Nach vielen Jahren, in denen neue Geschäftsfelder für die deutschen Energieversorger eher spärlich gesät waren, zeigen sich nun die Keime wachsender Märkte. Greifbar und substanziell – und vor allem in einem bestimmten Kundensegment.

Während die Versorgunsindustrie nach und nach zu dem neuen Energiemodell wechselt, gibt es ein großes Potenzial für vernetzte Energiedienstleistungen (Connected Energy Services): dezentrale Energieerzeugung, Elektroautos und dazu gehörende Dienstleistungen sowie flexible Kapazitätsanpassung.

Warum Energieversorger gut daran tun, sich mit dem Thema „Connected Energy“ zu befassen, zeigt der Accenture-Report „Elektrisierende Chance für Versorger: CONNECTED ENERGY“.

Drei Felder, ein Geschäftsfeld

Im Grunde geht es darin um neue Geschäftsfelder, die sich für Energieversorger entwickeln in den Bereichen

  • Erzeugung
  • Speicherung
  • Nutzung

Drei Bereiche, die derzeit hauptsächlich als Einbahnstraßen mit zentralen Knotenpunkten angelegt sind, zukünftig aber dezentral und multidirektional funktionieren können.

Das heißt:

Die Stromerzeugung findet durch „Behind-the-Meter“-Lösungen wie Solarzellen jenseits großer Energieversorgungsunternehmen statt. Ausgeklügeltes Energiemanagement steuert Zufluss und intelligente Nutzung von Überkapazitäten.

E-Mobilität wird einen größeren Raum einnehmen und die dafür nötige Infrastruktur wird als Netz neu geknüpft werden müssen. Intelligentes Energiemanagement der E-Autoflotte ist an der firmeneigenen Ladestation möglich. Zugleich fördert dieser Wirtschaftsbereich die Weiterentwicklung von Batterien zur Stromspeicherung.

Die Interkonnektivität intelligent digitalisierter Geräte wie Stromzähler und Thermostate und daran angeschlossene Energiemanagement-Systeme liefern die Daten, um Netzkapazitäten flexibel und vorausschauend zu steuern.

Diese Entwicklungen sind weltweit zu beobachten, wie der Accenture-Report gezeigt hat. Wir schätzen, dass allein in Deutschland der Markt für Produkte und Dienstleistungen der vernetzten Energie (Connected Energy) einen potenziellen Umsatz von 10 bis 20 Mrd. Euro im Jahr 2030 erreichen kann.

Dieses Umsatzpotenzial verteilt sich auf drei Bereiche: Dezentrale Stromerzeugung (17 Prozent), E-Mobilität (25 Prozent) und als größter Anteil auf den gesamten Bereich der flexiblen Kapazitätsanpassung (58 Prozent).

Der Mittelstand als machtvolle Chance

Eine große Chance für die EVUs liegt in einer Gruppe, die laut Wirtschaftsministerium 99,6 Prozent der deutschen Unternehmen ausmacht: im Mittelstand.

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) halten Deutschland am Laufen. Innovative Energieversorger können ihnen dabei helfen, dies nachhaltig, digitalisiert und zukunftsweisend zu tun.

Beispielsweise durch Dienstleistungspakete, die das Energie-Management der KMU in Handel, Gewerbe und Industrie optimieren. In vielerlei Hinsicht. Durch intelligente Geräte wie Thermostate und Stromzähler kann die Netzauslastung so auf den Bedarf des KMU zugeschnitten werden, dass die eigene Stromerzeugung beispielsweise über Solarzellen optimal mit den gelieferten Strommengen zusammenspielt. Überkapazitäten der eigenen Stromerzeugung können ganz nach Bedarf und digital gesteuert in Speichermedien fließen oder zurück in das allgemeine Stromnetz gespeist werden. Eine Lösung, die nicht nur einen rechenwerten Kostenfaktor für die Unternehmen darstellt, sondern auch den unerwünschten CO₂-Abdruck verkleinert und erneuerbare Energien passgenau einbindet.

Besonders clever und vorausschauend: Wenn die flexible Kapazitätsanpassung und die eigene Stromerzeugung mit der unternehmenseigenen E-Auto-Flotte gekoppelt sind. Denn dass es mehr E-Autos in Deutschland geben wird, darin sind sich die Prognosen weitgehend einig. Die Schätzungen gehen dahin, das zwischen 2020 und 2030 rund 25 bis 30 Prozent mehr E-Autos in Deutschland gekauft werden. Mehr erfahren im Blog-Beitrag zu E-Mobilität.

Sicherlich werden die kleinen und mittleren  Unternehmen einen erheblich Anteil daran haben, denn abgesehen von Logistikern und anderen Branchen, die viel und lange auf der Straße sind, ist für KMU, die lokal agieren, der Radius rund um die firmeneigenen Ladestationen bereits heute in der Regel ausreichend und wird mit jeder neuen Batteriegeneration größer.

Ein Tipp: Dienstleistungspakete der Energieversorger sind im Übrigen nicht nur für die deutschen Unternehmen und Familienbetriebe interessant, sondern auch für Städte und Gemeinden sowie öffentliche Einrichtungen. Auch in dieser Richtung lohnt es sich für Energieversorger in Sachen „Connected Energy“ neue Wege zu gehen und das Potenzial jetzt zu nutzen.

Energiepakete statt Einzellösungen

Jetzt? Ja, denn die technischen Möglichkeiten sind da. Nun gilt es, den Bedarf durch lukrative und attraktive Pakete zu wecken. Auch das ist etwas, was der Accenture-Report über „Connected Energy“ herausgefunden hat: Ist das Paket aus gebündelten Produkten interessant, sind 41 % der Befragten bereit, ihren Anbieter zu wechseln.

Unverhandelbar sind für den Kunden dagegen diese vier Säulen, ohne die ein erfolgreicher Energieversorger ebenso wie jedes andere Unternehmen ohnehin kaum bestehen kann, weil sie die wichtigsten Kompetenzen bündeln:

  • Passgenauer und funktionierender Vertrieb
  • Kompetente und ehrliche Beratung
  • Kundenzentriertes und vorausschauendes Denken
  • Lieferfähigkeit

Das Geschäftsfeld der vernetzten Energieleistungen erfordert von den Energieunternehmen aus unserer Sicht auch neue Partnerschaften mit anderen Branchen und Unternehmen, um gemeinsam komplexe Produkte und einen nahtlosen Kundenservice anbieten zu können.

Deutlich wird also: Connected Energy ist im wahrsten Sinne ein spannendes Thema.

Dieser Beitrag wurde mit der Unterstützung von Mihaela Buda (Senior Managerin, Accenture) erstellt.

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Robert Haber

Managing Director Energiewirtschaft DACH

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