Kontinuierliches Lernen und aktive Teilhabe sind die Schlüssel zur Mitarbeiter- motivation im öffentlichen Dienst

 

Motivierte Mitarbeiter:innen, die voller Engagement ihr ganzes Potenzial in ihrer Arbeitskraft entfalten – was können Arbeitsgeber tun, um diesem Ideal ein Stück näherzukommen?

In einer Studie hat Accenture kürzlich beleuchtet, wie mehr Potenzial der Mitarbeiter:innen freigesetzt werden kann. Wie viel tatsächlich brachliegt, das haben diese selbst beantwortet: Nur 43 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst – außerhalb der Führungspositionen – glauben, dass ihr Potenzial bei der Arbeit voll ausgeschöpft wird.

Die Studie „Net Better Off“ zeigt zunächst auf, welche relevanten Dimensionen Einfluss darauf haben, ob ein Mensch sein Potenzial bei der Arbeit voll nutzen kann und möchte: emotionale und mentale Gesundheit, Beziehungen/Netzwerk, physische Gesundheit, Finanzen,  „Purpose“/Sinnhaftigkeit, Fähigkeiten.

Die Studie  zeigt auch, wie die öffentliche Verwaltung auf diese Dimensionen einwirken kann. Kurz zusammengefasst:

  • Ermöglichen Sie kontinuierliches Lernen.
  • Hören Sie auf die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter:innen.
  • Ermöglichen Sie flexible Arbeitsgestaltung.
  • Fördern Sie Wohlergehen und Gleichstellung.
  • Legen Sie transparente Messgrößen fest.

Aus meiner Sicht hat das Konzept „Net Better Off“ – im Sinne von „im Kern gestärkt“ – eine bemerkenswerte Relevanz für den öffentlichen Dienst. In manchen dieser Punkte sind die Behörden schon auf einem guten Weg, etwa beim Thema Wohlergehen – vor allem im Gesundheitsmanagement – und in der Gleichstellung. Das kontinuierliche Lernen und das Einbinden der Mitarbeiter:innen sind aus meiner Sicht aber die Themen, bei denen der öffentliche Dienst großen Nachholbedarf hat. Sie sind so wichtig, weil für die Mitarbeiter:innen ein großes Stück des Sinns ihrer Arbeit verloren geht, wenn beides fehlt.

Im Dienste für die Gesellschaft

Wer sich für eine Karriere im öffentlichen Sektor entscheidet, weiß um die Auswirkungen, die sein Handeln auf die Verwaltung als Teil eines Staates hat. Diese Sinnhaftigkeit der Arbeit im öffentlichen Dienst ist es, was seine Attraktivität ausmacht und zu einem großen Teil die Motivation der Beschäftigten bewirkt. Wer als Behörde diese Möglichkeit des Wirkens für die Gesellschaft nicht nur in der Stellenausschreibung erwähnt, sondern auch tatsächlich lebt, kann die Motivation der Mitarbeiter:innen erheblich steigern.

Unsere Studie zeigt, wie wichtig dieses Thema ist, denn 86 Prozent der Befragten finden, dass ihre Tätigkeit das Bedürfnis stillt, etwas Sinnvolles und Wertvolles zu tun. Dieses Gefühl der Sinnhaftigkeit unterscheidet den öffentlichen Dienst von den meisten anderen Branchen.

Kontinuierliches Lernen ermöglichen

Ein elementarer Faktor für die Zufriedenheit ist das kontinuierliche Lernen. Die Studie zeigte unter anderem: Mitarbeiter:innen des öffentlichen Dienstes, die sich weiterbilden können, empfehlen ihren Arbeitgeber eher weiter (93 Prozent) als die anderen (28 Prozent), bei denen das nicht der Fall ist.

Das Jahr 2020 war diesbezüglich schonungslos. Behörden, die Möglichkeiten zum kontinuierlichen Lernen auch in der digitalen Welt bereits vorangetrieben hatten, waren im Vorteil, als digitalisierte Prozesse und virtuelles Arbeiten schnell und effizient eingesetzt werden mussten. Weniger zielführend war es dagegen, wenn bisher nur analoge „Klassenraum“-Trainings für die notwendigsten Themen im Angebot waren. Einen besseren Weg bieten E-Learning oder Blended Learning als Hybrid zwischen analog und digital. Diese Varianten machen es möglich, dass Mitarbeiter:innen eine Vielfalt an relevanten Themen online erleben, die unabhängig von analogen Fortbildungstagen angegangen werden können. Allerdings ist hier nicht nur der Arbeitgeber gefragt, um ein entsprechendes Angebot zu schaffen, sondern auch die Mitarbeiter:innen, die eigenverantwortlich ihre Weiterbildung in die Hand nehmen.

Und damit sind wir auch schon beim zweiten Thema, das aus meiner Sicht dringenden Handlungsbedarf erfordert: Hören Sie auf die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter:innen.

Teilhabe und echtes Feedback

Es ist nicht damit getan, das „Prinzip der offenen Tür“ zu kommunizieren. Es geht um echtes Feedback, Teilhabe und den wertschätzenden Umgang mit Meinungen und Ideen.

Bei unserer Arbeit im öffentlichen Sektor erleben wir oft, dass Verbesserungsmanagement und Mitarbeiterbefragungen zur Einbahnstraße geworden sind. Ein echter Dialog findet oftmals nicht (zeitnah) statt, und das untergräbt die Motivation, sich an „die da oben“ zu wenden. Den Anfang schaffen oftmals schon kleine Inseln, die kollaboratives Arbeiten über Hierarchie- und Fachbereichsebenen hinweg ermöglichen – zum Beispiel Innovationslabore. Es geht darum, Foren zu schaffen, in denen Mitarbeiter:innen Gehör finden und Rückmeldungen bekommen, die transparent zeigen, was ihr Engagement für Ihre Organisation und auch die Gesellschaft bewirkt. Denn das ist wie bereits erwähnt ein Hauptgrund, warum man sich für den öffentlichen Dienst entschieden hat.

Wie leben Sie in Ihrer Behörde das kontinuierliche Lernen und die aktive Teilhabe? Schreiben Sie mir, ich freue mich darauf, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Martina Kollof

Strategy Principal Director – Talent & Organization/Human Potential, ASG​

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