Kronberg, 2. November 2005 – Die Lage der deutschen Konsumgüterwirtschaft ist alles andere als rosig: Knallharter Wettbewerb, stagnierende Umsätze und sinkende Margen setzen die Unternehmen unter Druck. Ein möglicher Weg aus der Krise ist die konsequente Umsetzung des Managementansatzes Efficient Consumer Response (ECR). Er verspricht nicht nur Gesamtkostensenkungen von bis zu 2,3 Prozent, sondern auch Umsatzsteigerungen von bis zu zwei Prozent – und das bemerkenswerterweise in einem tendenziell schrumpfenden Markt. Zu diesem Ergebnis kommt die ECR-Trendstudie 2005, die das Beratungsunternehmen Accenture in Zusammenarbeit mit der Lebensmittel Zeitung (Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main), und GS1 Germany, dem Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum für unternehmensübergreifende Geschäftsabläufe in der deutschen Konsumgüterwirtschaft, erstellt hat.
„Viele Unternehmen haben das Potenzial, ihren Gewinn zu verdoppeln, wenn sie stärker miteinander kooperieren würden“, sagt Andrew Thorndike, Partner im Bereich Konsumgüter und Handel bei Accenture. „Wer bei ECR eine Vorreiterrolle übernimmt, wird sich einen strategischen Wettbewerbsvorteil sichern.“ Optimale Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette bieten dem Konsumenten im Unterschied zu singulären Verbesserungen durchgängig hervorragenden Service mit Mehrwert: Die Ware ist ständig verfügbar und wird dem Endverbraucher in zielgruppengerechten Sortimenten präsentiert.
Dementsprechend sieht eine Mehrzahl der Experten in ECR einen integrierten Managementansatz, dessen Relevanz für das Erreichen der Unternehmensziele weiterhin zunehmen wird. Auf einer Skala von 0 Prozent (irrelevant) bis 100 Prozent (höchst relevant) misst der Handel ECR gegenwärtig einen Wert von 63 Prozent zu, während ECR bei der Industrie einen Wert von 59 Prozent erreicht. „Die Relevanz von ECR wird in den kommenden Jahren weiterhin stark zunehmen“, sagt Markus Kirchner, für die Studie verantwortlicher Projektmanager bei Accenture. „In drei Jahren wird die Bedeutung von ECR im Handel bei 71 Prozent und in der Konsumgüterindustrie bei 77 Prozent liegen.“
Die Umsetzung von ECR in die Praxis findet allerdings bei weitem nicht in dem Maße statt, wie man erwarten könnte. Der Umsetzungsgrad liegt gegenwärtig lediglich bei 17 Prozent im Handel beziehungsweise bei 32 Prozent in der Industrie. In drei Jahren sagen die Experten einen Wert von 28 Prozent im Handel und von 48 Prozent in der Industrie voraus.
Als Haupthindernisse nennen die befragten Unternehmen die fehlende Priorisierung des Themas ECR auf der Agenda des Managements, unzureichende Verfügbarkeit, Qualität und Kompatibilität von Daten sowie fehlendes Vertrauen und die mangelnde Kooperationsbereitschaft zwischen Handel und Industrie. „Diese Hindernisse lassen sich überwinden“, sagt Andrew Thorndike. „Dazu muss ECR jedoch zu einem Top-Thema des Managements werden. Solange dies nicht geschieht, werden wir keine nachhaltigen Erfolge sehen.“
ECR steht für die kundenorientierte und ganzheitliche Betrachtung der gesamten Versorgungskette. Mit ECR sollen die Prozesse „vom Kunden des Kunden bis zum Lieferanten des Lieferanten“ industrieweit und zunehmend auch länderübergreifend optimiert werden. Auf diese Weise lassen sich Kosten senken und Umsätze steigern. Die Markt- und Wettbewerbsfähigkeit der Prozessteilnehmer wird auf lange Sicht gestärkt.
Zur Studie
Für die ECR-Trendstudie 2005 wurden im Sommer dieses Jahres 312 Experten aus Handel und Industrie befragt. Die Erhebung erfolgte bei rund 10 Prozent der Fachleute persönlich und in den übrigen Fällen online. Die Interviews wurden zu 106 auswertbaren Meinungen verdichtet. Davon stammen 32 Prozent aus dem Handel und 68 Prozent aus der Industrie. Die Experten repräsentieren die Branchen beziehungsweise Formate der deutschen Konsumgüterwirtschaft ebenso wie die relevanten Größenklassen. Unter den Befragten befinden sich Vertreter aller relevanten Funktionsebenen vom Einkauf über IT, Supply Chain Management und Logistik bis zu Marketing und Vertrieb, die mittel- oder unmittelbar für die Einführung von ECR-Methoden und -Techniken in den Unternehmen verantwortlich sind. Die Hälfte der Befragten gehört den ersten beiden Führungsebenen an.
Die vollständige Studie ist auf Anfrage erhältlich.