Aber – so die einhellige Meinung: Es gibt viel zu wenige davon. Insbesondere in den Bereichen Wirtschaft und Politik sind überzeugende Vorbilder Mangelware. Welche Bedeutung Vorbilder heutzutage haben, wie sie für die berufliche wie auch private Karriere- und Lebensplanung genutzt werden, und welche Unterschiede sich diesbezüglich zwischen Frauen und Männern feststellen lassen - dieser Frage ist die Untersuchung „Frauen und Vorbilder“ nachgegangen, die heute anlässlich der 4. „World Women Work“-Konferenz in Berlin vorgestellt wird.
Das Ergebnis: Bezüglich der wünschenswerten Charaktereigenschaften unterscheiden sich die Vorbilder männlicher und weiblicher Führungskräfte kaum. Sozialkompetenz (84 Prozent), Kommunikationskompetenz (80 Prozent), und eine vorbildliche Lebensführung und -einstellung (77 Prozent) sollten sie besitzen: "Eben möglichst viel von allem. Ein Vorbild als jemand, von dem man sowohl persönliche Integrität als auch Professionalität erwartet, und der schon heute die Schuhe trägt, die einem selbst noch einige Nummern zu groß sind“, bringt es Accenture-Geschäftsführerin Susanne Klöß auf den Punkt. Allerdings: Mit kurzlebigen Idolen wie Society-Größen können die meisten Befragten wenig anfangen. "Was wir als Vorbilder brauchen, sind Fixsterne statt Sternschnuppen", so Klöß. Denn mag sich die Gesellschaft im Zuge der Globalisierung und Individualisierung auch permanent wandeln - "Werte überdauern Moden".
Auch das Geschlecht der gewählten Vorbild-Figur ist nach Aussage der Befragten von nebensächlicher Bedeutung. Allerdings geben knapp drei Viertel der Männer (72 Prozent) und rund ein Drittel der Frauen (32 Prozent) an, momentan überwiegend männliche Vorbilder zu haben. "Historisch betrachtet haben es einfach weniger Frauen geschafft, als Persönlichkeiten in die Geschichte einzugehen. Außerdem ist die Quote der Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, nach wie vor zu gering, als dass sich das bereits auf die Wahl der Vorbilder auswirken könnte", so Susanne Klöß. Hinzu kommt die interessante Feststellung, dass nur ein Viertel aller Befragten überhaupt der Auffassung ist, dass es geschlechterspezifischer Vorbilder speziell für Frauen bedürfe. Weibliche Führungskräfte verneinen diese Notwendigkeit sogar noch stärker (51 Prozent) als ihre männlichen Kollegen (44 Prozent).
In den Anforderungen, die sie an ihr Vorbild stellen, unterscheiden sich Männer und Frauen kaum. Männer binden ihre Wahl jedoch enger an konkrete, oft berufliche Lebensumstände, gehen bei der Vorbild-Suche pragmatisch vor , wohingegen Frauen oft, unabhängig von ihrer momentanen Situation, an einem Vorbild festhalten, dem sie ihr Leben lang nacheifern und "treu" sein können. "Männer sehen Vorbilder eher als Lebensabschnitts-Coachs, die sie im wesentlichen bei der Karriere unterstützen", so Susanne Klöß. Eine Folge hiervon: Auch wenn die Suche nach Vorbildern im privaten Umfeld sowohl bei Männern (35 Prozent) als auch bei Frauen (53 Prozent) auf Platz eins liegt, suchen und finden Männer ihre Vorbilder doch in erheblich größeren Umfang als Frauen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
Dabei können, so ein Fazit der Studie, Frauen und Männer im Bezug auf Vorbilder gleichermaßen voneinander lernen. Klöß: "Frauen sollten ihre Vorbilder operativer nutzen und gezielter einsetzen - nicht zuletzt als Wegweiser für die persönliche Karriereentwicklung. Und auch die Männer sollten sich in ihrem Eigenbild als 'Macher' - insbesondere im Hinblick auf die vielfach eingeforderte soziale Kompetenz - von unterschiedlichen Vorbildern inspirieren lassen."
Zur Methodologie der Studie
Im Rahmen der Accenture-Studie "Frauen und Vorbilder" wurden im Januar 2005 insgesamt 246 Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz per Online-Fragebogen befragt. Mit sechs weiteren Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik wurden qualitative Interviews durchgeführt. Von den Befragten waren 65 Prozent Männer und 35 Prozent Frauen. Alle Befragten tragen Personalverantwortung.
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