Kronberg, 8. Februar 2006 – Die Versicherungsbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Der zunehmende Wettbewerbsdruck – ausgelöst beispielsweise durch regulatorische Neuerungen und abnehmende Kundenloyalität – wird den deutschen Versicherungen in den nächsten Jahren ein hohes Maß an Innovationsbereitschaft abverlangen. Zentrale Veränderungen werden sich etwa bei den Marktstrukturen, den Vertriebskanälen und dem Leistungs- und Produktangebot zeigen. So gewinnen in punkto Vertriebswege im Bereich Leben etwa Banken und unabhängige Berater stark an Bedeutung – der klassische Außendienst gerät dagegen unter Druck. Im Bereich Nicht-Leben werden sich z. B. die Produkte verändern, etwa in Richtung einer stärkeren Naturalrestitution. Ebenso wird die Standardisierung von Prozessen und Produkten in der Versicherungswirtschaft zunehmen. Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture und der Universität St. Gallen.
„Die Veränderungskräfte in der Versicherungswirtschaft gewinnen an Dynamik", sagt Prof. Dr. Michael Junker, Geschäftsführer im Bereich Finanzdienstleister bei Accenture. „Für die kommenden zehn Jahre erwarten die Teilnehmer der Studie einen intensiveren Wettbewerb, ausgelöst etwa durch neue supranationale gesetzliche Auflagen, eine zunehmende Preissensibilität und gleichzeitig abnehmende Loyalität der Kunden." Diese Entwicklung fördert auch die Vereinheitlichung und Standardisierung der Prozesse und treibt die Industrialisierung der Versicherungswirtschaft voran. Erfolgreiche Unternehmen werden künftig zur Unternehmenssteuerung verstärkt Finanzkennzahlen und Leistungsindikatoren von Mitarbeitern und Kunden verwenden, um die wichtigsten Geschäftsprozesse besser zu erfassen.
Im attraktiven Geschäft mit den Lebensversicherungen bzw. der Altervorsorge liegt die Zukunft des Vertriebs in einer intensiveren Beratung. Neben steuerlichen Gesichtspunkten von Produkten sowie einer sich ändernden Gesetzgebung müssen auch Aspekte der persönlichen Risiko- und Finanzplanung vermehrt berücksichtigt werden. Im Hinblick auf die Vertriebswege gehen die Befragten davon aus, dass der gebundene Außendienst immer stärker unter Druck geraten wird. Zu den Gewinnern im Vertriebsbereich werden dagegen unabhängige Berater und Banken gehören.
Für den Vertrieb werden das Branding und die Kundensegmentierung in der Zukunft erfolgsentscheidend sein. So ist etwa für 62 Prozent der Befragten in Deutschland die Marke eines Unternehmens entscheidend für den direkten Erfolg beim Kunden (gesamte Studie 48 Prozent). Kundensegmentierung nennen die deutschen Teilnehmer an zweiter Stelle, vor der Sozialkompetenz der Berater und dem Multichanneling, dem Zugang der Kunden zu einer Versicherung über verschiedenartige Kanäle (Internet, Vertreter, alternative Kanäle u. a.).
Die Industrialisierung wird eine Verringerung der Wertschöpfungstiefe in den Versicherungen, die heute noch zwischen 80 und 90 Prozent liegt, mit sich bringen. Im Jahr 2015 wird dieser Wert nach Einschätzung der deutschen Studienteilnehmer nur noch bei 69 Prozent liegen (gesamte Studie 67 Prozent). Underwriting und Produktentwicklung werden nach Einschätzung der Befragten von den meisten Unternehmen noch selbst erledigt werden, der Bereich Informationstechnologie wird am ehesten outgesourct.