Jedes Jahr wirft Fjord-Trends einen Blick in die Zukunft von Wirtschaft, Technologie und Design auch 2020.

Technologie und Gesellschaft, Verwaltung und Politik, Unternehmen und Bürger – alles ist miteinander verwoben und lebt einen steten Wandel, der mal mehr, mal weniger synchron läuft.

Mit den Fjord-Trends 2020 ermittelte das Design- und Innovationslabor von Accenture Interactive die Trends der kommenden zwölf Jahre. Basierend auf den Beobachtungen von 1200 Experten und 33 Studios in einem globalen Netzwerk. Zur Studie

Die wichtigsten sieben Trends beschreiben einen gesellschaftlichen Wandel – und sind somit auch für die öffentliche Verwaltung wertvolle Hinweisgeber auf die Themen der Zukunft.

Hier ein kurzer Überblick der Impulse für die öffentliche Verwaltung:

Sinn vor Gewinn

Deutlich zeigt sich in der Studie: Die Grundwerte verändern sich. Die Menschen erkennen, dass das Tun des Einzelnen Auswirkungen auf den gesamten Planeten hat. Die öffentliche Verwaltung – ohnehin dem Gemeinwohl verpflichtet - muss Entscheidungen für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz und gesellschaftliche Ansprüche prüfen. Auch von der Wirtschaft werden nachhaltigere Konzepte gefordert.

Die wichtigsten Trends und ihre Auswirkungen auf die Verwaltung

Trend 1: „Mehr“ neu definiert

Maximaler Gewinn auf Kosten des Planeten? Ein rotes Tuch für die Kunden und Mitarbeiter. Die Wirtschaft reagiert, in dem sie versucht, den Erfolgsmarker „finanzielles Wachstum“ durch nachhaltige Ziele zu ersetzen.

Für Unternehmen ist diese Denke teilweise neu – für die öffentliche Verwaltung nicht. Der öffentliche Sektor hat lange schon das Ziel, mit den verfügbaren Mitteln dem Wohle der Gesellschaft, dem Standort, dem Leben vor Ort zu dienen und nicht dem eigenen Säckel.

Nun gilt es, diesen Wertbeitrag so zu präsentieren, dass der Nutzen im großen Kontext sichtbar wird – eine Herausforderung, zeigen sich diese Werte doch nicht in den herkömmlichen Messgrößen.

 Trend 2: Geld auf Wechselkurs

Die Welt der Zahlungsmittel wird digitaler. Da ist auch Deutschland keine Ausnahme, auch wenn die Deutschen ihr Bargeld lieben und nicht darauf verzichten wollen.

Auch bei den Bürgerkontakten der öffentlichen Verwaltung gilt daher: Neue, digitale Lösungen müssen her, aber ein gänzliches Verschwinden der Bürgerbüros und Servicecenter für den persönlichen Kontakt soll und wird es nicht geben.

Trend 3: Menschen als laufende Strichcodes

Niemand möchte gerne eine Nummer sein. Und doch: Die Nutzung dezentraler Identitäten ist, insbesondere gefördert durch Konzerne wie Apple und Google, im Massenmarkt angekommen.

Dieser Trend zeigt einen Bereich, in dem die öffentliche Verwaltung massiv hinterherhinkt. Unter der Überschrift BürgerID und Bürgerkonten werden Ansätze digitaler Identitäten entwickelt, die im Kern dem Stand des eCommerce der 90er Jahre entsprechen. Über das „Internet of Bodies“ mit seinen Chancen und Risiken muss dringend aufgeklärt werden. Und: Die Politik ist gefordert, einen zu europäischen Werten passenden Rahmen zu definieren: Was ist erlaubt und was nicht?

Trend 4: Sinn hat Hochkonjunktur

Die Prioritäten verschieben sich. Der Mensch ist nicht mehr nur Konsum und Arbeit. Er sucht nach dem übergeordneten Sinn. Für die öffentliche Verwaltung ist dieser Trend – noch mehr als für andere Arbeitgeber – eine Chance. Es gilt unter anderem, den Wertbeitrag jedes einzelnen Mitarbeiters sichtbarer zu machen – intern und extern.

Trend 5: Künstliche Intelligenz oder intelligent Künstliches

Anfangs diente KI dazu, Prozesse für mehr Effizienz zu automatisieren. Die nächste Stufe: Die KI unterstützt den Erfindergeist des Menschen.

Auch die öffentliche Verwaltung kann dieses Potenzial nutzen:

  • für mehr Service am Bürger
  • zur Unterstützung der Menschen in komplexen Systemen
  • bei der Erfindung neuer Produkte und Services

Aber darin steckt auch Veranwortung, denn der öffentliche Sektor trägt die Pflicht, sicherzustellen, dass Künstliche Intelligenz in seinem Aufgabenbereich auf ethische und verantwortungsvolle Weise genutzt wird.

Trend 6: Der digitale Doppelgänger

Seine Karriere startet das digitale Double als Abbild unserer Daten im „personalisierten Unterhaltungsangebot“. Später wird es zur virtuellen Heimat für alle unsere – eigenverantwortlich verwalteten – Daten werden.

Unternehmen und öffentliche Einrichtungen müssen lernen, ihre Angebote an diese digitalen Doubles anzupassen, um Dienstleistungen und Nutzen zu optimieren – und eine sichere Heimat für den digitalen Zwilling zu werden.

Wer erfolgreich sein will, muss sich jetzt die entscheidende Frage stellen: Wie können wir glaubwürdig zeigen, dass man uns seinen digitalen Zwilling anvertrauen kann?

Trend 7: Das Leben bestimmt das Design

Ein aktueller Schwerpunkt in der Digitalisierung der Verwaltung ist - auch im Zuge des Onlinezugangsgesetzes OZG -die Ausrichtung an den Lebenslagen der Bürger. „Was braucht der Bürger für seine aktuelle Situation?“ – und nicht mehr „Was braucht die Verwaltung, um einen Antrag bearbeiten zu können?“

Der nächste Schritt zieht den Kreis noch weiter über die Einzelperson hinaus: „Was braucht das Wir, die Gesellschaft, der Planet?“

Ein Beispiel aus der öffentlichen Verwaltung sind zukünftige Mobilitätskonzepte ohne oder mit wenig Individualverkehr.

Fazit: Vom ersten bis zum letzten Schritt

Eine Entwicklung steht nie für sich allein, sondern streut in vielerlei Richtungen – der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings. Wichtig für die Entscheider: Die Fjord-Trends sind auf einen 12-Jahreszeitraum ausgelegt. Eine Zeitspanne, bei der es sich auch für Politik und Verwaltung lohnt, die Ausrichtung der eigenen Ziele zu justieren, um alle geplanten und neuen Maßnahmen möglichst gut auf die erwartete gesellschaftliche Entwicklung auszurichten.

Alle Ergebnisse hier im Detail.

Weitere Blog-Beiträge

Alexander Sich

Principal Director – Öffentliche Verwaltung Dach

ABONNEMENT-CENTER
Melden Sie sich bei unserem Accenture's Blog für die öffentliche Verwaltung an! Melden Sie sich bei unserem Accenture's Blog für die öffentliche Verwaltung an!