Eine riesige Chance für Öl- und Gas Unternehmen zu einer nachhaltigen Zukunft?

Der Flugverkehrsmarkt ist für einen signifikanten Teil der Umsätze der Öl-und Gas Branche verantwortlich. Während dieser Absatzmarkt in den letzten Jahren pandemiebedingt mit schweren Bedingungen zu kämpfen hatte - Reisewarnungen, Homeoffice, Leerflüge und Insolvenzprobleme - ist der Markt auf der anderen Seite optimistisch, dass auf Grund der zunehmenden Weiterentwicklung und Vernetzung der gesamten Weltwirtschaft spätestens bis 2024 wieder ein Niveau der Passagiernachfrage wie vor der Pandemie erreicht wird.1) Damit einhergehend wird jedoch auch der enorme CO2 Ausstoß der Luftfahrt zunehmen, der momentan bereits 2% der weltweiten Emissionen ausmacht, nahezu gleich viel wie der Zug- und Schiffsverkehr zusammen.2) Dies führt unweigerlich zu einem stärkeren Fokus auf nachhaltigere Alternativen zum herkömmlichen Treibstoff, auf diesen sich die Lieferanten einstellen müssen. Die vielversprechendste Möglichkeit im Flugverkehr, kurz- und mittelfristig CO2 Emissionen zu senken, sind Sustainable Aviation Fuels, kurz SAF, welche über den gesamten Lebenszyklus bis zu 80% weniger CO2 ausstoßen als herkömmlicher Treibstoff. Auch die EU hat dieses Potential bereits erkannt und als Teil ihres „Fit for 55%“ Programms einen schrittweisen Anstieg des SAF Anteils von 63% am Gesamtverbrauch bis 2050 beschlossen.

Was ist SAF?

Unter SAF werden verschiedene Kraftstoffe sowie deren Herstellungsmöglichkeiten zusammengefasst, die in vier Hauptkategorien unterschieden werden:

  • HEFA, dessen Herstellung auf Ölen, Fetten oder Algen beruht
  • ATJ (Alcohol to Jet), bei dem aus Alkohol Flugzeugtreibstoff gewonnen wird
  • FT (Fischer Tropsch), für das synthetisches Gas benötigt wird, das durch die Fischer Tropsch Synthese zu Kraftstoff umgewandelt wird
  • P2L (Power to Liquid), bei dem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien zusammen mit CO2 aus der Luft durch verschiedene Verfahren zu Treibstoff verarbeitet wird

Chancen und Herausforderungen

Momentan stellt SAF nur rund 1%3) des gesamten Flugzeugkraftstoffmarktes dar, jedoch wird diese Menge rapide zunehmen müssen, um den nationalen und supranationalen Verpflichtungen nachzukommen. Nicht nur diese vorgegebene Nachfrage ist der Grund für das enorme Wachstumspotential des erwarteten Multimilliarden SAF Marktes:

  • Der Markteintritt hat ökologische Vorteile, da deutlich weniger CO2 ausgestoßen wird.
  • Aus wirtschaftlicher Sicht birgt SAF den Vorteil, dass dessen Preis nicht so volatil wie herkömmlicher Kraftstoff ist.
  • Lokal produziertes SAF führt zu höherer Energiesicherheit.

Diesem Potential stehen jedoch auch einige Herausforderungen gegenüber, die den Markteintritt erschweren können:

  • Ein genaues Marktpotenzial sowie die Zahlungsbereitschaft der Kunden lassen sich im Moment schwer bestimmen.
  • Die starke Nachfrage nach SAF wird bisher nur von wenigen Produktionsstätten gedeckt, deren Skalierbarkeit unbekannt ist.
  • Die Entscheidung, SAF zu produzieren ist an hohe Anfangsinvestitionskosten geknüpft.
  • Das Fehlen eines klaren rechtlichen und politischen Rahmens führt zu Unsicherheiten und damit auch zu der Tatsache, dass die Unternehmen noch nicht bereit oder in der Lage sind, sich langfristig auf SAF festzulegen.
  • Im Vergleich zu der Herstellung herkömmlicher Treibstoffe hat SAF eine stark veränderte Wertschöpfungskette.

Zeit für Öl- und Gas Unternehmen zu handeln

Der SAF Markt stellt trotz dieser Hindernisse insbesondere für Öl- und Gas Unternehmen ein enormes Potential dar. Gründe hierfür sind:

  • Eigene CO2 Ausstöße können in der SAF Produktion beispielsweise für Power to Liquid direkt wiederverwendet werden.
  • Vertikale Integration der Wertschöpfungskette, welche neben SAF auch Erneuerbare Energien und Wasserstoff umfasst.
  • Ihr bereits bestehendes Logistiknetzwerk lässt sich mit einem vergleichsweise geringen Aufwand auch für den SAF Transport nutzen.
  • Produktionsstätten sind bereits vorhanden und müssten nur umgerüstet werden.
  • Potential für zahlreiche Innovationen und Entwicklung neuer Produkte.
  • Neue Partnerschaften, Geschäftsentwicklungen und -modelle.
  • Bedienen eines Marktes, der in Zukunft durch Mandate vorgeschrieben sein wird.
  • Der eigene Betrieb kann durch SAF dekarbonisiert werden, inklusive der Scope 3 Emissionen.

Je schneller Öl- und Gas Konzerne dieses Potential erkennen und handeln, desto geringer ist die Gefahr, dass zukünftiges Marktpotential verloren geht, indem Versorgungsunternehmen ihre Lieferkette vertikal integrieren oder Kunden selbst mit der SAF Produktion beginnen. Unternehmen müssen nun schnell und effizient Lücken in der SAF Wertschöpfungskette identifizieren und schließen, um den Zugang zum Zukunftsmarkt und den Anschluss an führende SAF Produzenten nicht zu verlieren.

 

Public Sources

  • Based on IATA (2020)
  • Based on Our World in Data (2020)
  • Based on Accenture Analysis

Björn Bernhardt

Principal Director – Strategy & Consulting, Energy, Europe

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