FJORD
TRENDS
2020

Neustarten. Neu erfinden.
Die neuen Trends für Business,
Technologie und Design

AccentureInteractive
Arrow down

In Kürze

  • Der Kapitalismus entwickelt sich weiter. Bürger sind sich zunehmend bewusst darüber, wie ihr Kaufverhalten andere beeinflusst und sich auf die Ressourcen unserer Welt auswirkt. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung noch beschleunigt.
  • Der Drang nach einem immer höheren Gewinn wird in den Hintergrund geraten. Konsumenten wollen Produkte und Services, die für sie persönlich bedeutsam sind sowie der Gesellschaft und der Umwelt nutzen.
  • Kunden mussten im Laufe der Pandemie viel Zeit zu Hause verbringen. Sie waren daher auf digitale Lösungen angewiesen. Künftig könnten sie dadurch generell offener gegenüber innovativen Technologien werden.
  • Der Schwerpunkt des Produktdesigns wandelt sich von einer „Ich“- zur „Wir“-Kultur. Es geht nicht mehr nur um den Endanwender, sondern um alle Beteiligten. Das Stichwort lautet: life-centered design.
  • Marken mit langfristiger, vorausschauender Sichtweise, denen unser Planet und der Mensch mit seinen Beweggründen wichtig sind, werden die Gewinner sein.

Business unusual.

Wirtschaft und Politik. Kapitalismus und Rohstoffe. Technologie und Gesellschaft: Sie alle sind von jeher eng miteinander verbunden. Aber erst jetzt sind die Konsequenzen ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Der weltweite Ausbruch von COVID-19 hat nicht nur Supermärkte vor Probleme gestellt: Ganze Lieferketten sind ins Schwanken geraten. Regierungen ringen um Lösungen für die öffentliche Gesundheit. Amtsträger, Bürger und Unternehmen wenden sich nun neuen, vielversprechenden Technologien zu. Schließlich müssen sie sich auf eine Welt einstellen, in der Lockdowns und Infektionsschutzmaßnahmen an der Tagesordnung sind.

Diese unerwarteten Ereignisse haben viele Technology Vision Trends 2020 noch beschleunigt. Sie zwingen Unternehmen dazu, ihre Strategie zu ändern und ihre Ansätze – womöglich sogar ihren Sinn und Zweck – zu überdenken.

Der übergeordnete Trend 2020 ist ein Wandel unserer grundlegenden Werte. Dieser Wandel ist nun unabdingbar geworden. Wir verhalten uns anders, haben andere Werte und Prioritäten. Das alles beeinflusst sämtliche Bereiche der Wirtschaft und der Produktentwicklung. Es ist eine einmalige Chance, innovative Geschäftsmodelle, Services und Produkte zu entwickeln, die nach ganz anderen Wertvorstellungen aufgebaut sind.

Wer langfristig denkt – beginnend beim eigenen Einfluss auf die Welt und die Gesellschaft –, dürfte am Ende als Gewinner dastehen.

Wenn Sie sich mit den vorliegenden Trends beschäftigen, fragen Sie sich doch einmal: Was bedeuten sie für die Wirtschaft? Für Technologien und Produktentwicklung? Für die Welt – im Angesicht der Pandemie und darüber hinaus? Unsere Neugier, unsere Bedenken und letztlich unsere Taten bestimmen, wie wir in den folgenden Jahrzehnten mit Kunden umgehen.

Aus unserer Sicht sind dies die wichtigsten Trends für Unternehmen, Kunden, Mitarbeiter und andere Stakeholder in den nächsten zwölf Monaten und darüber hinaus.

Jährlich ermittelt Fjord – das Design- und Innovationslabor von Accenture Interactive – die Trends der nächsten Monate. Dabei greifen wir auf ein globales Netzwerk mit 1.200 Experten in 33 Studios zurück. Vor wenigen Monaten haben wir unsere neuen Studios in Lateinamerika und Japan eröffnet und legen so nun die bislang vielfältigste Studie vor.

ÜBERGEORDNETER TREND:

Ein Wandel grundlegender Werte

Der Klimawandel sowie ständige politische und soziale Disruptionen haben unsere Welt schon lange vor der Pandemie geprägt.

Der Mensch verlangt nach Produkten und Services, die ihm nicht nur etwas bedeuten, sondern die zudem gesellschaftlich und in puncto Umwelt vertretbar sind. Die Krise hat diese Nachfrage verschärft. Unternehmen stehen in turbulenten Zeiten unter noch höherem Druck, angemessen und – wenn möglich – proaktiv zu agieren.

Was all das für Unternehmen und für den Menschen bedeutet? Kurz gesagt: eine vollständige Neuausrichtung unserer grundlegenden Werte.

Das ist nichts Negatives. Trotz aller Umbrüche bietet COVID-19 auch die einmalige Gelegenheit, innovative Geschäftsmodelle, Services und Produkte zu entwickeln, die nach ganz anderen Wertvorstellungen aufgebaut sind.

Der Wandel führt potenziell auch dazu, dass bahnbrechende Innovation nicht mehr nur von Start-ups ausgeht.

Unternehmen, die diesen übergeordneten Trend erkennen und umsetzen, bieten sich viele Möglichkeiten. Schließlich werden jene Unternehmen erfolgreich sein, die mit einem Bewusstsein für die Umwelt, die Gesellschaft und die gesamte Welt handeln.

TREND 1

Many faces of growth

Finanzielles Wachstum war über Jahrzehnte hinweg das primäre Ziel von Unternehmen – je schneller, desto besser. Heute werden Unternehmen dazu gedrängt, ihren Erfolg auf vielfältigere Weise zu messen. Es geht darum, den alte Glaubenssatz, der Gewinn stehe über allem, hinter sich zu lassen.

Finanzielles Wachstum war über Jahrzehnte hinweg das primäre Ziel von Unternehmen – je schneller, desto besser. Heute werden Unternehmen dazu gedrängt, ihren Erfolg auf vielfältigere Weise zu messen. Es geht darum, den alte Glaubenssatz, der Gewinn stehe über allem, hinter sich zu lassen.

Unternehmen müssen neue Prioritäten setzen und breitere Geschäftsziele verfolgen. Aktuell geht es vor allem um eins: den richtigen Umgang mit COVID-19.

Vielen Unternehmen ist es gelungen, sich schnell anzupassen. Sie haben beispielsweise auf die Produktion von Gesichtsmasken und Handdesinfektionsmitteln umgestellt. Und damit Lücken in der medizinischen Versorgung geschlossen.

Derweil setzen Investoren, Kunden und Mitarbeiter Unternehmen die Pistole auf die Brust – und diese müssen reagieren: auf sich ändernde Werte unserer Gesellschaft, auf den Klimawandel und zur Neige gehende Rohstoffe, auf wirtschaftliche und politische Unsicherheit.

Viele dieser Herausforderungen haben sich im Zuge der Pandemie verändert. Die Umweltverschmutzung beispielsweise rückt wegen der verminderten ökonomischen Aktivität in den Hintergrund. Dafür kommt gegenseitiger Fürsorge und Gemeinschaft eine ganz neue Dringlichkeit zu.

Damit steigt die Erwartung noch weiter, dass Unternehmen ihren Fokus nicht mehr nur auf Profite richten, sondern auch höhere Ziele verfolgen. Das ist viel verlangt – kämpfen sie doch gerade um ihren Fortbestand. Solange die wirtschaftliche Lage schwankt, werden die Bilanzen regieren – und nicht das übergeordnete Wohl. Doch dabei wird es nicht ewig bleiben.

„Ob unser Wirtschaftssystem dauerhaft bestehen kann, hängt davon ab, ob wir neben Gewinnen auch einen Sinn generieren können.“

Lionel Barber, Chefredakteur bei der Financial Times

TREND 2

Money changers

Seit dem Ausbruch der Pandemie hat kontaktloses Bezahlen in vielen Ländern eine neue Bedeutung für das tägliche Leben gewonnen. So ist Online-Shopping nun noch attraktiver geworden - besonders für Kunden, die sich nicht im Ladengeschäft oder beim Bezahlen mit Bargeld infizieren möchten. Regierungen wiederum prüfen die Möglichkeiten digitaler Währungen: In den USA beispielsweise werden derzeit Varianten eines digitalen Dollars evaluiert.

Doch bereits vor der Krise verzichteten immer mehr Menschen auf Bargeld.

Seit dem Ausbruch der Pandemie hat kontaktloses Bezahlen in vielen Ländern eine neue Bedeutung für das tägliche Leben gewonnen. So ist Online-Shopping nun noch attraktiver geworden - besonders für Kunden, die sich nicht im Ladengeschäft oder beim Bezahlen mit Bargeld infizieren möchten. Regierungen wiederum prüfen die Möglichkeiten digitaler Währungen: In den USA beispielsweise werden derzeit Varianten eines digitalen Dollars evaluiert.

Doch bereits vor der Krise verzichteten immer mehr Menschen auf Bargeld.

Digitales Geld ist schneller und effizienter. Bargeld verschwindet. Heute können wir bereits mit unserem Fingerabdruck bezahlen oder indem wir unser Gesicht oder unsere Augen scannen. Mit der Zeit werden unsere persönlichen Daten immer stärker mit unseren Zahlungsmethoden verknüpft sein, sodass Bezahlvorgänge völlig nahtlos abgewickelt werden. Die Personalisierung kennt keine Grenzen.

Ein Beispielszenario: Direkt beim Kauf zieht das Kassensystem automatisch den Studentenrabatt ab. Es weiß nämlich, dass der Käufer ein Student ist, weil diese Information in seinem Zahlungsmittel enthalten ist. Dank solcher Möglichkeiten können wir mit Geld künftig nicht mehr nur einkaufen. Sie eröffnen den Weg zu neuen Produkten und Services.

In diesem Trend geht es darum, wie sich unsere Beziehung zu Geld verändert. Unternehmen außerhalb des Finanzsektors werden neue Allianzen und Arbeitsbeziehungen eingehen. Praktisch unsichtbare Zahlungssysteme werden entstehen, die wiederum unsere Einstellung zu Geld aufweichen.

$2 Mrd.

an Transaktionen sollen 2023 über mobile Biometrik-Systeme authentifiziert werden.

Was bedeutet das für die Unternehmen? Sie werden ihre Zahlungsmodalitäten zu einem Differenzierungsmerkmal ausbauen müssen. Und Produkte und Services entwickeln, die Sorgen hinsichtlich Datenschutz, Transparenz und Integrität nehmen und zugleich Erwartungen übertreffen können.

TREND 3

Walking barcodes

Durch Gesichts- und Körpererkennung hinterlassen wir heute überall nachverfolgbare Spuren – nicht nur online. Biometrischen Technologien und der 5G-Technik kommen in der Pandemie eine zentrale Bedeutung zu. Regierungen erfassen mithilfe von Smartphones die Bewegungen der Bevölkerung. Mit Apps lassen sich Kontakte nachverfolgen. Immer mit dem Ziel, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. Trotz Sicherheitsbedenken nehmen die Menschen diese Überwachung in Kauf – der Wunsch, die Pandemie zu überwinden, überwiegt.

Durch Gesichts- und Körpererkennung hinterlassen wir heute überall nachverfolgbare Spuren – nicht nur online. Biometrischen Technologien und der 5G-Technik kommen in der Pandemie eine zentrale Bedeutung zu. Regierungen erfassen mithilfe von Smartphones die Bewegungen der Bevölkerung. Mit Apps lassen sich Kontakte nachverfolgen. Immer mit dem Ziel, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. Trotz Sicherheitsbedenken nehmen die Menschen diese Überwachung in Kauf – der Wunsch, die Pandemie zu überwinden, überwiegt.

Während Regierungen sich auf die öffentliche Gesundheit konzentrieren, setzen Unternehmen auf nachverfolgbare Daten, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Wie menschliche Barcodes werden unsere physischen Eigenschaften zunehmend maschinenlesbar – ideal für Unternehmen, die deutlich personalisiertere Angebote erstellen können.

In diesem Trend geht es darum, wie unser Körper zu unserer Signatur wird und dabei digitale und physische Identität vereint. Und darum, wie immer komplexere digitale Dienste kontext-bezogen auch die reale Welt beeinflussen. Im Zuge dessen wird personalisierte Werbung in unserem analogen Umfeld zur Norm werden.

Disney beispielsweise nutzt Gesichtserkennung für personalisierte Kundenerlebnisse. Das Unternehmen hat gemeinsam mit Accenture Interactive unter anderem ein interaktives Filmplakat für den neuen Dumbo-Film entwickelt. Mithilfe von künstlicher Intelligenz erkennt es die Gefühle des Betrachters und passt den Gesichtsausdruck von Dumbo daran an.

Bei der Entwicklung neuer Produkte und Services müssen Datenschutz und Datensicherheit über allem anderen stehen. Wer 5G, Gesichtserkennung und andere biometrische Technologien verantwortungsvoll nutzt, dem stehen enorme Möglichkeiten offen. Das Internet of Bodies wird so normal werden wie das Internet of Things. Es geht nun darum, die unsichtbare Datenübertragung so zu gestalten, dass sie für den Kunden sicher und lohnenswert ist.

„Wir können Berührungen und Muskelbewegungen bislang nicht über das Internet übertragen. Mit den niedrigen Latenzen von 5G werden wir dazu aber in der Lage sein. Wir beginnen jetzt damit, die dafür nötigen Geräte zu entwickeln.“

Mischa Dohler, Professor für drahlose Kommunikation am King’s College London

TREND 4

Liquid people

Beim Trend „Mehr“ neu definiert skizzieren wir, wie sich gesellschaftliche Werte verändern und Menschen die Unternehmen unter Druck setzen, ihr Verständnis von Wachstum zu überdenken. Dieser Trend hat noch eine andere Seite: Der Mensch hinterfragt sich selbst. Das Leben, das er führt. Die Arbeit, der er nachgeht. Den Einfluss, den er auf sein Umfeld hat.

Beim Trend „Mehr“ neu definiert skizzieren wir, wie sich gesellschaftliche Werte verändern und Menschen die Unternehmen unter Druck setzen, ihr Verständnis von Wachstum zu überdenken. Dieser Trend hat noch eine andere Seite: Der Mensch hinterfragt sich selbst. Das Leben, das er führt. Die Arbeit, der er nachgeht. Den Einfluss, den er auf sein Umfeld hat.

In diesem Trend geht es um die menschliche Seite des Wachstums. Er berücksichtigt unser gewachsenes Bewusstsein für Themen wie den Klimawandel, geistige Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Mit der Pandemie hat sich der Wunsch nach einem sinnstiftenden Leben nur noch weiter verstärkt. Wir denken darüber nachzudenken, wie wir uns selbst definieren und was uns wirklich wichtig ist. Und wir nehmen mehr Rücksicht auf die schwächeren Mitglieder unserer Gesellschaft – ältere Menschen und solche mit chronischen Krankheiten, die in der Krise besonders gefährdet sind. Mit diesem gestiegenen Bewusstsein geht jedoch ein innerer Konflikt einher. Menschen finden sich in moralischen Zwickmühlen wieder und müssen ethische Forderungen und eigene Wünsche gegeneinander abwägen. Vor diesem Hintergrund ändern sich die Prioritäten der Menschen immer häufiger und schneller. Sie möchten mehr Flexibilität und die Freiheit, das zu kaufen, wonach ihnen wirklich der Sinn steht. Wer bislang häufig Fleisch isst, tut das vielleicht bald nur noch am Wochenende. Trotzdem kann auch jemand, der nur noch nachhaltig produzierte Mode kauft, weiterhin mit dem Flugzeug reisen. Viele Konzernangestellte verfolgen nebenher eigene Projekte. Diese Freiheiten haben die Menschen immer im Hinterkopf.

Als Antwort darauf müssen sich auch Unternehmen neu definieren – und darauf reagieren, dass viele verstärkt nach einem übergeordneten Sinn im Leben suchen. Die Menschen dürsten geradezu danach, bewusster zu konsumieren. Unternehmen können darauf eingehen: indem sie moralisch einwandfreie Produkte und Services anbieten und ihren Kunden helfen, mit sich selbst im Reinen zu sein.

1von5

Bürgern ist wegen der Klimakrise im letzten Jahr weniger geflogen. (Schweizer Bank UBS)

TREND 5

Designing intelligence

Anfangs ging es bei künstlicher Intelligenz (KI) vorrangig darum, Prozesse zu automatisieren und so effizienter zu gestalten. Aber die KI kann viel mehr. Sie hilft Wissenschaftlern bei der Bekämpfung von COVID-19. Führende KI-Forschungsunternehmen nutzen Deep Learning, um die Proteinstruktur des Virus zu entziffern, die wertvolle Hinweise für die Entwicklung eines Impfstoffs liefern könnte. Mittels KI lassen sich Vorhersagen zur Ausbreitung der Pandemie treffen. Und sie wird in Kameras und Infrarotsensoren eingesetzt, um die Körpertemparatur von Menschen an öffentlichen Plätzen zu messen.

Anfangs ging es bei künstlicher Intelligenz (KI) vorrangig darum, Prozesse zu automatisieren und so effizienter zu gestalten. Aber die KI kann viel mehr. Sie hilft Wissenschaftlern bei der Bekämpfung von COVID-19. Führende KI-Forschungsunternehmen nutzen Deep Learning, um die Proteinstruktur des Virus zu entziffern, die wertvolle Hinweise für die Entwicklung eines Impfstoffs liefern könnte. Mittels KI lassen sich Vorhersagen zur Ausbreitung der Pandemie treffen. Und sie wird in Kameras und Infrarotsensoren eingesetzt, um die Körpertemparatur von Menschen an öffentlichen Plätzen zu messen.

KI der nächsten Entwicklungsstufe trägt selbst zur Wertschöpfung bei. Sie soll den Erfindergeist des Menschen unterstützen, sei es im Gesundheitswesen oder in anderen Bereichen.

Wenn Unternehmen die Talente ihrer Mitarbeiter effektiv mit den Möglichkeiten der KI kombinieren, steht uns vieles offen: Wir können disruptive Geschäftsstrategien ersinnen. Oder Menschen dabei unterstützen, mit der zunehmenden Komplexität der Arbeitswelt umzugehen.

In diesem Trend geht es darum, wie KI-Technologien den Kinderschuhen entwachsen. Und wie Unternehmen sie immer häufiger für mehr nutzen als für bloße Automatisierung. Sie brauchen dafür auch neue Werkzeuge und ein größeres Bewusstsein für ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Der Schlüssel zum Erfolg? Bei der KI-Entwicklung die menschliche Intelligenz in den Mittelpunkt zu stellen und die Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu optimieren.

Während KI uns hilft, die Wirtschaft besser zu verstehen, hilft uns die Produktentwicklung, die KI zu verstehen. Einige Unternehmen forschen bereits daran, potenzielle Verzerrungsprobleme anzugehen: den sogenannten Bias. Ein KI-basiertes "Fairness-Tool" von Accenture setzt beispielsweise auf Machine Learning, um potenziell verzerrte Trainingsdaten zu erkennen und diese zu korrigieren.

In unserem globalen Innovationszentrum The Dock in Dublin erforschen wir, wie fortschrittliches intelligentes Design die Arbeit mit KI verändern wird, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Drei Kernbereiche haben wir identifiziert: eine bessere Erfahrung für den Menschen, die Unterstützung des Menschen in komplexen Systemen und die Erfindung neuer Produkte und Services.

Unternehmen beschleunigen ihre KI-Initiativen: 80 %
setzen sie bereits in Serie um. Doch Kunden und Mitarbeiter sind noch skeptisch, wie sich das auf ihr Leben auswirken wird.

TREND 6

Digital doubles

Die Pandemie hat viele Menschen dazu gezwungen, zu Hause zu bleiben und digital versierter zu werden. Dadurch ergeben sich große Chancen für eine vielversprechende Technologie: die digitalen Doubles.

Als 3D- und Datenmodelle gehören digitale Zwillinge inzwischen zum Alltag in der Industrie, vor allem in der Fertigung. Bald geht es auch um den Menschen selbst. Wir erschaffen uns unsere eigenen virtuellen Erscheinungformen: die digitalen Doubles.

Die Pandemie hat viele Menschen dazu gezwungen, zu Hause zu bleiben und digital versierter zu werden. Dadurch ergeben sich große Chancen für eine vielversprechende Technologie: die digitalen Doubles.

Als 3D- und Datenmodelle gehören digitale Zwillinge inzwischen zum Alltag in der Industrie, vor allem in der Fertigung. Bald geht es auch um den Menschen selbst. Wir erschaffen uns unsere eigenen virtuellen Erscheinungformen: die digitalen Doubles.

In diesem Trend geht es um die Entwicklung unseres digitalen Abbilds. Zunächst wird ein solches Double nicht viel mehr bieten als personalisierte Unterhaltungsangebote. Angesichts der Pandemie und der damit verbundenen Verbreitung der Telemedizin könnte unser digitales Double bei virtuellen Arztbesuchen eingesetzt werden. Schließlich wird es zur virtuellen Heimat für alle unsere Daten werden, über die wir dann selbst die volle Kontrolle haben. Zumindest theoretisch. Bald schon werden die Menschen ihre persönlichen Daten mithilfe ihrer digitalen Abbilder eigenverantwortlich verwalten. Damit folgen sie vor allem ihren eigenen Interessen – und nicht denen der Anbieter, die ihre Daten sammeln und verwerten.

Unternehmen und öffentliche Einrichtungen müssen lernen, ihre Angebote an diese digitalen Doubles anzupassen. Finanzdienstleister, Gesundheitsunternehmen und die Arbeitswelt werden stärker auf digitale Doubles setzen und so bessere Prognosen rund um ihre Lösungen anstellen, sie optimieren und personalisieren. Das könnte alles verändern.

Wer erfolgreich sein will, muss sich jetzt zwei entscheidende Fragen stellen: Wie zeigen wir auf glaubwürdige Weise, dass man uns seinen digitalen Zwilling anvertrauen kann? Und wie entwickeln wir entsprechende Kundenerlebnisse, die sicher und motivierend sind?

TREND 7

Life-centered design

Schon vor der Pandemie haben wir neue Wünsche und Bedürfnisse entwickelt. Nun verändert sich auch noch, wie und ob wir diese Wünsche überhaupt erfüllen können. Der Besuch im Supermarkt stellt plötzlich eine Herausforderung dar: Wir überlegen zweimal, ob ein Einkauf tatsächlich notwendig ist. Und wenn, gehören Hamsterkäufe inzwischen fast schon dazu.

Schon vor der Pandemie haben wir neue Wünsche und Bedürfnisse entwickelt. Nun verändert sich auch noch, wie und ob wir diese Wünsche überhaupt erfüllen können. Der Besuch im Supermarkt stellt plötzlich eine Herausforderung dar: Wir überlegen zweimal, ob ein Einkauf tatsächlich notwendig ist. Und wenn, gehören Hamsterkäufe inzwischen fast schon dazu.

Ungeachtet der Hamsterkäufe steht das „Ich“ immer weniger im Mittelpunkt und immer mehr das „Wir“. Menschen möchten zur Bekämpfung der Pandemie beitragen und andere schützen. Deshalb bleiben sie zu Hause und vermeiden den Besuch öffentlicher Plätze oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Was das für Unternehmen heißt? Sie müssen ihre Geschäftsmodelle umstellen und ein life-centered design entwickeln. Dieser Gedanke ist inspiriert von der Theorie des Autors John Thackara, derzufolge man nicht für das Leben eines Einzelnen entwickelt, sondern für das „gesamte Leben“, also beispielsweise für unseren Planeten.

In diesem Trend geht es darum, wie sich die ideale Schnittmenge des Innovationsdreiecks Begehren, Machbarkeit und Tragfähigkeit verändert. Und wie Unternehmen darauf reagieren.

Bisher hat sich die Produktentwicklung allein auf den Menschen konzentriert. Sie muss ihn aber als Teil eines größeren Ökosystems begreifen - und nicht als dessen Mittelpunkt. Damit das gelingt, müssen Unternehmen eine breitere, ganzheitlichere Denkweise einnehmen. Es wird entscheidend sein, sowohl persönliche als auch kollektive Werte zu berücksichtigen.

Fallbeispiel: Ein Student
sammelte in einer Woche über $3.000
an Spenden ein. Damit stellte er transparente Gesichtsmasken her, um Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen trotz Maske das Lippenlesen zu ermöglichen.

Fazit

Strg-Alt-Neu Ausrichten
Wie der Neustart 2020 funktionieren kann.

Im Jahr 2020 werden wir mehr über unsere Welt und unseren Einfluss darauf wissen als je zuvor. Was uns wichtig ist, wird in der Geschäfts- und Technologiewelt und der Produktentwicklung eine größere Rolle spielen. Schon während der Erholungphase nach der Pandemie entstehen riesige Chancen für innovative, reaktionsschnelle Unternehmen: Sie können den Menschen auf eine Art in den Mittelpunkt stellen, wie es noch nie möglich war.

Es werden jene Marken erfolgreich sein, die in einer sich ständig verändernden Welt neuen, bedeutenden Mehrwert bieten können. Dabei verknüpfen sie einen tieferen Sinn mit ihrer Gewinnorientierung. Das hilft dem Kunden auch dabei, sich entlang eines neu entstehenden Konsumverhaltens zu orientieren – durch intelligente, ethische und motivierende Erfahrungen.

Der Wandel führt potenziell auch dazu, dass bahnbrechende Innovation nicht mehr nur von Start-ups ausgeht. Es sind vermehrt traditionelle Unternehmen, die intensiver zusammenarbeiten müssen, um Veränderungen branchenweit voranzutreiben.

Dabei könnte sich der Wandel mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten vollziehen. Schwellenländer könnten beispielsweise die westliche Konsumkultur einfach überspringen und direkt eine ausgeglicheneren Haltung einnehmen. Zugleich dürften die Menschen immer unberechenbarer werden: Sie verhalten sich nicht mehr so, wie man es von ihrem demografischen Marktsegment erwartet, sondern agieren oftmals widersprüchlich.

Wie auch immer sich die genannten Trends weiterentwickeln: Wahrscheinlich werden die Gewinner von morgen jene Unternehmen sein, die Veränderungen annehmen und sie vorantreiben. Jene, die für das „gesamte Leben“ in einer zunehmend komplexen Welt entwickeln. Und sich dabei ihrem Einfluss auf die Welt und auf die Gesellschaft bewusst sind.

ABONNEMENT-CENTER
Bleiben Sie mit unserem Newsletter auf dem Laufenden Bleiben Sie mit unserem Newsletter auf dem Laufenden