Agile Prinzipien sind in den meisten Softwareentwicklungsprojekten bereits seit mehreren Jahren ein fester Bestandteil. Im Fokus stehen dabei oft etablierte Softwareentwicklungsmethoden wie Scrum, SAFe oder Kanban. All diese Frameworks konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit der Menschen untereinander, den Arbeitsprozess und den Mindchange in der Organisation. Auf das Thema Qualität wird meist nur implizit Bezug genommen. Genau dieser Bereich der ganzheitlichen Qualitätsoptimierung und speziell der effiziente Einsatz von Tools und Testautomatisierung soll in diesem Artikel anhand des House of Agile Testing genauer betrachtet werden.

Das House of Agile Testing gibt Leitlinien für eine gesunde Qualitätssicherung im skalierten agilen Umfeld. Es bildet ein Rahmenwerk, mithilfe dessen man die Aufgaben bei der agilen Transformation im richtigen Maße priorisieren kann. Dazu benötig es fünf Bestandteile, auf die im Folgenden eingegangen wird.

In der Säule „Menschen und Rollen“ gilt es, Fragen bezüglich der künftig notwendigen Rollen zu beantworten. Die Ausgestaltung hängt von der gewählten agilen Softwareentwicklungs- bzw. Skalierungsmethode ab und auch davon, ob Spezialrollen für den Test benötigt werden. Direkt damit verbunden ist die Frage nach dem notwendigen technischen Wissen und Verständnis in den einzelnen agilen Rollen. Insbesondere ist zu klären, in welchem Umfang und welcher Tiefe technisches Wissen auf- und ausgebaut werden muss. Erst nach dieser Klärung werden die organisatorischen Strukturen weiterentwickelt und letztlich die neuen oder angepassten Rollen in der Organisation etabliert. 

Die Säule „Ansatz“ widmet sich der Frage nach dem Testansatz, der sich aus dem gewählten Liefervorgehen ableitet. Insbesondere bei der Einführung von Agilität in komplexen IT-Systemlandschaften, wird zu Beginn einer agilen Transformation meist ein hybrider Ansatz verfolgt. Die Software wird dann oftmals in Sprints entwickelt, aber erst nach mehreren Monaten im Rahmen eines „normalen“ Release live gesetzt. Bei solchen Vorgehensweisen ist zu klären, welche Inhalte innerhalb der Sprints getestet werden können und welche Teile der Software nachgelagert geprüft werden müssen.

Die Säule „Tools“ beinhaltet die technischen und prozessualen Fragen der Toolauswahl. Es ist zu klären, welche Testautomatisierungstools am besten den gewählten Entwicklungsansatz unterstützen und ob bestehende eigenentwickelte Testautomatisierungstools weiterverwendet werden können. Gleichzeitig muss betrachtet werden, welche und wie viele Testumgebungen benötigt und wie diese mit Testdaten versorgt werden. Für ein effizientes Liefer- und Testvorgehen ist dann insbesondere die Einbettung der einzelnen Tools und Umgebungen in eine End-to-End-Tool-Pipeline zu beachten. Dabei ist auch zu beachten, dass in der Entwicklung über mehrere Teams eine übergreifende und einheitliche Regression in der Testautomatisierung ermöglicht wird. All das sollte der Vision einer Continuous Integration dienlich sein.

Das Ziel bleibt jedoch, egal welches Liefermodell gewählt wird. Ob Agile, Wasserfall oder eine Mischform: Wie ist es möglich, die Qualität aus der „alten Welt“ ebenso gut oder sogar hochwertiger in nur einem Sprint für das „potentially shippable product“ sichern?

Weiterführende Links:

»Qualitätssicherung im Kontext von grossen agilen Softwareentwicklungsprojekten« 

»Von der Testpyramide zur Testtanne als Methode zur Toolintegration«

 

Thomas Karl

Test Architecture Eng Senior Manager


Nico Liedl

Test Architecture Eng Manager

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