RESEARCH REPORT

In Kürze

In Kürze

  • Elektromobilität (E-Mobilität) birgt ein enormes Wachstumspotenzial: Experten schätzen den Markt allein in Deutschland bis 2040 auf 190 Milliarden Euro.
  • Energieversorger sind hervorragend positioniert, um aus Stromabsatz, Ladestationen, Services und einem flexiblen Versorgungsnetz Mehrwert zu schöpfen.
  • Wer gezielt investiert und seine Kundenbeziehungen nutzt, sichert sich einen Vorsprung. Kooperationen ermöglichen zudem gewinnbringende Service-Pakete.


Die Betriebskosten für Elektrofahrzeuge (E-Autos) sinken kontinuierlich. Deshalb wird für die wichtigsten Absatzmärkte der Welt ein überdurchschnittliches Wachstum prognostiziert. 54 Prozent der Befragten, die sich vorstellen könnten, auf E-Mobilität umzusteigen, gaben „langfristige Einsparpotenziale“ als einen der Hauptgründe an.

Accenture Strategy schätzt den E-Mobilitäts-Markt in Deutschland bis 2040 auf mehr als 190 Milliarden Euro.

Wegbereiter für den Umstieg

Der Absatz von E-Autos nimmt zwar zu. Doch müssen deutsche Verbraucher noch eine Reihe von Herausforderungen überwinden. So müssen Fahrer von E-Autos, die die Fahrzeuge zu Hause laden möchten, sicherstellen, dass ihre Stromversorgung dafür eingerichtet ist und die nötigen Wartungsintervalle eingehalten werden. Wer sein Auto an öffentlichen Ladestationen aufladen möchte, muss diese zunächst ausfindig machen und sich über die richtigen Tarif- und Zahlungsoptionen informieren. Zudem muss die richtige Laderoutine für das jeweilige Fahrverhalten ermittelt werden.

Aufgrund dieser Herausforderungen glauben 36 Prozent der deutschen Fahrzeughalter, niemals ein E-Auto zu kaufen. Wenn es den beteiligten Unternehmen allerdings gelingt, das Führen eines E-Autos genauso unkompliziert zu machen wie das eines konventionellen Fahrzeugs, wird dieser Anteil vermutlich sinken. Energieversorger können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dies zu beschleunigen.



Energieversorger auf der Überholspur

Energieversorger in Deutschland sind bestens positioniert, um eine zentrale Rolle beim Ausbau der E-Mobilität zu übernehmen und sich ihren Anteil am Elektromobilitätsmarkt zu sichern, der 190 Milliarden Euro wert ist. Sie haben ein detailliertes Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kunden und kennen die Spielregeln und Richtlinien des Energiesektors. Zudem haben sie enge Kundenbindungen aufgebaut und werden von diesen als zuverlässige Lieferanten wahrgenommen.

Die E-Mobilität bietet Energieversorgern vier Geschäftsbereiche, in denen sie Profite für sich generieren können.

  1. Stromversorgung: Der Verkauf von Kilowattstunden im deutschen Elektrofahrzeugmarkt birgt bis 2040 ein Potenzial von 150 Milliarden Euro. Aufgrund der geringen Gewinnmarge, sollten Energieversorger den Verkauf von Strom jedoch nur als eine Komponente innerhalb eines umfassenden Servicepakets betrachten.
  2. Aufbau und Betrieb von Ladestationen: In Deutschland wird der Wert von privaten und öffentlichen Ladestationen auf 90 Milliarden Euro geschätzt. Energieversorger sind bestens dafür gerüstet, die Anforderungen an private Ladesysteme zu erfüllen. Doch wie beim Stromabsatz, kann auch hier die Gewinnspanne begrenzt sein. Öffentliches Laden erfordert erhebliche Investitionen. In einem so intensiv umworbenen Markt, den auch Öl- und Gasversorger für sich entdeckt haben, werden Daten und deren richtige Auswertung das erfolgsentscheidende Kriterium sein.
  3. Elektromobilitätsservices: Deutsche Energieversorger können an einem 30 Milliarden Euro Markt partizipieren, wenn es ihnen gelingt, Kundenservices über die gesamte Customer Journey hinweg anzubieten. Dies reicht von einfachen Installationen für die Ladestationen und deren Wartung bis zur Schaffung von Plattformen, die nahtlose und erstklassige Kundenerlebnisse unterstützen.
  4. Netzflexibilität: Energieversorger können die Ladezeiten von E-Autos nutzen, um Angebot und Nachfrage zu regulieren und die Netzperformance zu optimieren, ähnlich wie sie das bei der Einspeisung von Wind- oder Solarenergie tun. Außerdem würde ein flexibleres Netz für E-Mobilität den Versorgern helfen, Engpässe in der Stromversorgung zu bewältigen, die Ausgaben für die Stabilisierung des Stromnetzes zu senken sowie die Kosten für den Groß- und Einzelhandel zu optimieren. Der Wert von Netzflexibilität wird für Deutschland auf 10 Milliarden Euro geschätzt.

Führende Energieversorger werden zusätzlichen Wert generieren können, indem sie Service-Pakete anbieten. Dazu gehören Stromversorgung für die E-Autos, eine integrierte Service-Plattform für mehr Nutzerfreundlichkeit sowie Netzflexibilität, um Kosten und Netzoptimierung zu steuern.

Versorgung + Services + Flexibilität = 190 Milliarden Euro an integrierter Wertschöpfungskette.

Wertschöpfung vorantreiben

Versorgungsunternehmen können dann im Elektromobilitätsmarkt wachsen, wenn sie es schaffen, die Akzeptanz von Elektromobilität mit folgenden Maßnahmen zu erhöhen:

  • Kundenbedürfnisse verstehen. Im Dialog mit ihren Kunden entwickeln Energieversorger gutes Verständnis dafür, was Kunden motiviert oder daran hindert, auf E-Mobilität umzusteigen. So können sie die Kundenwünsche mit Blick auf E-Mobilität analysieren und ihre Services entsprechend ausrichten und verbessern.
  • Mehrwert schaffen. Führende Energieversorger werden einem Plattform-Ansatz nutzen und auf Partner setzen, die ihren Kunden Mehrwert bieten können. Dazu zählen Automobilhersteller und -händler, Flottenbetreiber, Betreiber von Ladestationen, Parkflächenbetreiber und viele mehr. Energieversorger werden Anreize für ihre Ökosystem-Partner schaffen und dafür sorgen, dass die Besitzer von E-Autos vom Mehrwert der Plattform profitieren und so die Wertschöpfung für alle beteiligten Ökosystem-Partner steigt.
  • Die Konkurrenz abhängen. Zukunftsorientierte Versorgungsunternehmen werden sich auf ihr enormes Volumen an Kundendaten berufen und strategisch in ein Service-Portfolio investieren, um das Besitzen und Fahren von Elektroautos zu vereinfachen und so Hindernisse für ihre Akzeptanz zu beseitigen. Dabei werden Elektrofahrzeuge nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines breiteren Spektrums neu entstehender Wachstumsmöglichkeiten wie dezentrale Energieversorgung und Connected Home verstanden – mit einem Fokus auf der weiteren Integration von Services. Das Rennen um Elektromobilität wird letztlich durch eine Kombination aus Geschwindigkeit und Wertschöpfung gewonnen.

Mit diesen Maßnahmen sichern sich Energieversorger ihre Bedeutung und nachhaltige Gewinne, die sich durch die Möglichkeiten der Elektromobilität bieten.

Über die Autoren

Bruno Berthon

Senior Managing Director Accenture Strategy, Versorgungsunternehmen & Europa


Greg Bolino

Managing Director Accenture Strategy, Versorgungsunternehmen


Sander van Ginkel

Managing Director Accenture Strategy, Versorgungsunternehmen


Justin Keeble

Managing Director Accenture Strategy, Versorgungsunternehmen & Nachhaltigkeit

Contributors

James Mazurek

Managing Director – Accenture Strategy, Utilities


Ana Paula Mundim

Director – Accenture Strategy


Eloise O’Mara

Senior Manager – Accenture Strategy


Michelle Ganchinho

Manager – Accenture Research


Lasse Kari

Senior Manager – Accenture Research


Nataliya Sysenko

Manager – Accenture Research

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