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March 22, 2019
Netzgeschäft: letzte Hoffnung oder wunder Punkt für Energieversorger?
von: Timo Graf

Der Netzbetrieb ist für viele Energieversorger bisher höchst profitabel. In Zeiten des Umbruchs liefert das Geschäft konstante Gewinne und ist damit eine wichtige Quelle der für Zukunftsinvestitionen benötigten Finanzmittel. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

Die Herausforderungen sind groß – und vielfältig. Zum einen muss stetig in die Netzstabilität investiert werden, um den Anforderungen der Energiewende gewachsen zu bleiben. Zum anderen wird die Netzinfrastruktur immer komplexer, was der zunehmenden Dezentralisierung unserer Energielandschaft geschuldet ist. Um die damit verbundenen technischen Herausforderungen zu meistern und die immer kleinteiligeren Netze so gut wie möglich zu steuern, sind ebenfalls hohe Investitionen nötig. Drittens, ist unklar, wie sich der Energiebedarf zukünftig entwickelt: Einerseits steigt die Energieeffizienz sowohl in der Produktion wie auch in Privathaushalten, andererseits könnte die sogenannte Verkehrswende - dazu zählt unter anderem der Umstieg auf Elektromobilität - einen Nachfragesprung auslösen. Viertens, bleibt die staatliche Regulierung, insbesondere was Vorgaben zur Preisgestaltung betrifft, ein Unsicherheitsfaktor für die Planungen der Netzbetreiber.

Nun sollte man angesichts dieser Bestandsaufnahme meinen, dass der Blick in die Zukunft eher nüchtern ausfällt. Jedoch ist das Gegenteil der Fall, wie eine aktuelle Studie von Accenture zeigt: 97 Prozent der von uns weltweit befragten Manager in Energieunternehmen erwarten, dass spätestens ab 2025 die Erträge im Netzgeschäft wieder steigen werden. Ihren Optimismus ziehen sie zum einen aus den schlankeren Kernprozessen, die derzeit aufgebaut und zum Beispiel durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz ermöglicht werden. 54 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass dadurch die Effizienz und damit auch die Erträge steigen werden.

Mindestens genauso bedeutsam für die zukünftige Geschäftsentwicklung sind neben effizienteren Prozessen laut Umfrage jedoch auch die höhere Leistungsfähigkeit des Netzes durch intelligente Technologien (50 Prozent), neue Umsatzmöglichkeiten im Kerngeschäft mit der Stromübertragung (43 Prozent), neue Angebote rund um Microgrids (40 Prozent) sowie der Ausbau von Anlagen für die dezentrale Stromerzeugung und in Energiespeicher (40 Prozent).

Die zunehmende Digitalisierung der Energieversorgungsnetze - etwa durch die Einführung intelligenter Messsysteme - eröffnet den Netzbetreibern auch ganz neue Spielräume im Geschäft mit den Endverbrauchern. Dabei spielen insbesondere neue Services rund um Energiespeicherung und Netzsteuerung sowie Optimierung kleinteiliger Stromnetze eine wichtige Rolle. So sehen mehr als drei Viertel der befragten Führungskräfte (77 Prozent) die Aufbereitung von Informationen rund um Entgelte und Tarife als Wachstumsfeld. Mehr als zwei Drittel der Befragten versprechen sich großes Potenzial von Informationen und Benachrichtigungen rund um Demand Response Management (71 Prozent) und 69 Prozent wollen mit Informationen rund um den tatsächlichen Energieverbrauch der Endkunden punkten. Der Netzbetreiber der Zukunft: Datenunternehmen und Informationsbroker.

Trotz aller Herausforderungen bleibt der Netzbetrieb also ein lukratives Geschäftsfeld. Mehr noch: Die Netze werden in unserem zukünftigen Energiesystem sogar noch an Bedeutung gewinnen. Eine ganz entscheidende Rolle kommt dabei den digitalen Technologien zu, die nicht nur die Netzsteuerung revolutionieren, sondern auch neue Services für den Endverbraucher ermöglichen. Die heutigen Investitionen werden sich also ‚doppelt‘ auszahlen.

Die komplette Studie können Sie hier lesen.

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