Kronberg, 14. September 2006. – Die Umsetzung der Vorgaben für die „Single Euro Payments Area" (SEPA) stellt weiterhin eine große Herausforderung für die europäische Kreditwirtschaft dar. Das für den Zahlungsverkehr verantwortliche Management der größten Banken Europas erwartet mittlerweile deutlich höhere Investitionen bei der Umsetzung von SEPA. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture. Derzeit wird der bargeldlose Zahlungsverkehr in den europäischen Staaten überwiegend nach „länderspezifischen" Verfahren abgewickelt. SEPA wurde durch die Europäische Kommission initiiert, um einen einheitlichen europaweiten Zahlungsraum zu schaffen. Damit soll der stark fragmentierte Zahlungsverkehr vereinfacht und standardisiert werden. Bargeldloses Bezahlen per Überweisung, Lastschrift oder Bankkarte soll mit SEPA ohne Hindernisse auch grenzüberschreitend möglich sein. Betroffen von der Harmonisierung werden neben der Kreditwirtschaft und Anbietern von Zahlungsverkehrs-Dienstleistungen auch die Privat- und Geschäftskunden der Banken sein. „Der einheitliche europäische Zahlungsverkehr ist eine Revolution", sagt Uwe Pein, Partner im Bereich Finanzdienstleister/Banken bei Accenture. „Über Jahre gab es nur geringe Veränderungen und wenig regulatorisch bedingte Investitionen bei der Modernisierung des Zahlungsverkehrs und dessen Infrastruktur. Mit SEPA wird das jetzt alles nachgeholt. Die Umsetzung wird ein Kraftakt für alle Beteiligten in der Branche sein, das zeigen die Ergebnisse unserer Studie". Mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte (62 Prozent) sind der Meinung, dass SEPA und andere regulatorische Vorgaben der größte Treiber für Veränderungen im europäischen Zahlungsverkehr sind. Nur 28 Prozent geben an, der Markt bestimme die Dynamik für Veränderungen. Dennoch sieht die Mehrheit der Befragten SEPA mehr als eine Chance denn als reine rechtliche Anforderung. Dass SEPA nicht nur viel Aufwand erfordert, sondern auch die schnelle Erneuerung der Zahlungssysteme vorantreibt, sehen fast drei Viertel (74 Prozent) der Befragten. SEPA wird die ohnehin bestehenden Pläne zur Verbesserung und Transformation des Zahlungsverkehrs beschleunigen: 57 Prozent glauben, dass SEPA einen lange überfälligen Schub für eine harmonisierte, standardisierte und effizientere Organisation des Zahlungsverkehrs ermöglicht. Nur 16 Prozent sehen in SEPA eine nutzlose Veränderung ohne Konsequenzen für das künftige Geschäft. Etwa ein Drittel (27 Prozent) hegen die Befürchtung, dass SEPA ein Projekt mit großen Risiken und unrealistischen Zeitvorgaben ist. Die Banken werden in den nächsten fünf Jahren kräftig in die Modernisierung ihrer Systeme investieren: Allein bei den Investitionen in ACH-Anwendungen (Automated Clearing House) gaben 40 Prozent der Befragten an, zwischen 11 und 50 Millionen Euro ausgeben zu wollen. Etwa die gleiche Summe wird in Systeme zur Kartenverarbeitung fließen, sagen 34 Prozent der Befragten. Hochgerechnet aus den Resultaten der Studie ergeben sich für die 100 größten Banken in Europa geplante Investitionen von mehr als drei Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren zur Erfüllung von SEPA. Trotz hoher Investitionen werden die meisten Banken ihre Zahlungssysteme zum Start der zwei Jahre dauernden Übergangsphase im Jahre 2008 nicht vollständig umgestellt haben. Nur 37 Prozent der Befragten gaben an, ihre Systeme bereits 2008 vollständig auf SEPA umzustellen. In der Übergangszeit zwischen 2008 und 2010 werden bestehende Inlands- Zahlungssysteme und SEPA Systeme parallel betrieben werden. Die Aufgaben zur Bewältigung der SEPA Umstellung bedeuten große Belastungen für die Banken und Abwickler. 74 Prozent der Befragten gaben an, dass die Kapazitäten für das technische Projektmanagement besonders stark beansprucht werden. 69 Prozent sind der Meinung, strategische Planung und Entwicklung werden durch SEPA belastet. „Diese Aussagen belegen, dass die Umsetzung der SEPA Anforderungen zunehmend wichtige Ressourcen der Banken und Abwickler binden. Manche Führungskräfte haben in den Interviews sogar beklagt, dass entsprechende Produktinnovationen durch SEPA sogar eher behindert oder verzögert werden", so Uwe Pein. Zur Studie: Die Umfrage wurde von PSE Consulting im Auftrag von Accenture zwischen April und Juni 2006 durchgeführt. Dazu wurden Interviews mit 47 Führungskräften von Großbanken, Gesellschaften für Zahlungsverkehr, Interbanken-Organisationen in 13 europäischen Ländern geführt. An der Studie beteiligten sich unter anderem 26 der 100 größten europäischen Banken und 12 der 26 Interbank-Abwickler. To Top |