Wie Stromversorger die Herausforderung von extremem Wetter meistern

Extreme Wetterereignisse sind auf der ganzen Welt zu beobachten. Auch in Deutschland werden Sturm, Hitze und Überflutungen häufiger und heftiger.

Moment mal, höre ich da einige sagen. Der Sommer 2020 war zwar laut Deutschem Wetterdienst erneut zu warm und zu trocken, aber (glücklicherweise) längst kein Rekordsommer. Ja, es gab bereits heißere Sommer, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Natur unter den hohen Temperaturen und wenig ergiebigen Niederschlägen gelitten hat.

Ungeachtet meiner persönlichen Einschätzung: Eine im Februar 2020 auf der Weltklimakonferenz in Madrid präsentierte Studie des Thinktanks Germanwatch¹ zeigte auf, dass Deutschland weltweit am drittstärksten von Extremwetter betroffen ist.

Was hat das nun mit den Energieversorgern zu tun?

 Nehmen wir das Beispiel der Bäume. Sofern sie Trockenheit und Hitze überlebt haben, sind sie nun anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer und stehen wackelig im Boden. Die Folgen der abgestorbenen und kranken Bäume werden wohl bei den Herbst- und Winterstürmen sichtbar werden. Hoffen wir darauf, dass umstürzende Bäume, Erdrutsche und Überschwemmungen nicht allzu gravierende Schäden anrichten. Kyrill, Niklas, Friederike und Sabine – Stürme wie diese zeigen wie enorm die Natur wütet.

Sind die Energieversorger auf diese extremen Wetterlagen gut vorbereitet?

Das wollten wir von Accenture wissen und haben mehr als 200 Führungskräften von Energieversorgungsunternehmen in 28 Ländern auf 5 Kontinenten befragt. An unserer Umfrage nahmen Führungskräfte teil, die unter anderem für Stromversorgung und intelligente Netze, den Netzbetrieb, Systemplanung und Verteilung verantwortlich sind.

Die globale Forschungsumfrage zum Thema Digitales Stromnetz „Digitally Enabled Grid Research Survey” zeigt auch eindrücklich, wie Energieversorger hierzulande und europaweit aufgestellt sind.

Die meisten Energieversorger sind nach wie vor nicht auf die größeren betrieblichen Belastungen durch Blitzeinschläge und Sturm, Überflutungen und extreme Sommer eingestellt. Nicht mal ein Viertel (18%) der in Europa Befragten fühlt sich sehr gut auf die Herausforderungen extremer Wetterereignisse vorbereitet. Weltweit sind es unwesentlich mehr, nämlich 24 Prozent.

92% der Führungskräfte in europäischen Versorgungsunternehmen glauben, dass extreme Wetterverhältnisse ein erhöhtes finanzielles Risiko für ihr Unternehmen darstellen. Gleichzeitig glauben sie, sehr schlecht vorbereitet zu sein (wie 12 Prozent der Befragten angeben).

Das deutsche Netz gilt als besonders stabil², aber neue Probleme gefährden die Stabilität.

Da sind zum einen extreme Schwankungen bei Sonnen- und Windenergie und zum anderen drohen physische Schäden an der Netzinfrastruktur. Zu den größten Gefahren zählen laut Stromversorgern in Europa starke Winde (21 Prozent), Überschwemmungen (15 Prozent) sowie Eis und Schneestürme im Winter (13 Prozent).

Hinzu kommt: Wenn ein Versorgungsunternehmen mit extremem Wetter konfrontiert ist und schlimmstenfalls ein sekundäres Ereignis (wie Cyber-Angriffe, Erdbeben, geomagnetische Stürme, Waldbrände oder Pandemien wie COVID-19) eintritt, kann die Situation schnell von schlecht zu schlechter wechseln.

Die Antwort: Größere Resilienz

 Der Schlüssel liegt darin, überzugehen zu einer Strategie, die sich auf Widerstandsfähigkeit konzentriert.

Dabei zeigt unsere Umfrage, dass es grundsätzliche, skalierbare, vielleicht sogar grenzübergreifende Veränderungsprozesse braucht, um Resilienz fest im Unternehmen zu verankern.

Stromversorger sollten alle Möglichkeiten nutzen, die ihnen zu Verfügung stehen, um sich zu wappnen:

  • Digitale Möglichkeiten, technische Verfeinerungen und eine punktgenaue Kontrolle über die wichtigen Parameter, die es ermöglichen, Prozesse sinnvoll umzulenken.
  • Digitalisierung und auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) helfen, das Netz besser zu verstehen, zu analysieren, Gefahren und Lösungen systemsicher zu simulieren. Dadurch könnte die Stromübertragung verbessert werden und der Stromfluss intelligent und schnell an die Wetterbedingungen und auch lokale Verbrauchsspitzen angepasst werden.

Ein Großteil der europäischen Stromversorger (91 Prozent) testet bereits innovative Lösungen für eine höhere Ausfallsicherheit von Netzen. Dazu gehören fortschrittliche Schutzsysteme, Vehicle-to-Grid-Technologie, automatisierte Self-Healing-Netze und Drohneninspektionen.

Nur wer seine neuralgischen Punkte kennt, wer den Worst Case bereits in einer Simulation erfolgreich abgewehrt hat, weiß, dass er genug Widerstandsfähigkeit besitzt – und kann das auch den Kunden und Stakeholdern gegenüber zeigen.

Was kann Versorgungsunternehmen dabei helfen, die Widerstandsfähigkeit zu entwickeln, die sie benötigen, um diese Herausforderungen mit Zuversicht zu bewältigen? Das haben wir die Teilnehmer unserer Umfrage gefragt. Die Ergebnisse zeigen: Resilienz zu schaffen durch Auf- und Ausbau der Anpassungsfähigkeit des Netzes, durch digitale und datenbasierte Optimierung der Netzstabilität und anderer Stellschrauben – das wappnet nicht nur gegen extreme Wetter, sondern sorgt insgesamt für mehr Sicherheit und Kontrolle des Netzes, das Deutschland mit Strom versorgt.

Die wichtigsten Ergebnisse und eine Zusammenfassung der Studie lesen Sie hier.

 

Quellen:

  1. UBIMET
  2. Stromversorgung - Unterbrechungsdauer je Stromverbraucher in Deutschland bis 2019, Statistica

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Timo Graf

Leiter Übertragung und Distribution – Versorgungswirtschaft | Dach

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