Für die öffentliche Verwaltung geht es nicht nur um digitale Souveränität

„Die Cloud“ – ein Begriff, der wie eine Nebelwolke durch Diskussionsrunden wabert. Und der Begriff passt, denn wie auch bei den echten Wolken gibt es unterschiedlichste Formen, Funktionen und Aufgaben von Cloud-Lösungen. Besonders aktuell ist das Thema Cloud durch die Corona-Pandemie:  viele Behörden sehen sich mit einem starken Bedarf nach skalierbarer Infrastruktur und Kollaborationslösungen zur Etablierung von Remote Work konfrontiert.

Wenn in der öffentlichen Verwaltung also die Frage gestellt wird „Müssen wir, um zukunftsfähig zu sein, in die Cloud?“, dann sollte zunächst Einigkeit darüber bestehen, welche Art von Cloud gemeint ist. Und der Gedanke geht noch weiter: Nur, wer sich über die Funktionen der gewünschten Cloud im Klaren ist, kann auch Risiken einschätzen, Nutzen abwägen und schließlich eine zukunftsfähige Lösung wählen. Eine, die auch Anforderungen zur digitalen Souveränität erfüllt.

Was ist „Die Cloud“?

Unter dem Begriff tummeln sich im Grunde vier verschiedene Grundmodelle:

  • Private Cloud: Gemeint ist damit die Infrastruktur einer Cloud nur für eine Institution.
  • Community Cloud: Mehrere Institutionen teilen sich eine Cloud-Infrastruktur, wie etwa bei dem Modell der deutschen Bundescloud.
  • Public Cloud: Cloudservices werden von einem Anbieter (beispielsweise der öffentlichen Verwaltung) der Allgemeinheit oder einer großen Gruppe zur Verfügung gestellt.
  • Hybrid Cloud: Mischformen aus Public und Private Cloud wie beispielsweise die Kombination aus MS Office365 und dem MS SharePoint.

Darauf aufbauend gibt es Servicemodelle wie Infrastructure as a Service (IaaS) für Rechenleistung, Netze oder Datenspeicher, Platform as a Service (PaaS) für Datenbankzugriffe oder Entwicklungstools oder Software as a Service (SaaS) für Finanzbuchhaltung, Textverarbeitung oder Datenmanagement.

Was ist die beste Cloudlösung?

Die Frage ist nicht „Welche der Cloud-Lösungen ist die richtige?“. Die Frage muss sein: „Welchen Nutzen in welchem konkreten Anwendungsfeld muss eine Cloudlösung bringen?“

Eine mangelnde Auswahl von Cloudlösungen gibt es schon heute nicht zu beklagen. Accenture unterscheidet heute zwischen mehr als 100 Cloud-Bausteinen und 14 Service-Kategorien– und dieser Werkzeugkasten füllt sich täglich weiter.

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Quelle: Accenture Research

Statt das Angebot zu sichten und dann zu wählen, gilt es, zuerst den Nutzen im jeweiligen Anwendungsfeld herauszuarbeiten, den die Cloudlösung bieten muss.

Was sind also die Schmerzpunkte in der IT? Was sind die wichtigsten Geschäftsprozesse und welche Services fehlen dort aus Sicht der Fachbereiche? Und welche aus Sicht der Fachaufsicht, der Politik, der Bürger?

Je nach Behörde werden unterschiedliche Antworten auf diese Fragen gefunden werden – eine passende Cloudlösung kann daher nur anhand der spezifischen Aufgaben und Bedingungen gefunden und entwickelt werden.

Was kann die Public Cloud leisten?

Ist eine repräsentative Auswahl an Anwendungsfällen – sprich Schmerzpunkten – der öffentlichen Verwaltung gefunden, geht es um die nächste Frage: „Rechtfertigt der Aufwand den Nutzen?“

Um herauszufinden, ob der Wunsch nach einer Public-Cloud-Lösung für die öffentliche Verwaltung auf objektiv bewerteten Pfeilern steht, die auch den Skeptikern standhalten, gibt es (mindestens) fünf kritische Fragestellungen:

  1. Funktion: Ist die gewünschte oder erforderliche Fähigkeit heute und in absehbarer Zukunft nur in der Cloud verfügbar? Gibt es deutlich bessere Features als bei „On-Premise-Software“, also Anwendungen, die auf eigenem Serverplatz installiert sind?
  2. Agilität: Kann auf sprunghaft steigende Anforderungen angemessen reagiert werden?
  3. Datenbestand: Welche Daten werden für den Anwendungsfall in der Cloud benötigt und wie sensibel oder kritisch sind sie?
  4. Kosten: Was werden die voraussichtlichen einmaligen und laufenden Kosten sein, wenn zur Cloudlösung gewechselt wird? Und wenn nicht?
  5. Marktreife: Sind geeignete Cloudlösungen bereits seit längerem auf dem Markt und stabil? Wie lange ist die bisherige Softwarelösung noch verfügbar?

Nur wenn diese Fragen geklärt sind und die Antworten den Wunsch nach einer Cloud-Lösung unterstützen, kann eine öffentliche Verwaltung diesen Weg gehen, ohne auf halber Strecke ausgebremst zu werden.

Und was ist mit der digitalen Souveränität?

Unter der Diskussion  zur „Digitalen Souveränität“ wird zumeist die selbstbestimmte Verwaltung und Kontrolle der verarbeiteten Daten verstanden.

Schaut man genauer hin, verbirgt sich dahinter ein vielschichtiger Anspruch, der bei der Entscheidung, ob eine öffentliche Verwaltung den Weg in die Public Cloud geht, maßgeblich sein sollte.

  1. Kontrolle und Kompetenz im Fall der Ablösung: Wäre der Wechsel zu einem anderen Anbieter oder die Übernahme wichtiger Teile in eine selbst betriebene Lösung möglich?
  2. Kontrolle und Zugriff auf Daten: Ist der Zugriff auf die Daten auch jenseits der eingesetzten Software möglich? Hat die Behörde jederzeit vollständige Kontrolle darüber?
  3. Schnittstellen zu Alternativen: Bieten Datenformate und Schnittstellen einen einfachen Wechsel zu alternativen Lösungen? Werden Standards verwendet, die auch bei lizenz- und kostenfreier Software genutzt werden?
  4. Quellcode und Hardware: Kann der Quellcode unabhängig überprüft werden?
  5. Standort und Standards: Befindet sich der Anbieter in Deutschland oder der EU? Untersteht er dieser Gerichtsbarkeit oder stellt er zumindest über entsprechende Verträge die Einhaltung der geforderten Standards sicher?

Fazit:

Soll eine Public Cloud in der öffentlichen Verwaltung Einzug finden, geht es um mehr als nur die reine Umsetzbarkeit. Kritische Diskussionen müssen vorausgedacht, Szenarien durchgespielt und klare, nützliche und strategische Ziele in konkreten Anwendungsfeldern transparent gemacht werden.

Von der ersten Idee bis zur Umsetzung.

Alexander Sich

Principal Director – Öffentliche Verwaltung Dach


Dr. Mario Walther

Geschäftsführer – öffentliche Verwaltung DACH

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