Kronberg, 02. November 2005 – Die osteuropäischen Märkte haben für Unternehmen aus Westeuropa eine noch größere Bedeutung als die boomenden Volkswirtschaften China und Indien. Dies ist ein Ergebnis der „Global Operations 2005“-Studie des Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture. Zwei Drittel der befragten Manager aus den Bereichen Supply Chain Management, Sales und Marketing sehen in den neuen EU-Mitgliedern ihre wichtigsten Zukunftsmärkte. Die Kehrseite der Medaille: Osteuropa bietet nicht nur erhebliche Chancen – auch die größten Wettbewerber kommen inzwischen aus den unmittelbaren Nachbarländern. Die allgemeine Auffassung, wonach das größte Potenzial für die westliche Wirtschaft im Fernen Osten liegt, gilt für die USA, nicht notwendigerweise aber für Westeuropa. Zwar betrachten auch hierzulande 61 Prozent der Unternehmen China als wichtigsten Zukunftsmarkt, gefolgt von Indien (32 Prozent) und Russland (24 Prozent). Doch mit 66 Prozent läuft Osteuropa diesen Ländern eindeutig den Rang ab. Für die USA stellen dagegen China (82 Prozent) und Indien (56 Prozent) die bedeutendsten Zukunftsmärkte dar. Ähnliches gilt in Sachen Wettbewerb: Während für 59 Prozent der westeuropäischen Unternehmen die härtesten Konkurrenten auf ihrem Heimatmarkt aus Osteuropa kommen, nennen hier nur 37 Prozent China. Ein Fünftel erwähnt in diesem Zusammenhang Indien, und 16 Prozent Brasilien. Viele Firmen nennen auch die Türkei als wichtigen Wettbewerber. Im Vergleich die USA: Als bedeutendste Wettbewerber gelten dort China (85 Prozent) und Indien (38 Prozent). „Obwohl der Einkauf in Asien größere Preisvorteile bietet, ziehen viele westeuropäische Unternehmen Lieferanten aus Osteuropa vor, weil sie dort häufig eine bessere Kombination aus Kosten, Flexibilität, Produktverfügbarkeit und Qualität vorfinden“, sagt Kai Nowosel, Supply Chain Management-Experte bei Accenture in Deutschland. Dennoch bieten auch die asiatischen Märkte nach wie vor erhebliche Chancen. „Umso wichtiger ist eine effektive, weltweite Strategie für die Bereiche Beschaffung, Herstellung, Logistik und Service“, so Nowosel. Denn: Immerhin ein Drittel der Manager macht Defizite bei ihrer sogenannten „Global Operations“-Strategie direkt für den Verlust von Marktanteilen verantwortlich. Und mehr noch: Über die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gibt an, ihren Unternehmen fehle ein weltweites oder regionales Einkaufs-, Produktions- und Logistiknetzwerk, das Güter termingerecht zu den vereinbarten Kosten liefern kann. Die Accenture-Studie zeigt aber auch: Die westeuropäischen Unternehmen stellen sich dieser Herausforderung, denn 90 Prozent aller Befragten gaben an, derzeit an Verbesserungen ihrer „Global Operations“ zu arbeiten. Knapp die Hälfte (49 Prozent), weil sie sich damit gegen den aufkommenden Wettbewerb rüsten will, 43 Prozent, um neue Märkte zu erobern. „Viele Firmen profitieren allerdings noch nicht von ihren Investitionen, weil ihnen die effektive, weltweite Gestaltung von Einkauf, Herstellung, Logistik, Service und Vertrieb nicht gelingt.“ Hinweis Unter dem Begriff „Global Operations“ versteht Accenture die weltweite Beschaffung, Herstellung und Logistik von Produkten sowie den dazugehörigen Service. Zur Studie Die internationale Global Operations-Studie wurde Mitte 2005 durch das Marktforschungsunternehmen S. Radoff Associates im Auftrag von Accenture erstellt. An der Umfrage haben sich in Europa (Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, Schweden, Spanien) sowie den USA über 300 Manager aus den Bereichen Marketing und Vertrieb sowie Supply Chain Management beteiligt. Ihre Unternehmen (Industrie, Handel, Medien, Unterhaltung, Verlage, Telekommunikation, Transport) machen einen Jahresumsatz von über 500 Millionen US-Dollar (US-Unternehmen mehr als 1 Milliarde US-Dollar). |