Energieversorger in der Pflicht
Ein Großteil der Verbraucher begreift die Verwirklichung der intelligenten Stadt vorrangig als Aufgabe der regional oder bundesweit tätigen Energieversorger. Dabei ist der Vertrauensvorschuss der Verbraucher in regionale Energieunternehmen größer als in bundesweite Anbieter. Ebenfalls als Kompetenzpartner wahrgenommen werden Universitäten und Forschungseinrichtungen (55%), Verwaltung und Politik (51%) und IT-Unternehmen (31%).
Versorger: Kompetent, aber sie müssen Verbrauchervertrauen steigern
Zwar erkennt jeder zweite Bürger die grundsätzliche Zuständigkeit (41%) und Ressourcenstärke (44%) der Versorger an. Aber Stromverkaufen und Stromsparen sind schwer in Einklang zu bringen. Vier von fünf Deutschen (80%) halten diesen Interessenskonflikt für problematisch. Zwei Drittel (64%) zweifeln sogar offen an, dass seitens der großen Versorger ernstes Interesse an einer Reduktion des Energieverbrauchs besteht. Deren bisheriges Engagement für die Verwirklichung einer intelligenten Stadt halten drei Viertel der Befragten (75%) zudem für unzureichend. Für rund die Hälfte der Verbraucher (54%) sind stabile oder sinkende Strompreise dabei das Zukunftsthema Nummer eins, gefolgt vom weiteren Ausbau erneuerbarer Energien (38%) und intelligenter Stromnetze (33%), dem Einbau intelligenter Stromzähler (30%), Energieberatungsleistungen (29%) und Unterstützung bei der energieeffizienten Gebäudemodernisierung (30%).
„Den Regionalversorgern und Stadtwerken ist es gelungen, sich im Zuge der Marktliberalisierung bei den Verbrauchern ein Stück weit als Alternative zu den ‚big four‘ zu positionieren“, sagt Stephan Werthschulte. „Von diesem Bonus zehren sie noch. Im Hinblick auf die Herausforderungen, die das Konzept der intelligenten Stadt mit sich bringt, reicht es aber nicht, günstig Strom zu verkaufen und Kundennähe zu leben. Hier braucht es Ausdauer und den Willen zum Wandel, denn sicher ist: Es wird erst einmal teuer. Nicht alles, was technisch möglich ist, lässt sich heute in einen tragfähigen Business Case fassen. Wer die neue Energiewelt vor Ort aktiv gestalten will, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er spezialisiert sich, treibt ein oder einige Themen gezielt voran und positioniert sich so in dieser Nische. Oder er entwickelt eine Vision, die alle Wertschöpfungsstufen einer intelligenten Stadt berücksichtigt. Der zweite ist sicherlich nicht der schnelle Weg zur maximalen Rendite, und dieser große Wurf kann nur gelingen, wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen – ohne Kooperationen geht es nicht.“
Über die Studie:
Für die repräsentative Studie „Intelligente Stadt” hat Accenture in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Forsa bundesweit 1.002 Verbraucher im Alter zwischen 18 und 69 Jahren befragt.
Unter dem Begriff der „intelligenten Stadt“ wird die Idee verstanden, den CO2-Ausstoß zu verringern, mehr erneuerbare Energien einzusetzen, die Verkehrs- und Telekommunikationsnetze zu verbessern und die Städte insgesamt zukunftsfähiger, sicherer und komfortabler zu machen. So hat etwa die „Smart City Amsterdam“ sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe energieeffizienter Häuser und intelligenter Stromzähler den Energieverbrauch deutlich zu verringern. Es werden Stadtbusse mit Elektroantrieb eingesetzt, die Straßenbeleuchtung wird mit Energiesparlampen ausgestattet, und der öffentliche Nahverkehr wird ausgebaut. Außerdem sollen in einer „intelligenten Stadt“ die Bürger besser einbezogen werden, zum Beispiel. indem sie Probleme direkt per Handy oder Smartphone an die Stadtverwaltung melden können oder besser über geplante Projekte informiert werden.
Weitere Informationen zur Studie:
Mirko Alexander Lück, Leiter der Pressestelle Accenture GmbH
Tel.: +49 (0)6173 94 65 844
E-Mail: mirko.lueck@accenture.com