Wien, 29. April 2008– Jede dritte weibliche Führungskraft in Österreich sieht ihr Geschlecht als Karrierebremse für künftigen beruflichen Erfolg in einer globalisierten Arbeitwelt. Bei den männlichen Befragten sind es dagegen nur vier von hundert. Im Management österreichischer Unternehmen fühlen sich Frauen wie Männer nicht gerüstet für die Herausforderungen der neuen Globalisierung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie, für die der Managementberatungs-, Technologie- und Outsour¬cing-Dienstleister Accenture 4.100 Entscheidungsträger in Europa, Australien, Asien, Südafrika sowie Nord- und Südamerika befragt hat, darunter 200 Personen aus Österreich.
„Frauen und Männer in Führungspositionen werden sich den Chancen wie auch den Herausforderungen einer zunehmend globalisierten Arbeitswelt gleichermaßen stellen müssen", erläutert Dr. Heidemarie Schutt, Partnerin bei Accenture Österreich und darüber hinaus im Unternehmen verantwortlich für Personalentwicklung und Gleichstellungsfragen. „Die Zeiten, in denen die Weltwirtschaft durch die Triade Europa, USA und Japan dominiert wurde, sind unwiderruflich vorüber. Heute entwickeln sich in einem atemberaubenden Tempo eine Vielzahl von höchst erfolgreichen Wirtschaftszentren in den unterschiedlichsten Regionen der Welt. Wir erleben, wie eine neue, multipolare Welt entsteht. Es greift zu kurz, wenn Unternehmen nur ihr Geschäftsmodell in andere Regionen exportieren. Ausschlaggebend ist, dass sie auch ihre Mitarbeiter mit den Kernkompetenzen ausstatten, die in einer multipolaren Arbeitswelt vonnöten sind."
Die Accenture-Studie „One Step Ahead of 2011: A New Horizon for Working Women" bewertet anhand von sechs Indikatoren, inwieweit Führungskräfte auf die mit der Globalisierung verbundenen Anforderungen vorbereitet sind und leitet daraus einen „Skills Readiness Index" ab. Unter den gewählten Indikatoren finden sich Aspekte wie „Flexibilität", „Bereitschaft zur Nutzung neuer Technologien" und „Soziale Verantwortung".
Das Ergebnis: Nur 43 Prozent der in Österreich befragten weiblichen Führungskräfte fühlen sich für die neue Globalisierung gerüstet, bei den Männern sind es 46 Prozent. Zu den identifizierten Handlungsfeldern, die das zukünftige Arbeitsumfeld prägen werden, zählen unter anderem zunehmende Flexibilität, stärkere Verflechtung der Weltwirtschaft und die Nutzung neuer Technologien. Die Studienergebnisse zeigen, dass Männer und Frauen diesbezüglich unterschiedliche Prioritäten setzen: Männer sind wesentlich häufiger bereit, neue Technologien zu erlernen und anzuwenden. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der befragten männlichen Führungskräfte in Österreich geben an, dass ihnen die Beherrschung neuer Technologien dabei helfe, ihre Karriere zu befördern. Bei Frauen sieht das nur ein Drittel der Befragten so. Männliche Entscheider sind auch eher dazu bereit, zusätzliche Verantwortung und komplexere Aufgaben zu übernehmen als ihre weiblichen Kollegen. Frauen zeigen sich dagegen offener gegenüber berufsbedingten Standortwechseln und häufigem Reisen: 22 Prozent der männlichen Führungskräfte in Österreich wären nicht bereit, für den Job umzuziehen, bei den Frauen sind es nur 8 Prozent.
„Eine zielgerichtete Personalentwicklung, sprich das Managen von Talenten im Kontext des internationalen Wettbewerbs, steht ganz oben auf der Agenda vorausschauender Firmen", meint Dr. Heidemarie Schutt. „Wer als Unternehmen langfristig erfolgreich sein will, muss sich immer wieder darauf besinnen, wie wichtig das Potenzial ihrer Mitarbeiter für nachhaltigen Geschäftserfolg ist."
Als ihren persönlichen Vorteil gegenüber den männlichen Kollegen empfinden österreichische Managerinnen nach wie vor ihre Fähigkeiten im Bereich der so genannten „Soft Skills". Allerdings betrachten Sie die klassischen „harten" Fachkompetenzen als die „Karrierebeschleuniger", wenn auch Fähigkeiten wie das Entwickeln globaler Kompetenzen – beispielsweise der Fremdsprachenerwerb oder das Erkennen und Nutzen kultureller Unterschiede – an Bedeutung gewinnen.