STUDIE

In Kürze

In Kürze

  • Die Forschung von Accenture zeigt neue Wege, wie europäische Chemieunternehmen den Wandel zur Kreislaufwirtschaft - profitabel - anführen können.
  • Chemieunternehmen stehen unter dem Druck, auf die Herausforderungen der Gesellschaft in den Bereichen Umwelt und Nachhaltigkeit zu reagieren.
  • Doch es ist eine Chance, ein Wandel, den die Chemieunternehmen aktiv mitgestalten können. Accenture zeigt in sieben Schritte, wie das gelingt.


In den vergangenen zwei Jahren hat die Kreislaufwirtschaft die chemische Industrie bereits drastisch verändert. Da immer mehr Endverbraucher auf Nachhaltigkeit drängen, erleben die Chemieunternehmen nun einen erheblichen Sog aus den nachgelagerten Wertschöpfungsketten für zirkuläre Produkte und Prozesse. Doch der Übergang zur Kreislaufwirtschaft birgt auch die Gefahr, bestehende Wertschöpfungsketten und Gewinngemeinschaften zu stören.

Die Chemieunternehmen sind gefordert, eine neue Rolle in der Kreislaufwirtschaft einzunehmen - und müssen sich bewusst sein, dass die Auswirkungen ihrer Bemühungen nicht nur in ihrer Branche zu spüren sein werden.

Was bedeutet Kreislaufwirtschaft?

Die Kreislaufwirtschaft versucht, den heutigen linearen "Take-make-dispose"-Ansatz für Ressourcen durch einen neuen Ansatz zu ersetzen. Statt Nehmen-Machen-Entsorgen ist das Ziel, Materialien kontinuierlich zur Wiederverwendung in die Wertschöpfungskette zurück zu führen, was einen geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch bewirkt. Das kann auf viele Arten erreicht werden, u.a. durch die Schaffung zirkulärer Abläufe, die Entwicklung zirkulärer Produkte und Dienstleistungen oder auch durch die verstärkte Zusammenarbeit über Produktlebenszyklen und Wertschöpfungsketten hinweg.

Die beschleunigte Verlagerung zur Zirkularität

Es ist der Verbraucher und seine veränderte Einstellung zur Umwelt, die zu den Schlüsselfaktoren für die wachsende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft geworden sind. Die Menschen wollen jetzt nachhaltigere Produkte verwenden, die recycelt und biobasiert sind.

Auch den Markeninhabern sind die sich entwickelnden Verbraucherpräferenzen in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft nicht verborgen geblieben. Sie nehmen eine führende Position ein, wenn es darum geht, freiwillige Verpflichtungen zu den Zielen der Kreislaufwirtschaft einzugehen. Auch Investoren werden zunehmend die Auswirkungen eines Unternehmens auf die Gesellschaft und die Umwelt berücksichtigen, um seinen Wert zu bestimmen. Die EU hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 45 Prozent zu reduzieren (im Vergleich zu den Werten von 1990). Und all diese Veränderungen finden vor dem Hintergrund zunehmender Regulierung und neuer Akteure statt, die auf den Markt drängen, um neue Technologien zu monetarisieren.

72%

der Verbraucher haben in den letzten fünf Jahren mehr umweltfreundliche Produkte gekauft.

81%

erwarten, dass sie in den nächsten fünf Jahren mehr umweltfreundliche Produkte kaufen werden.

Eine einzelne Branche kann die Zirkularität nicht allein erreichen. Das Gedeihen in der Kreislaufwirtschaft wird davon abhängen, dass die Chemieunternehmen zwischen den Segmenten der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, um die Materialien länger im Wirtschaft-und Verwertungssystem zu halten und verschiedene Kreisläufe zu schließen, die die Materialien durch die Wertschöpfungskette zurückführen.

Accenture schätzt, dass etwa zwei Drittel der an nachgelagerte Industrien verkauften Mengen an chemischen Produkten durch den einen oder anderen Kreislauf zirkulieren könnten. Um diese Kreisläufe zu schließen, müssen sich Chemieunternehmen auf mehrere Aktivitäten konzentrieren.

Die Unternehmen für Konsumgüter peilen 100% wiederverwendbare, wiederverwertbare oder kompostierbare Kunststoffverpackungen an.

Verbinden der Wirtschaftskreisläufe

1. Der Materialfluss

Altmaterialien als alternative Rohstoffquellen

2. Infrastrukturelle Übergänge

Infrastrukturübergang zur Handhabung der Materialflüsse

3. Umgekehrte Lieferkette

Gewährleistung einer konstanten Qualität und Quantität bei der Versorgung mit Abfallströmen

4. Entwicklung der Technologien

Maschinelle, lernbasierte Sortierung, digitale Produktpässe und andere Materialtechnologien werden der Schlüssel sein

5. Break-even-Ökonomie

Zu den Break-even-Fällen gehören das Einnahmepotenzial und die Kostentreiber – von der Sammlung über den Abfallkauf bis hin zu Reinigung und Recycling

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Die Zirkularität schafft eine Reihe neuer Möglichkeiten für Chemieunternehmen.

Der Zugang zum Kreislauf: Welche Optionen?

In der EU wurden im Jahr 2018 etwa 51,2 Millionen Tonnen Kunststoffe verbraucht, aber nur 29,1 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle gesammelt.1 Wenn sich hier nichts ändert, erwartet Accenture, dass der Kunststoffverbrauch bis 2030 auf 60,5 Millionen Tonnen ansteigt. Und unter Berücksichtigung aller chemischen Produkte - nicht nur der Kunststoffe - und unter Einbeziehung weiterer Berechnungen geht das Accenture-Modell von einem Anstieg des Verbrauchs von 139 Millionen Tonnen im Jahr 2018 auf 180 Millionen Tonnen im Jahr 2030 aus.

Auf Zirkularität ausgerichtetes Design

Die Neugestaltung von Produkten für die Kreislaufwirtschaft muss weitreichend und weit verbreitet sein, sonst sind massive Investitionen erforderlich. Ansonsten wird die Ineffizienz aufgrund des großen Anteils an nicht handhabbaren Abfällen zunehmen und es wird ein kostspieliges System entstehen, das große Mengen an Energie verbraucht.

Besetzung von Sweet Spots

Zirkuläre Wertschöpfungsketten werden den Markeninhabern helfen, ihre nachhaltigen Ziele zu erfüllen, und den Chemieproduzenten die Möglichkeit bieten, über die traditionellen Geschäftsmodelle der einfachen Herstellung und des Verkaufs von Chemikalien hinauszugehen. Sie werden stattdessen an mehr Teilen der Wertschöpfungskette beteiligt sein, was ein beträchtliches Wachstumspotenzial bietet. Der Wettlauf um die Besetzung von "Sweet Spots" in den zukünftigen Wertschöpfungsketten ist bereits im Gange.

Zunehmende Zusammenarbeit über die gesamte Wertschöpfungskette

Für Chemieunternehmen wird es wichtig sein, die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette in eine systematische Gesamtstrategie der Zirkularität einzubinden und strategische Partnerschaften eher früher als später einzugehen.

Was kommt als nächstes?

Chemieunternehmen, die die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft erkannt haben, können diese sieben Schritte in Angriff nehmen, um voranzukommen.

Neubewertung des Produktportfolios

Überprüfen Sie das Zielproduktportfolio auf erwartete Veränderungen im Nachfragemuster.

Verlagerung auf Umlaufvermögen

Verlagerung der Kapitalinvestitionen von Anlagen für lineare Materialien auf Anlagen, die auf Zirkularität ausgerichtet sind.

Zirkuläre Fähigkeiten entwickeln

Systematische Entwicklung zirkulärer Fähigkeiten in der gesamten Organisation.

Reorganisieren für Zirkularität

Die Gründung separater neuer Unternehmen, die sich auf zirkuläres Wachstum konzentrieren, beschleunigt die Markteinführung von zirkulären Lösungen.

Chancen nutzen

Nutzen Sie die Möglichkeiten, die sich aus dem Engagement der Markeninhaber ergeben und bauen Sie schnell wertkettenübergreifende Pilotprojekte auf.

Geschäftsmodelle neu definieren und testen

Stresstest und Neudefinition bestehender Geschäftsmodelle – Geschäft für Geschäft.

Vertrauen aufbauen

Aufbau des Vertrauens beim Verbraucher durch proaktive Zirkularität im Betrieb und Entwicklung von Kommunikationsstrategien, die davon berichten.

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"Wir begrüßen die Studie von Accenture als einen wertvollen Beitrag zum notwendigen Dialog zwischen allen Interessensgruppen, damit Europa wirklich zu einer zirkulären Drehscheibe mit der chemischen Industrie als Herzstück werden kann."

— Marco Mensink, Director General, Cefic

1 Quelle: Plasticseurope.org, 16. Juli 2019.

Rachael Bartels​

​Senior Managing Director – Chemicals & Natural Resources​, Accenture


Dr. Bernd Elser

Managing Director – Accenture Strategy, Chemicals & Natural Resources


Michael Ulbrich

Managing Director – Accenture Strategy, Chemicals & Natural Resources

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