Verglichen mit angelsächsischen Unternehmen erledigen Unternehmen im deutschsprachigen Raum immer noch einen sehr hohen Anteil der Verwaltungs- und Dienstleistungstätigkeiten selbst. Während Unternehmen im angelsächsischen Raum durch die Reduzierung der Fertigungs- und Leistungstiefe die Kosten für Produktion und Verwaltung im Griff haben, ist dies hierzulande meist noch nicht der Fall. Der Anteil der Produktionskosten am Umsatz ist in den vergangenen Jahren konstant geblieben, die Verwaltungskosten hingegen laufen den Unternehmen im deutschsprachigen Raum aus dem Ruder – die Kostenschere geht auf. Um diese Kostenschere wieder zu schliessen und somit international konkurrenzfähig zu sein, rückt immer stärker wieder der Aspekt ins Zentrum, der in der modernen Wirtschaftsgeschichte von Beginn an eine zentrale Rolle gespielt hat: die effektive Arbeitsteilung und ihre fundamentale Bedeutung für die Steigerung der Wertschöpfung. Henry Fords Entwicklung der Fliessbandproduktion gilt als erste Revolution der Wertschöpfung. Das Paradigma damals: Optimierung der Produktivität durch Standardisierung und Spezialisierung. Das Paradigma der zweiten Revolution der Wertschöpfung war die Reduzierung der Fertigungstiefe. Der Ausbau der Arbeitsteilung ermöglichte den Unternehmen die Konzentration auf ihre Produktionsexpertise, befeuerte eine Welle des fertigungsbezogenen Outsourcing und liess kooperative Netzwerke und produktive und innovative Zulieferer entstehen. Die dritte Revolution der Wertschöpfung, die uns momentan beschäftigt, überträgt diesen Grundgedanken auf Dienstleistungen und administrative oder unterstützende Prozesse. Hierzu zählen Prozesse im Finanz- und Rechnungswesen, in Einkauf und Logistik, Personalwesen und Call-Center-Bereich-, im Abrechnungs- und IT-Bereich. Während bei der zweiten Revolution der Wertschöpfung die Einbindung spezialisierter Zulieferer den Unternehmen den Zugriff auf innovatives Know-how bei gleichzeitigen Kosteneinsparungen ermöglichte, so geschieht dies im Rahmen der dritten Revolution nun bei der Übertragung dieser Arbeitsweise auf bislang ausschliesslich intern organisierte unterstützende Prozesse. Analog zur zweiten Revolution, wo es um die Reduzierung der Fertigungstiefe ging, sprechen wir bei der dritten Revolution der Wertschöpfung von einer Optimierung der Leistungstiefe. Mit anderen Worten: Genauso wenig, wie ein Autofabrikant heute selbst Energie erzeugen oder Rinderherden zur Lederpolsterproduktion unterhalten würde, wird er künftig die interne Verwaltung seiner Personalabrechungsprozesse selbst betreiben. Auf Fertigungsebene hat die zweite Revolution Ineffizienz und Ineffektivität erfolgreich reduziert, vielfach auf ein Minimum. In der dritten Revolution der Wertschöpfung stehen nun Ineffektivitäten und Ineffizienzen bei den Verwaltungsabläufen im Mittelpunkt. Ein zentraler Begriff im Kontext der dritten Revolution der Wertschöpfung ist das New Outsourcing. Im Gegensatz zum klassischen Outsourcing geht es beim New Outsourcing nicht um reine Kostenreduktionen durch Auslagerung bestehender Unternehmensfunktionen, sondern um eine umfassende Restrukturierung interner Verwaltungsprozesse: Das Unternehmen oder die Organisation holt einen Innovationspartner ins Boot, der gewissermassen als Zulieferer für unterstützende Prozesse agiert. Unternehmen und Innovationspartner arbeiten daran, Abläufe, Strukturen und Systeme zu innovieren, wobei jeder Partner unterschiedliche Kompetenzen einbringt, von der jeder der beiden Partner profitieren kann. Innovationspartnerschaften auf internationaler Ebene – wie bei BP in Grossbritannien, der Versicherung Universal Leven in den Niederlanden oder der spanischen Sparkasse Caixa Catalunya – zeigen, wie der Mehrwert in unterstützenden Prozessen generiert werden kann. Die Bruttowertschöpfungsreserve für Deutschland, die durch New Outsourcing realisiert werden könnte, beträgt bereits heute 40 Mrd. €. Ein Potenzial, das es für den Standort und das Unternehmen zu nutzen gilt. Weiter: Wesentliche Inhalte |