Deutschlands Verwaltungen sind für den demografischen Wandel und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Anforderungen nur unzureichend gerüstet. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, in der die Verwaltungen von neun Bundesländern sowie die behördlichen Strukturen des Bundes hinsichtlich ihrer Personalkosten und Altersstrukturen sowie ihres Problembewusstseins und Personalmanagements unter die Lupe genommen werden. Ein entsprechendes Ranking zeigt: Im innerdeutschen Vergleich ist der Bund am besten aufgestellt, gefolgt von Berlin und Sachsen. Die untersuchten ostdeutschen Bundesländer schneiden dabei besser ab als die westdeutschen.
Wie die Analyse deutlich macht, stehen sowohl demografischer Wandel als auch Modernisierung der Verwaltung überall weit oben auf der Agenda der jeweiligen Landesregierungen, jedoch wird der Zusammenhang beider Themen so gut wie gar nicht gesehen - geschweige denn, daraus die Notwendigkeit eines aktiven Personalmanagements abgeleitet. Umfassende Strukturmaßnahmen, mit denen öffentliche Verwaltungen auf veränderte Personalsituationen und Anforderungsprofile reagieren müssten, sind - wenn überhaupt - noch in der Entwicklungsphase. Ein positives Beispiel dafür, wie diesen Herausforderungen begegnet werden kann, liefert das Land Brandenburg: Die Staatskanzlei hat mit der Koordinierungsstelle für Personalmanagement (KPM) eine zentrale Einrichtung geschaffen, in der eine für die gesamte Landesverwaltung einheitliche Personalentwicklungsplanung ressortübergreifend aufgebaut und umgesetzt werden soll.
Integrierte Gesamtstrategie fehlt
Weitere Initiativen sind jedoch dringend notwendig, denn altersspezifische Weiterbildungsangebote, um beispielsweise den Alterungsprozess des Verwaltungspersonals zu begleiten, gibt es bislang weder im Bund noch in den untersuchten Bundesländern. Dabei liegt das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung heute bei weit über 40 Jahren. Besonders auffällig ist der niedrige Anteil der unter 30-Jährigen. Er liegt im Durchschnitt bei acht Prozent (in Hamburg, Sachsen und Brandenburg sogar nur bei sechs Prozent). Zudem können jüngere Mitarbeiter nicht von dem Wissen ihrer Vorgänger profitieren, denn auch nach Strukturen zur Unterstützung des Wissenstransfers sucht man nahezu vergebens. "Was zumeist fehlt, ist eine integrierte Gesamtstrategie, die diese einzelnen Personalentwicklungsmaßnahmen in den Kontext einer ganzheitlichen Modernisierungsoffensive stellt", so Holger Bill, Accenture-Geschäftsführer im Bereich öffentliche Verwaltung. Eine ganzheitliche Vorgehensweise ist jetzt notwendig, um die Herausforderungen der Zukunft als Chance zur Restrukturierung und zur Entwicklung neuer Services zu begreifen. Ein weiteres Ziel muss es sein, "High Potentials" zu identifizieren, sie zu fördern und ihnen auch in der öffentlichen Verwaltung Perspektiven und Anreize für eine entsprechende Karriere zu bieten.
Zur Methodologie der Studie
Anhand der vier Kriterien strategisches Personalmanagement, Problembewusstsein, Personalkosten und Altersstruktur wurde ein Index gebildet, der darstellt, wie stark sich die untersuchten Länder sowie der Bund auf die künftigen Herausforderungen eingestellt haben. Basierend darauf wurden Punkte vergeben, inwieweit die Länder die Anforderungen der einzelnen Kriterien erfüllen. Hierbei wurden die einzelnen Kriterien gemäß ihrer Gestaltbarkeit unterschiedlich gewichtet. Die Auswahl der untersuchten Bundesländer berücksichtigt rund 90 Prozent der deutschen Bevölkerung.
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