Seit zehn Jahren analysiert Accenture intensiv die Entwicklung der großen deutschen Konzerne. In diesem Jahr blickt Accenture auf eine ganze Dekade zurück. Welche Branchen sind in den vergangenen zehn Jahren hervorgetreten? Welche Stärken machen sich an der Spitze der deutschen Wirtschaft bemerkbar? Wo sind Defizite der Top-Unternehmen im Vergleich zur globalen Konkurrenz sichtbar? Diesen und anderen Fragen ist Accenture in einer Analyse der deutschen Top-Konzerne nachgegangen.

4 Thesen zur Zukunft der deutschen Wirtschaft

  1. Top500 – Stärken durch digitale Innovation stärken
    Die deutsche Wirtschaft muss alles daran setzen, dass ihre Autoindustrie weltweit an der Spitze bleibt. Doch die Branche steht vor einem Technologiewandel und Umwälzungen in der Wertschöpfungskette. Neue Leistungsversprechen für eine zukunftsgerechte Mobilität müssen nun entwickelt werden. Beispiel: Fahrzeuge, die autonom fahren ohne Unfälle zu verursachen. Damit verbunden ist die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auf der Basis von intelligenten Produkten und Smart Services. Ihre Pole Position wird die deutsche Autoindustrie nur verteidigen, wenn sie neue Fähigkeiten mit digitalen Technologien wie beispielsweise der künstlichen Intelligenz entwickelt.
  1. Wachstum durch neue Geschäftsmodelle generieren
    Wenn die deutschen Leitindustrien ihre Positionen im internationalen Wettbewerb halten wollen, müssen sie neue zukunftsfähige und gut skalierbare Geschäftsmodelle entwickeln. In den USA und in China haben sich bereits Technologie- und Plattformunternehmen nach diesem Muster in ihren Märkten an die Spitze der Wertschöpfungskette gesetzt. Anders in Deutschland: hier hat in den vergangenen zehn Jahren als einziges Unternehmen SAP ein – gemessen am Umsatz – relevantes digitales Plattform-Modell etabliert. Bislang fehlt es in den deutschen Top-Konzernen an klaren Visionen und am Mut offene und mehrseitige Ökosysteme zu gestalten.
  1. Deutschland braucht starke, international relevante Banken
    Die deutschen Konzerne brauchen eine innovative Kreditwirtschaft, um die digitale Transformation zu schaffen und gegen neue Wettbewerber zu bestehen. Tatsächlich haben die deutschen Banken seit der Finanzkrise aber deutlich an Relevanz eingebüßt. Bemerkbar macht sich das an der Marktkapitalisierung: Die größten deutschen Institute hinken weit hinter den internationalen Spitzenbanken her. Heute kann der deutsche Bankensektor nicht mehr wie früher Business Building betreiben – auch weil ihnen die Qualifikation als Begleiter von Digitalinitiativen fehlt. Zudem mangelt es an der Flexibilität, neue Finanzierungsangebote zu entwickeln. Dies gefährdet in der deutschen Industrie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle.
  1. Menschen im Mittelpunkt – Produktivität steigern mit KI
    Zukunftsfähige neue Geschäftsmodelle werden die Top500-Unternehmen nur entwickeln, wenn sie in neue Technologien investieren und gleichzeitig die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter erhöhen – und mithilfe der künstlichen Intelligenz (KI) auch deren Produktivität steigern. Das Topmanagement muss daher seine Technologie-Investments mit der Qualifizierung der Belegschaft (Up-Skilling) koordinieren. Automatisierung wird vor allem dann zum Erfolg, wenn sie neben den gewünschten Produktivitätseffekten gleichzeitig dem Menschen in seiner Arbeitswelt neue Freiräume für eine höhere Wertschöpfung verschafft. Dabei sind insbesondere Kompetenzen wie Führungsstärke, kritisches Denken, Kreativität und emotionale Intelligenz zu fördern.

Fazit

Die deutschen Leitindustrien – allen voran die Autoindustrie – müssen ihre Spitzenplätze in der Welt unbedingt verteidigen – insbesondere gegen neue Wettbewerber aus China und den USA, die auch mit disruptiven Geschäftsmodellen angreifen werden. Die Chancen der deutschen Industrie stehen aber nicht schlecht. Erst jetzt befindet sich das Industrielle Internet der Dinge im Aufbau. Die darin generierten Daten haben einen viel höheren Wert, als die Daten aus den Sozialen Medien oder den Online-Handelsplattformen.

Die Perspektiven der deutschen Industrie liegen in skalierbaren digitalen Produkten und Dienstleistungen, die ihren Kunden neue, individualisierbare Erfahrungswelten bietet. Werden diese realisiert, kann aus dem prominenten Qualitätskriterium „Made in Germany“ das digitale Gütesiegel „Operated by Germany“ werden. Die deutsche Wirtschaft braucht einen ambitionierten Plan, der Meilensteine für den Aufbau einer nationalen Infrastruktur mit globaler Reichweite benennt – ähnlich wie die Roadmap der Chinesen, aber mit Inhalten, die unserer Kultur, unseren Wertesystemen und unserer wirtschaftlichen Basis entsprechen. Ein „Digitales Deutschland 2025”.

„Wir müssen alles daran setzen, die enorme Stärke der Autoindustrie zu erhalten und darüber hinaus die Sektoren ITK und Finanzwirtschaft zu stärken.“

– FRANK RIEMENSPERGER, Vorsitzender der Geschäftsführung – Accenture Deutschland

Frank Riemensperger

Vorsitzender der Geschäftsführung – Accenture Deutschland

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