Österreichische Managerinnen sind mit 38 Prozent, im Gegensatz zu nur 26 Prozent ihrer männlichen Kollegen, motivierter, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Das geht aus der aktuellen Diversity-Studie „Untapped Potential: Stretching Toward the Future“ des internationalen Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture hervor.
„Frauen sind fit für Führungsaufgaben und motiviert, sich Herausforderungen zu stellen. Sie werden aber in ihren Karriereansprüchen immer noch nicht ernst genug genommen und dementsprechend auch nicht ausreichend gefördert,“ zieht Dr. Heidemarie Schutt, Partnerin bei Accenture Österreich, Bilanz über die Studienergebnisse 2008.
Nicht Gefordert, Wenig Gefördert
46 Prozent der befragten Frauen in Führungspositionen fühlen sich im Job nicht wirklich herausgefordert. Interessanterweise empfinden sich sechs von zehn Frauen trotzdem als „erfolgreich“ bzw. „sehr erfolgreich“. „Derart unangetastetes Potenzial wird Unternehmen – gerade in der „Krise“ – zu intensiverem Ausschöpfen brachliegender Ressourcen zwingen. Herausforderung und gezieltes Mentoring schaffen selbstbewusste, kompetente, motivierte und loyale MitarbeiterInnen“, so Schutt.
Schwellenländer sind Selbstbewusst
Während 90 Prozent der MexikanerInnen und 89 Prozent der BrasilianerInnen auf ihre Fähigkeiten vertrauen, zeigen sich die ÖsterreicherInnen mit 74 Prozent deutlich weniger selbstbewusst. Auch am Arbeitsplatz ist das Verhalten weltweit unterschiedlich. Hierzulande fordern nur 32 Prozent der ArbeitnehmerInnen von ihren Vorgesetzten herausfordernde Aufgaben ein (38 Frauen und 26 Prozent Männer). In Mexiko, Indien und Brasilien sind es 71, 69 bzw. 61 Prozent.
Frauen übernehmen Karriereverantwortung
59 Prozent der weiblichen Führungskräfte bezeichnen sich als „erfolgreich“ bzw. „sehr erfolgreich“. Knapp die Hälfte der Frauen, die sich als „sehr erfolgreich“ bezeichnen geben an, mehr als die erwartete Verantwortung in ihrem Job vorzufinden. Trotzdem sind 81 Prozent der „erfolgreichen“ Frauen bereit, zusätzliche Aufgaben wahrzunehmen, um ihre Karriere weiter voranzutreiben. Die Bereitschaft, sich neue Fähigkeiten anzueignen, die die nächste Karrierestufe verlangt, zeigen 78 Prozent der „erfolgreichen“ Studienteilnehmerinnen.
Mentoring wird Geschätzt, aber nicht Genützt
Frauen sind zwar von der Bedeutung unternehmensinterner Mentoring-Programme überzeugt, nutzen das Angebot jedoch nur marginal. 57 Prozent der Frauen holen sich Ratschläge und Karrieretipps von Familie, gefolgt von Freunden (51 Prozent) und Arbeitskollegen (50 Prozent). Nur 14 Prozent der befragten Frauen besprechen ihre beruflichen Anliegen mit einem formalen Mentor. Das weist auf Defizite in der frauenspezifischen Zielgruppenansprache des Unternehmens-Mentoring hin.
„Das Managen von Talenten ist eine der wichtigsten Aufgaben von Unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Unternehmen, die die Förderung und Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen ernst nehmen, aktualisieren und überprüfen laufend ihre Mentoring-Programme. Zukunftsorientierte Unternehmen setzen bei der Karriereplanung – besonders bei Frauen – nicht nur darauf, entsprechende Positionen anzubieten, sondern vorhandene Fähigkeiten mit neuen Herausforderungen optimal zu verbinden,“ so Schutt.
Frauen Fordern zu Wenig
Nur 48 Prozent der Frauen verlangen aktiv nach einer Gehaltserhöhung im Gegensatz zu 56 Prozent der Männer. Auch bei Beförderungen sind weibliche Führungskräfte im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen zurückhaltend. Lediglich 37 Prozent der Frauen sprechen den Wunsch nach einer Beförderung direkt an. Dem gegenüber stehen 42 Prozent der Männer, die dies aktiv einfordern. Österreichische ArbeitnehmerInnen sind noch zurückhaltender: Nur 27 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer haben die Forderung nach der nächsten Karrierestufe geäußert.
Technik als Erfolgsfaktor
79 Prozent aller StudienteilnehmerInnen, die sich als „sehr erfolgreich“ charakterisieren, bedienen sich verstärkt neuer Technologien. 70 Prozent der Männer sehen sich als „Early Adaptors“ oder „Innovators“, jedoch nur 58 Prozent der Frauen. 29 Prozent der weiblichen Befragten sind aber der Meinung, dass neue Technologien wichtig sind, halten es aber nicht für notwendig, am aktuellsten Stand der Technik zu sein. „Frauen nützen Technik als notwendiges und unterstützendes Arbeitsinstrument. Männer sehen zusätzlich noch den spielerischen Faktor,“ schließt Schutt aus den Ergebnissen.
Nachholbedarf besteht für heimische Unternehmen jedenfalls: Nur 46 Prozent der Frauen in Österreich fühlen sich in ihrem Job sicher und für die wirtschaftlich schwierige Zukunft gerüstet. In Indien und Brasilien blickt man optimistischer in die Zukunft: 61 Prozent der Inderinnen und 59 Prozent der Brasilianerinnen gehen mit Zuversicht in den Berufsalltag.