Das zeigt eine aktuelle Studie von Accenture, die auch die Erfolgsfaktoren der „High-Performer“ nennt: Differenzierung, Vereinfachung des gesamten Betriebsmodells sowie Veränderungs- und Realisierungskompetenz. Die Erzielung profitablen Wachstums im Retailbanking, so die Schlussfolgerung, wird künftig zunehmend von einer massgeschneiderten „Industrialisierung“ der Bankservices und –dienstleistungen abhängen.
Retailbanking – also das Geschäft mit einfachen, standardisierten Bankprodukten – repräsentiert hinsichtlich der Bilanzsumme rund die Hälfte des Schweizer Bankgeschäfts. Die jüngste Studie von Accenture zu diesem Marktsegment , „High-Performance-Retailbanking in der Schweiz“, stellt die Fragen, welchen der 30 grössten Schweizer Retail-Banken es im schwierigen Umfeld zwischen 1998 und 2004 gelungen ist, am profitabelsten zu wachsen – und warum. Basis für die Identifikation der sogenannten „High Performer“ sowie der Schlüsselfaktoren, die ihrem Erfolg zugrunde liegen, ist eine Analyse der tief greifenden Veränderungen, die den Markt in den letzten Jahre geprägt haben: eine zunehmende Konsolidierung und Regulierung sowie das Ringen um zusätzliche Marktanteile auf Kosten der Margen.
Die Marktentwicklung
Die Kosten der Schweizer Retailbanken blieben im untersuchten Zeitraum von 1998 bis 2004 stabil, während die Erträge um durchschnittlich 2,0% pro Jahr stiegen. Die Ertragszuwächse brachten jedoch keine entsprechende Profitabilitätssteigerung – die durchschnittliche Eigenkapitalrendite (RoE) ging sogar von 25,2% auf 20,1% zurück. Ein Grund dafür war gemäss Studie der deutliche Rückgang der Nettozinsmargen. Fazit: Die Institute versuchten, den Volumenanstieg im Retailbanking (bei allen Produkten ausser Privatkrediten) zu nutzen, um ihre Marktanteile auszubauen und nahmen dazu teilweise erhebliche Reduzierungen ihrer Nettomargen in Kauf.
Die Spitzenreiter
Welchen Instituten gelang es in diesem Umfeld, nachhaltig profitabel zu wachsen? Um diese Frage zu beantworten, analysierte Accenture die durchschnittliche Profitabilität2 der 30 grössten Schweizer Retailbanken, das Wachstum ihrer Profitabilität und die Steigerung ihres Nettoertrags. Das Resultat: Die „High-Performer“ sind die Freiburger Kantonalbank und die St. Galler Kantonalbank sowie die Postfinance. Sie erzielten in den letzten sieben Jahren in allen drei Bewertungskategorien kontinuierlich eine überdurchschnittliche Performance. Sie konnten also wachsen und gleichzeitig ihre Profitabilität (über-) proportional verbessern.
Auf das Spitzen-Trio folgen die Kantonalbanken von Aargau, Appenzell, Luzern, Wallis und Zürich sowie die Raiffeisen-Gruppe. Insgesamt finden sich somit sieben Kantonalbanken unter den Schweizer Retailbanken mit dem nachhaltigsten profitablen Wachstum. Trotz überragender Profitabilität platzierte sich keine Retailsparte einer Grossbank in der vordersten Gruppe, da die Erträge im untersuchten Zeitraum nicht entsprechend gesteigert wurden.
Die Erfolgsfaktoren
Accenture identifiziert auch die Schlüsselfaktoren, die zum Erfolg der High-Performer beigetragen haben. Die Analyse spezifischer Kennzahlen, Interviews mit dem Top-Management der High-Performer und Daten aus weltweiten Accenture Untersuchungen zeigen, dass es drei sind: Differenzierung, Simplifizierung sowie Veränderungs- und Realisierungskompetenz, die wir zusammengefasst als Industrialisierung bezeichnen.
Die Fallstudien der drei High-Performance-Banken belegen, was damit gemeint ist. High-Performer wissen, was ihre Bank aus Kundensicht einzigartig macht, und haben sich nach aussen entsprechend differenziert. Gegen innen setzen sie auf eine Vereinfachung des gesamten Betriebsmodells: auf eine möglichst weit gehende Standardisierung von Produkten, Prozessen und Systemen, eine Neustrukturierung der Wertschöpfungskette und das Erzielen von Skalenvorteilen über alle Kundensegmente. Zu guter Letzt zeichnen sich High-Performer durch die Fähigkeit aus, Veränderungen früh zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Und besonders auffallend ist bei allen drei High Performern die Betonung der Bedeutung der eigenen Mitarbeiter für den Erfolg.
Das Fazit
Nach Ansicht von Accenture wird die Erzielung profitablen Wachstums im Retailbanking künftig zunehmend von einer solchen „Industrialisierung“ abhängen. Das bestätigt auch eine global durchgeführte Analyse von High-Performance-Banken. So hat z.B. die Royal Bank of Scotland als globaler High-Performer die Industrialisierung konsequent umgesetzt, indem sie ihr Betriebsmodell stark vereinfacht, den Marktauftritt dagegen im hohen Masse diversifiziert hat. Tatsache ist, dass es kein Patentrezept für High-Performer gibt, wie die Fallstudien aus der Schweiz zeigen. Jede Retailbank, so die Schlussfolgerung, muss ihr eigenes, massgeschneidertes Konzept zur Industrialisierung entwickeln.
1 In der Studie berücksichtigt wurden: Die Retailbanking-Sparten von UBS und Credit Suisse, alle 24 Kantonalbanken, die Raiffeisen-Gruppe, die Migros-Bank, Post Finance und die Valiant Bank.
2 Gemessen an der Eigenkapitalrentabilität (RoE)