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PRESSE


Ungleich unter Gleichen? Österreichische Männer überschätzen Chancengleichheit von Frauen im Beruf

Pressemitteilung

Wien, 8.3. 2012 – Sechsmal so viele Männer wie Frauen in Österreich glauben, dass Frauen in der Arbeitswelt gleich behandelt werden. Das zeigt die aktuelle Ausgabe einer Studie, die der Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister Accenture jedes Jahr zum Internationalen Frauentag veröffentlicht.

40 Prozent der berufstätigen befragten Männer stimmen der Aussage zu: "Am Arbeitsplatz sind Frauen und Männer gleich". Dieser Meinung sind nur sechs Prozent der befragten Frauen. Dafür kommt fast die Hälfte (48%) zu der Einschätzung, bis zur tatsächlichen Gleichbehandlung sei es noch ein langer Weg in Österreich.

"Frauen müssen heute im Berufsleben immer noch viele Steine aus dem Weg räumen, bei allen Fortschritten der letzten Jahrzehnte", sagt Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture und verantwortlich für den Bereich Human Capital & Diversity. "Ein besonders großer Brocken in Österreich ist der Glaube vieler Männer, dass die Chancengleichheit mittlerweile besteht oder so gut wie erreicht ist."

Diese Wahrnehmung berge die Gefahr für Arbeitgeber, nicht immer die optimale Personalentscheidung zu fällen. Arbeitet eine Frau zum Beispiel Teilzeit, weil sie Kinder hat, zieht ein Vorgesetzter sie oft aus falsch verstandener Rücksichtnahme nicht in Betracht für eine Position mit mehr Verantwortung - selbst wenn sie die beste Kandidatin dafür ist.

"Kein Arbeitgeber gesteht sich gerne ein, dass bei ihm keine Chancengleichheit herrscht. Das entspricht nicht der gesellschaftlich akzeptierten Meinung", sagt Catrin Hinkel. "Es ist einfacher zu glauben, das Problem der Chancenungleichheit sei behoben, als eine Lösung dafür zu finden."

Immerhin 44 Prozent der befragten berufstätigen Frauen in Österreich sagen, dass ihr berufliches Fortkommen gelitten hat, seit sie Mütter sind (Väter: 20%). Nur 17 Prozent können auf Voll- oder Teilzeitkinderbetreuung zurückgreifen - gravierend weniger als zum Beispiel in Deutschland (50 Prozent).

21 Prozent der berufstätigen Mütter können laut eigenen Angaben auf den (Ehe-)Partner zählen, wenn es um die Betreuung der Kinder geht, jedoch 52 Prozent der Männer. Familiäre Verpflichtungen allgemein hindern 40 Prozent der Frauen daran, beruflich weiterzukommen (M: 10%).

"Viele Frauen steigen nach der Geburt ihrer Kinder nicht auf ihren vorherigen Positionen wieder ein und erreichen später nicht die Positionen, die sie von ihrer Qualifikation her bekleiden könnten", sagt Catrin Hinkel. "Dieser "Brain Drain" wirkt schwerer als alle Ab- und Auswanderung. Arbeitgeber sollten sich das nicht länger leisten."

Verbreitet ist eine andere Praxis. Die befragten Frauen und Männer geben an, der Arbeitgeber unterstütze Frauen beim beruflichen Fortkommen vor allem in fachlicher Hinsicht, durch Fortbildungen und andere Lernangebote (56%). Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet dagegen nach Angabe der Befragten nur eine von vier Organisationen an (23%).

"Dass es an vielen Stellen in Berufsleben keine Chancengleichheit gibt, liegt nicht allein an der Sichtweise von Männern und gewachsenen Strukturen", sagt Franzeska Papargyropoulou, Leiterin des Frauennetzwerks bei Accenture in Österreich. "Für verpasste Karrierechancen müssen sich Frauen auch an die eigene Nase fassen."

So geben nur 40 Prozent der befragten Frauen an, ihre Karriere aktiv zu managen (M: 54%). Doch tatsächlich spricht jede dritte nie oder selten mit ihrem Vorgesetzen darüber, wie es im Job weitergehen könnte (M: 40%).

Laut Franzeska Papargyropoulou ist das das Äußern der eigenen Wünsche eine zentrale Voraussetzung für das Vorwärtskommen: "Viele Frauen glauben, dass Arbeit und Einsatz für sich sprechen, und automatisch belohnt werden", sagt Franzeska Papargyropoulou. "Das allein reicht in den meisten Fällen jedoch nicht. Man muss klare Signale setzen, dass man weiterkommen will."

Mehr Männer als Frauen holen sich zum Beispiel Rat für die eigene Karriere von Vorgesetzten (M: 32%, F: 20%) und signalisieren so ihren Aufstiegswillen. 36 Prozent tauschen sich über Karriereperspektiven im Kollegenkreis aus (F: 30%).

"Das Potenzial, das Österreich durch ungenutztes Talent von Frauen verloren geht, ist enorm", sagt Klaus Malle, Country Managing Director Accenture Österreich. "Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, und wir brauchen mehr Ingenieurinnen und Frauen in IT- Jobs. Gerade in technischen Berufen haben Frauen beste Karriereperspektiven. 1.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt allein Accenture dieses Jahr im deutschsprachigen Raum ein, vor allem im Bereich Technologie, zum Beispiel SAP."

Aber es zeigt sich auch ein Silberstreifen am Horizont: Der Anteil der Frauen, die ihren Arbeitgeber auf eine Beförderung angesprochen haben, hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt, von 18 Prozent auf 32 Prozent. 63 Prozent waren damit erfolgreich, ebenfalls fast doppelt so viele wie im Jahr davor (33%).

Insgesamt, so die Erhebung, ist die Job-Zufriedenheit unter Männern und Frauen in Österreich gleichermaßen hoch. 64 Prozent der befragten Männer und 68 Prozent der Frauen waren 2011 zufrieden mit ihrer beruflichen Situation, ähnlich wie im Jahr davor (M: 58%, F: 58%). Allerdings hatten 2011 mehr Berufstätige das Gefühl, unterbezahlt zu sein: 26 Prozent der Männer gegenüber 22 Prozent 2010, 26 Prozent der Frauen gegenüber 18 Prozent 2010.

Über die Untersuchung

Kontakt

Accenture GmbH
Peter Auer
Marketing & Communications
Tel.: + 43 1 20502 33142

E-Mail an Peter Auer. Hier öffnet sich ein neues Fenster.

Die Untersuchung umfasst 3900 Personen (Männer und Frauen) in 31 Ländern. In Österreich wurden 50 berufstätige Frauen und 50 berufstätige Männer in mittelgroßen bis großen Unternehmen befragt, mit dem Schwerpunkt auf Angestellten mit im weitesten Sinne Bürotätigkeit. Die Befragung fand im November und Dezember 2011 statt.