STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Die ganzheitliche Integration der Planung birgt maßgebliche Verbesserungspotenziale für Marge, Bestände, Abschriften und Umsatz.
  • Planungs- und Produktentscheidungen werden stärker finanz- und konsumentenorientiert getroffen.
  • Bestehende Planungssysteme sind so zu verbinden, dass zu jedem Meilenstein die relevanten Daten den jeweils relevanten Funktionen verfügbar sind.
  • Zentraler Erfolgsfaktor der Umsetzung ist ein über die Grenzen des Unternehmens hinausgehender, auf enge Kooperation beruhender Planungsprozesses.


Mit steigender Marktkomplexität, intensivem Wettbewerb und abnehmender Vorhersehbarkeit von Entwicklungen auf Nachfrage- und Beschaffungsseite, kämpfen mehr und mehr Modeunternehmen mit hohen Beständen und schwachen Abverkaufsraten, die hohe Abschriften und schwache Roherträge verursachen. Auch mangelnde Forecast-Genauigkeit auf Style-Color-Ebene spiegelt die Probleme wider. Viele Marken leiden unter hohen Forecast-Abweichungen von 40% bis 50% (absolut) oder sogar mehr. Eine Rückkehr zu Zielgrößen aus vergangenen Tagen scheint für die meisten unerreichbar.

Parallel haben sich Macht und Einfluss der Konsumenten durch deren größere Mobilität und hohe Informationstransparenz erhöht. Um im umkämpften Bekleidungsmarkt weiter Erfolg zu haben, muss eine Marke immer schneller auf sich ändernde Präferenzen der Konsumenten reagieren können. Nur nahtlos miteinander integrierte Funktionen schaffen die Voraussetzung in der Supply Chain, um kurzfristig auf neue Marktentwicklungen reagieren zu können und gleichzeitig die Kontrolle über operative Effizienz, Bestände und Roherträge sicherzustellen. Damit wird ein vollständig integrierter Planungsansatz, der die funktionale Planung von Finanzen, Produkt, Wholesale und Retail mit der operativen Planung von Beschaffung, Produktion und Supply Chain verbindet, zum zentralen Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Durch neue Vertriebskanäle, Märkte, ein zumeist breiteres Produktportfolio und damit gestiegene Anzahl externer Geschäftspartner, hat über die letzten 10 Jahre die Komplexität in der Branche maßgeblich zugenommen.

Planungsintegration für bessere Entscheidungen und höhere Effizienz

Traditionelle „Top-Down“-Planungsansätze sind typischerweise nicht mit den Finanzzielen, Absatzplänen der Vertriebskanäle, Produkt- und Sortimentsplanungen oder operativen Beschaffungs- und Supply Chain-Plänen verknüpft. Die Planung hingegen im Vorfeld funktionsübergreifend abzustimmen funktioniert zunächst gut, solange Prozesse stabil und Verantwortlichkeiten klar geregelt sind - auch in einem komplexen Umfeld. Dies stößt allerdings bei sich ändernder Nachfrage oder neuen operativen Rahmenbedingungen schnell an Grenzen. Viele Unternehmen nehmen dann ad-hoc Anpassungen der Pläne vor. In einem wenig komplexen Umfeld mag dies kurzfristig Abhilfe schaffen - in den meisten Fällen verursachen zahlreiche Planänderungen jedoch Instabilität und hohen Abstimmungsaufwand.

Ein ganzheitlich integrierter Planungsansatz umfasst die Verknüpfung der Planungsprozesse mit klar definierten Meilensteinen, „Top-Down-Bottom-Up“-Abstimmungslogiken, gemeinschaftliche Forecasts und Planungsaktivitäten sowie eine angemessenen Systemunterstützung. Erst diese ermöglicht eine volle Integration und schafft Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Integrierte Planung umfasst dabei nicht nur Funktionen und Prozesse innerhalb des Unternehmens, sie bezieht auch relevante externe Partner wie Material- und Bekleidungslieferanten, Logistikdienstleister und große Wholesale-Kunden ein. So können durch ein gezieltes Material- und Kapazitätsmanagement höhere Eingangsroherträge erreicht, die Produktverfügbarkeit verbessert und Umsatzausfälle vermindert werden. Die Transparenz und der Austausch ermöglichen zudem eine schnellere Reaktion auf Marktentwicklungen. Integrierte Planung verschafft damit Marken und Händlern durch stärker finanz- und konsumentenorientierte Entscheidungen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Worauf kommt es an?

Ziel der Integrierten Planung ist es, die Unternehmensstrategie und finanzielle Budgets in ein erfolgreiches Sortiment zu überführen. Die richtigen Produkte sollen in den richtigen Größen und Mengen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar sein – was positiv auf Umsätze, Margen, Bestände wie auch Kosten wirkt. Eine effektive Verknüpfung der verschiedenen Planungsebenen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist der Schlüssel für die Nachhaltigkeit von Wachstum und Profitabilität. Die Integrierte Planung umfasst alle relevanten internen und externen Funktionen und ihre verschiedenen Planungsaktivitäten mit im Zeitverlauf zunehmender Granularität.

Ein Projektbeispiel zeigt, wie die Einführung einer Integrierten Planung half, den Rohertrag um 4% zu steigern, die Bestände um 20% und Materialkosten um 5% zu senken, die Forecast-Genauigkeit um 30% zu verbessern und die Sortimentsbreite um 25% zu vermindern.

Projektbeispiel – Erfolg durch Einführung einer Integrierten Planung

Marken und Händler, die die Integration der Planung erfolgreich umgesetzt haben, erzielten signifikante Verbesserungen der operativen Effizienz und des Bestandsmanagements sowie eine höhere Geschwindigkeit der Produktentwicklung, was sich in positiver Umsatzentwicklung und Profitabilität niederschlägt.

"Sich von den bisherigen Planungssilos loszulösen, war der Schlüssel für signifikante Leistungsverbesserungen über unsere gesamte Wertschöpfungskette hinweg"

– COO einer führenden europäischen Marke.

Technologie: „Integriert“ heißt nicht „ein System“

Integriert heißt nicht notwendigerweise „ein Planungssystem“, sondern bedeutet, dass alle relevanten Planungsschritte abteilungsübergreifend aufeinander abgestimmt sind – funktional wie auch systemisch. Um die Konsistenz von Daten und Planungsschritten sicherzustellen, ist eine Systemunterstützung erforderlich, die über pragmatische Excel-Tools hinausgeht. Planungsaufgaben sind typischerweise in unterschiedlichen Systemen abgebildet – deren effektive Integration der Schlüssel zum Erfolg ist. Typischerweise wird die Integrierte Planung von vier zentralen Systemen unterstützt: dem ERP-System (Enterprise Resource Planning), dem Absatz- und Beschaffungsplanungssystem (Demand & Supply Planning), dem Retail-Planungssystem und dem PLM-System (Product Lifecycle Management). Jedes dieser Systeme ist eng mit den anderen Systemen vernetzt, um zu jedem Meilenstein entlang des Wertschöpfungskalenders den relevanten Datenaustausch sicherzustellen.

Eine Integrierte Planung steigert die operative Effizienz, Produktverfügbarkeit, senkt Abschriften, Bestände und wirkt sich positiv auf den Umsatz aus.

Eine Integrierte Planung steigert Umsatz, Marge und EBIT

Die Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung

Eine erfolgreiche Integrierte Planung bedeutet einen Paradigmenwechsel über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Es muss eine hochgradig auf Kooperation beruhende Unternehmenskultur etabliert werden. Aus langjähriger Kurt Salmon-Projekterfahrung haben sich zehn zentrale Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Umsetzung herauskristallisiert:

  1. Gute Balance der Teilpläne, Planungsebenen, Kennzahlen und Attribute
  2. Kombination aus „Top-down“- und „Bottom-up“-Planung
  3. Abstimmung finanzieller Ziele mit den strategischen Zielen der Funktionen (Produkte, Länder, Kanäle, Beschaffungsmärkte)
  4. Enge Verknüpfung operativer Pläne mit der Merchandise-Planung auf Produktseite
  5. Abstimmung Planungsmeilensteine mit dem Produktentwicklungs- und Einkaufskalender
  6. Sicherstellen von Konsistenz – es gibt nur einen allgemeingültigen Plan
  7. Klare Verantwortlichkeiten für die konsequente Einhaltung der Pläne
  8. Nutzung der Planung als Kommunikationsmittel für Partner auf Absatz- und Beschaffungsseite
  9. Integriert heißt nicht „ein System“ – es geht um eng abgestimmte Pläne über Systeme hinweg
  10. Fortgeschrittene Systemunterstützung zur Sicherstellung von Datenintegrität und Konsistenz

Dr. Peter Rinnebach

Managing Director – Kurt Salmon, part of Accenture Strategy

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