen Schritte berücksichtigen:

  1. Ein neues Geschäftsmodell realisieren
  2. Eine Innovationsarchitektur entwickeln
  3. Konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden
  4. In digitale Technologien und Prozesse investieren – und zwar auf allen Ebenen des Unternehmens
  5. Kostenoptimierung vorantreiben
  6. Den Aufbau einer Belegschaft fördern, die schnell auf Veränderungen reagieren kann
  7. Neue Markt- und Regulierungsmodelle aktiv unterstützen

Tobias Gehlhaar

Geschäftsführer für den Bereich Energiewirtschaft in Deutschland – Österreich und der Schweiz

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